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„Auto China 2010“ : Wohin sind nur all die Fahrräder verschwunden?

  • -Aktualisiert am

Audi stellte den A8 L vor Bild: REUTERS

Die Chinesen feiern das Auto: Noch bis zum 2. Mai ist Chinas größte Auto-Schau in Peking geöffnet, bis dahin rechnet man mit deutlich mehr als 700.000 Besuchern auf der „Auto China“. Die Lust auf das Auto ist im Reich der Mitte ungebrochen.

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          Noch bis zum 2. Mai ist Chinas größte Auto-Schau in Peking geöffnet, bis dahin rechnet man mit deutlich mehr als 700.000 Besuchern auf der „Auto China“. Die Lust auf das Auto ist im Reich der Mitte ungebrochen, derweil sind - zumindest in Peking - heute weit weniger Fahrräder auf den Straßen unterwegs als noch vor Jahren.

          Rund 13 Millionen Fahrzeuge wurden im vorigen Jahr verkauft (inklusive Nutzfahrzeuge und Lastwagen), für das erste Quartal 2010 werden abermals Rekordergebnisse gemeldet, und vermutlich wird der Jahresabsatz um mehr als 20 Prozent steigen. Diesen Markt kann sich kein global agierender Hersteller entgehen lassen. Mercedes-Benz verkauft schon jetzt die S-Klasse in China so gut wie sonst nirgendwo, auch die Luxus-Marke Maybach macht das Gros ihres (kleinen) Absatzes dort.

          Das sind gute Gründe, die „Auto China“ als Bühne für einen großen Auftritt zu nutzen. Konzernchef Dieter Zetsche persönlich stellte den Prototyp „Shooting Break Concept“ vor. Der Viertürer gibt einen deutlichen Ausblick auf die Linien des für den Herbst avisierten neuen CLS, möglicherweise könnte auch eine weitere Baureihe in diesem Crossover-Design entstehen. Außerdem will Mercedes-Benz mit einer verlängerten Version der E-Klasse in China zulegen.

          Erneuert hat Maybach die beiden Modelle 57 und 62
          Erneuert hat Maybach die beiden Modelle 57 und 62 : Bild: AP

          Ein markanterer Kühlergrill und ein umgestalteter Stoßfänger

          Erneuert hat Maybach die beiden Modelle 57 und 62, ein markanterer Kühlergrill und ein umgestalteter Stoßfänger werden dem Anspruch des Luxusliners eher gerecht als die bislang zierliche Frontpartie. Ein neues Beduftungssystem, bei dem der Besitzer mit Hilfe der Maybach-Macher sein eigenes Parfüm kreieren kann, soll zusätzlich das Wohlbefinden an Bord steigern.

          Audi als Premiummarke mit der längsten Erfahrung in China und der Führungsposition in dieser Klasse stellt den A8 L vor, der in seiner gestreckten Version die Normalausgabe um 13 Zentimeter übertrifft. 5,27 Meter lang ist die Chauffeurslimousine. Der auf 6,3 Liter vergrößerte W12-Motor arbeitet nun mit direkter Benzineinspritzung und leistet 368 kW (500 PS). Sein Verbrauch liegt bei 12 Liter auf 100 Kilometer, das sind 1,6 Liter weniger, als der um 50 PS schwächere Vorgänger konsumiert hat. Volkswagen setzt ebenfalls auf die Oberklasse und zeigt in Peking den erneuerten Phaeton, der mit einer dynamischeren Front und einem steileren Kühlergrill viel von seiner früheren Unaufgeregtheit verloren hat. Man habe richtig Blech angefasst, heißt es, um dem Spitzenmodell der Wolfsburger ein Plus an dynamischer Eleganz zu verleihen.

          Weiterhin sind zwei Radstände und Fahrzeuglängen im Programm. Bentley setzt noch eins auf das Luxussegment drauf und zeigt zwei speziell für China konfigurierte Sondermodelle. Der Continental GT „Design Serie China“ und der Continental Flying Spur „Speed China“ sind leistungs- und komfortorientiert und mit einem dreifarbigen Innenraum bunt wie Papageien.

          Ein Entwicklungsprogramm für das Megacity-Fahrzeug

          BMW stellt den neuen 5er als China-Premiere aus und gibt sich sonst sehr elektrisch. Ein Entwicklungsprogramm für das Megacity-Fahrzeug, das gemeinsam mit der Tongji-Universität in Schanghai betrieben wird, soll planmäßig 2013 mit der Einführung eines E-Mobils für die Metropolen Chinas abgeschlossen werden - einer von vielen Versuchen, den drohenden Klimakollaps zu verhindern. Außerdem geht eine Flotte von elektrisch betriebenen Mini an den Start zu einem Feldversuch.

          Porsche präsentiert den Panamera mit dem 3,6-Liter-V6 und 220 kW (300 PS) als Basismodell. Speziell für China hat die Marke den Geländewagen Cayenne mit einem 245 kW (333 PS) starken Kompressor-V6 im Programm, dessen Hubraum von drei Liter den Grenzwert zur dortigen Luxus-Besteuerung unterschreitet.

          Das Kopieren haben die chinesischen Hersteller also noch nicht verlernt

          Bei Ford debütiert die Studie Start, ein sportlicher Kleinwagen, der die Gene der ersten Ka-Generation bemüht und mit seinem gefälligen Design auch auf unseren Straßen willkommen wäre. Motorisiert ist er wohltuend konventionell, sein Einliter-Dreizylinder-Benziner erhält Zusatz-Atem von einem kleinen Turbolader und soll es trotz ordentlicher Leistung auf einen CO2-Ausstoß von weniger als 80 g/km bringen. Man prüfe zur Zeit, ob das Modell in Europa produziert werden kann, sagte ein Ford-Sprecher.

          89 der 990 auf der Pekinger Messe gezeigten Autos feiern nach Angaben der Messeleitung ihre Premieren. Dazu zählen jedoch all die mit wilden Designs auftretenden Elektro-Studien, denen man nicht recht glauben will, dass sie es aus eigener Kraft auch nur bis zum Hallenausgang schaffen würden. So sorgte Mercedes-Benz mit der Shooting-Break-Studie nicht nur für eine Überraschung, sondern musste selbst eine erleben: Auf dem Stand der chinesischen Marke BAIC, auf dem unter anderen der Saab 9-5 unter neuem Markennamen reüssiert, immerhin der Kooperationspartner von Daimler in Peking, konnten die Stuttgarter ihre B-Klasse entdecken. Mit neuem Markenzeichen und nur leicht verändertem Bug sowie dem Versprechen eines elektrischen Antriebs. Das Kopieren haben die chinesischen Hersteller also noch nicht verlernt.

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