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Aufregung nach Hackerangriffen : Wozu braucht man das Internet im Auto?

Wer sich Nachrichten, Status-Updates und Meldungen seiner vernetzten Freunde im Auto vorlesen lässt, wird kaum abgelenkt Bild: Getty

Nach den jüngsten Hackerangriffen darf man fragen, wie sicher das Auto in die Zukunft fährt. Die Anfälligkeit für Attacken und Ausspähung aus der Ferne wächst. Das ist der Stand der Technik.

          6 Min.

          Hacker greifen das Auto an. Schwachstelle ist die Internetanbindung des Fahrzeugs. Für viele Fachleute war die Entwicklung absehbar. Mit zunehmender Vernetzung wächst die Anfälligkeit für Attacken und Ausspähung aus der Ferne. Immer mehr Elektronik öffne gleichsam die Einfallstore für Hacker, heißt es. Ganz so einfach ist es jedoch nicht. Autos werden nicht wie Apps programmiert, und die Hersteller betreiben einen immensen Aufwand, ihre Anlagen für Information und Unterhaltung von den wichtigen Systemen wie der Lenkung oder den Bremsen abzuschotten.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Wozu braucht man überhaupt das Internet im Auto? Nur für Infotainment, von vielen auch als Spielerei bezeichnet? Oder für das autonome Fahren? EU-Kommissar Günther Oettinger und Bundeskanzlerin Angela Merkel haben darauf den Fokus gelegt und die Forderung erhoben, die Netzneutralität müsse zugunsten von Spezialdiensten aufgehoben werden. Denn wenn das fahrerlose Auto via Internet durch den Schwarzwald gesteuert würde, dann müssten, so Oettinger, bei schwacher Netzanbindung die sicherheitsrelevanten Fahrsysteme Vorrang haben vor den Filmen, die sich die Kinder auf der Rückbank aus dem Internet holen.

          Ähnlich provokativ fragte die Bundeskanzlerin: „Wer wird einen fahrerlosen Autoverkehr organisieren, wenn er nicht weiß, ob ihm mitten zwischen Frankfurt und Mannheim irgendwann das Datennetz zusammenbricht, weil gerade Millionen von E-Mails Vorrang haben und die Sicherheit der Datenübermittlung nicht gewährleistet ist?“

          Die Idee wäre also, dass der Verkehr der Zukunft in Echtzeit über das Internet und den Mobilfunk ferngesteuert wird. Und man müsse Vorkehrungen treffen, dass nicht irgendein opulentes Youtube-Video oder eine E-Mail mit dicken Dateianhängen das Netz dahingehend blockiere, dass der extern kontrollierte Autoverkehr gefährdet werde. Die Ideen der beiden Politiker sind gewiss originell. Sie haben aber mit den konkreten Plänen der Autohersteller für das autonome Fahren nichts gemeinsam. Wer sollte jedes einzelne Auto aus der Ferne steuern? Die Entwicklungen aller Hersteller basieren nachgerade nicht auf einer fortwährenden Online-Anbindung. Warum sollte man sich in solche Abhängigkeiten begeben? Selbst bei Google und seinem Roboterauto ist keine Rede davon, dass es auf eine Internetanbindung angewiesen sei. Programmierer schütteln erstaunt den Kopf. Oettingers Vorstellungen für eine „Verkehrssicherheit in Echtzeit“, bei denen der Fahrer über das Internet erfährt, „dass von rechts jemand kommt“, sind nicht von dieser Welt.

          Adresseingabe mit dem Controller ist mühsam

          Etwas weltfremd ist gewiss auch die Annahme vieler Autohersteller, dass mit dem Internet im Auto das Surfen im Netz gemeint sein soll, wie es man vom heimischen PC kennt. Mit Browser, Adresszeile und Werbeeinblendungen, die man mit einem Mausklick ausblendet. Die bislang vorgestellten Lösungen sind kaum überzeugend.

          Auf dem Bordmonitor startet ein Web-Browser, der jedoch naturgemäß weder die hohe Auflösung eines Notebooks noch den gewohnten Komfort bei Anzeige und Darstellung bieten kann. Selbst die in vielen Fahrzeugen der Oberklasse verbauten XXL-Anzeigen mit mehr als 25 Zentimeter Diagonale sind fürs automobile Surfen viel zu klein. Zudem fehlen Tastatur und Maus. Die Adresseingabe mit dem Controller ist mühsam und langwierig und die Darstellung meist unbefriedigend. Denn unter der Haube arbeiten nicht die Standard-Browser wie Google Chrome oder Firefox, sondern proprietäre Anwendungen, die nicht alle Seiten gelungen darstellen. Spätestens wenn Werbung oder Multimediales aufploppen, endet der Surf-Spaß, der in der Regel ohnehin nur im stehenden Fahrzeug funktioniert.

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