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Assistenzsysteme : So fährt das Auto auch im Schnee

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Jedes neue Auto in Europa verfügt über eine Antriebsschlupfregelung (nicht Antischlupf, wie manchmal zu lesen ist). Sie nutzt die gleiche Technik wie das Antischleuderprogramm ESP, jedoch zu einem anderen Zweck. Erkennen die Radsensoren beim Beschleunigen das Auftreten von Schlupf, so senkt die Motorelektronik das Drehmoment des Motors und bremst die durchdrehenden Räder so weit ab, dass wieder Kraft übertragen werden kann. Handelt es sich um ein Fahrzeug mit elektronisch geregelter Allradkupplung, wird gleichzeitig das verbleibende Drehmoment zwischen den Achsen optimal verteilt. Der Fahrer muss einfach beherzt auf dem Gaspedal bleiben und sich von den in der Bremse auftretenden Geräuschen nicht irritieren lassen. Den Rest erledigt die Elektronik. Einfacher geht Anfahren auf Schnee nicht. Professionelle Fahrer monieren allerdings, dass sie sich häufig ausgebremst fühlen.

Frontscheibe, beheizbar

Selig, wer eine Garage hat. Das ist in deutschen Großstädten, einer Umfrage von Autoscout zufolge, nur eine Minderheit von sieben Prozent. Bei allen anderen beginnt die Winterfahrt mit Kratzen und Bürsten. Bürsten? Ja bitte, zumindest wenn viel Schnee auf dem Dach liegt und nach der ersten scharfen Bremsung auf die Frontscheibe zu rutschen droht. Diese Arbeit erspart einem auch eine beheizbare Frontscheibe nicht - wohl aber das sofort nach dem Motorstart wieder einsetzende Beschlagen innen sowie die Eisbildung außen. Ein deutlicher Beitrag zur Sicherheit. Übrigens: Die in die Scheibe eingelassenen Heizdrähte sind mittlerweile so fein, dass sie auch bei direkter Sonneneinstrahlung kaum wahrzunehmen sind.

Winterreifen

Jahrein, jahraus hämmert es uns die Werbung ein, sobald die Nächte im Herbst kühler werden: unbedingt auf Winterreifen umsteigen, auch wenn kein Schnee fällt. Ab einer Temperatur von plus sieben Grad abwärts verhärteten sich die Gummimischung von Sommerreifen so weit, dass der Reifen nicht mehr die optimale Traktion biete. Die Faustregel ist nicht ganz verkehrt, wobei moderne Qualitätsreifen grundsätzlich weitere Temperaturfenster haben. Mancher Großstädter oder Flachlandbewohner fährt mit Ganzjahresreifen deutlich besser – sofern er das Auto bei starken Schneefällen stehen lässt. Denn dann ist ein guter Winterreifen unverzichtbar. Zwei Dinge machen diesen aus: zum einen das Profil, das sich mit vielen kleinen Lamellen in den Schnee krallt, zum anderen eine Gummimischung, die auch bei sehr tiefen Temperaturen relativ elastisch bleibt. So viel Können hat seinen Preis, auch in Form eines höheren Spritverbrauchs. Die Testsieger in den Eigenschaftswertungen liegen in den Effizienzklassen C bis E.

Schneeketten

Ein Kettenfahrzeug wär jetzt ideal, dachte sich wohl schon mancher, der auf der Autobahn nach einem Wintereinbruch festsaß. Doch gemach: Schneeketten, erstmals zum Patent angemeldet im Winter 1904, sind zwar bei schneebedeckten Steigungen in den Berge hilfreich und mancherorts gar vorgeschrieben. Die netzartig über den Reifen gespannten Ketten sorgen für einen deutlich besseren Grip. Aber ihr Einsatz ist nur bis zu 50 km/h auf vollständig schneebedeckter Fahrbahn erlaubt. Und vor allem gilt das Gleiche wie für andere Lebenssituationen, in denen keine Zeit zum Fummeln bleibt: Die Montage sollte vorher geübt werden, das geht auch ohne Schnee.

Tankanzeige

Ein Blick auf die Tankanzeige schadet natürlich auch im Sommer nicht. Wer im Winter längere Strecken unterwegs ist, sollte jedoch nicht erst tanken, wenn die Reserve-Warnleuchte erscheint. Denn bei einer Vollsperrung wird es ansonsten schnell kalt im Auto: Eine Stunde im Leerlauf kostet, so die Faustformel, etwa einen Liter Sprit. Und wenn auf der Autobahn nichts mehr geht, helfen weder Allradantrieb noch ausgefeilte elektronische Helferlein. Sondern nur ein laufender Motor oder ersatzweise der Skianzug aus dem Kofferraum.

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