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Aufladen von Elektroautos : Ein Netz ohne doppelten Boden

  • -Aktualisiert am

Wenn bald alle Elektroautos fahren, werden das die Stromnetze nicht ohne Weiteres verkraften. Bild: Adobe Stock

Elektroautos brauchen nicht nur ausreichend grünen Strom, er muss auch zum richtigen Zeitpunkt vor Ort sein. Die Stromversorgung deutscher Kommunen könnte schon bald überlastet sein.

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          Schalter umlegen, und los geht es. Die Fahrt ist rasant, denn das Gefährt ist Leichtbau pur: Ein Elektron besitzt keinerlei Masse und bewegt sich daher theoretisch mit Lichtgeschwindigkeit auf den Leiter. Doch wie es im Verkehr halt so ist: Nie ist die Bahn ganz frei, der eine oder andere Zusammenstoß führt dazu, dass die Geschwindigkeit sinkt. Die freiwerdende Energie manifestiert sich in Wärme. Wird die zu groß, weil allzu viele Elektronen gleichzeitig durch das Kabel drängen, schmort es durch.

          Diese – außer durch unbezahlbare Supraleiter – nicht zu ändernde physikalische Tatsache hat bislang weder Haus- noch Autobesitzer gestört. Denn die elektrischen Verteilnetze sind in Deutschland großzügig dimensioniert. Der Anschluss für ein kleines Reihenhäuschen ist bislang üblicherweise auf 30 Kilowatt elektrische Leistung ausgelegt. Selbst wer versuchsweise alle elektrischen Verbraucher in einem üppig mit Küchengeräten und Fernsehern eingeschalteten Haushalt einschaltet, bleibt in der Regel deutlich unter zehn Kilowatt. Da sollte es doch kein Problem darstellen, das Elektroauto vor der Tür mit einer 11-Kilowatt-Wallbox zu laden. Ist es aber doch. „Die Verteilnetze sind auf so hohe Dauerleistungen nicht ausgelegt“, sagt beispielsweise Thorsten Schmude, bei der Mainova-Tochter Netz-Dienste Rhein-Main für die Netzkoordination verantwortlich. Bei der Auslegung jener Netzteile, die von den Ortsnetztrafos zu den einzelnen Haushalten führen, ging man davon aus, dass zur gleichen Zeit nur 1,5 Kilowatt pro Haushalt gebraucht werden. Zwar haben die Verteilnetze aktuell Reserven, vor allem weil sich die in den 1970er Jahren vorübergehend hochgehaltenen Durchlauferhitzer nicht durchgesetzt haben. Doch wenn viele Menschen ihr Elektroauto vor der eigenen Haustür laden wollten, überstiege die Nachfrage rasch das verfügbare Leistungsangebot.

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