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Auf Sonderfahrt (6) : Jagd auf jedes Blatt

  • -Aktualisiert am

Da passt kein Blatt dazwischen: Mato Jelas und seine City Cat sind die Saubermänner vom Dienst Bild: Rüdiger Abele

Der Busbahnhof muss heute noch tipptopp werden: Kompakte Kehrmaschinen sind die modernen Straßenfeger, sie bringen Gehwege und Radwege zum Blitzen.

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          Das welke Blatt hat keine Chance. Der rotierende Besen rupft es mit robusten Kunststoffborsten aus der Gehwegfuge und befördert es mittig unter das Fahrzeug. Dort wird es an den Saugschlund übergeben, der es vom Boden reißt und mit der Kraft seiner starken Maschinenlunge in den Kehrgutbehälter wirft, zu Tausenden anderen welken Blättern, zu gleichfalls aufgenommenen Kleinpartikeln, zu Unrat unterschiedlicher Herkunft. Willkommen in einem ganz properen Maschinchen - in einer Kehrmaschine.

          Heute steht der Busbahnhof in Sindelfingen auf dem Programm von Mato Jelas. „Normalerweise“, sagt er, „ist um 10 Uhr dort alles tipptopp. Tipptopp!“ Nur heute nicht, denn da hat zuvor noch diesen Reporter eingesammelt, der sich auf den schmalen Notsitz links von ihm in der engen Kabine quetscht. Jelas selbst sitzt rechts, um den Fahrbahnrand besser sehen zu können. Der heutige Zeitplan ist aus dem Lot, doch der Fachmann ist es nicht. Er ist Routinier auf der Kehrmaschine, fährt sie und andere Großgeräte für die Technischen Betriebsdienste der Städte Böblingen und Sindelfingen. Jelas beschleunigt das Gefährt auf 46,7 km/h, eine Digitalanzeige gibt genaueste Auskunft, und bringt es vom Bauhof an den Einsatzort. Auf der Strecke dorthin ist das kubische Fahrzeug ein Schlaglochsuchgerät - nicht unbedingt komfortabel gefedert, denn nicht nur der Fahrer wippt bei jeder Unebenheit auf seinem immerhin ordentlich gepolsterten Sitz auf und ab, das ganze Fahrzeug tut es. Es ist halt kein komfortabler Zubringer, sondern schlichtweg eine Arbeitsmaschine. Gebaut für einen bestimmten Zweck, den sie perfekt zu erfüllen hat.

          Größere Äste mag die Maschine nicht

          Kurz vor dem Busbahnhof bremst Jelas die rollende Maschine und steuert sie auf den Gehweg. Seine rechte Hand fällt auf den Joystick, die linke auf den Knauf am Lenkrad. Ein paar Knöpfe am Bedienfeld gedrückt, und die Besen von 80 Zentimeter Durchmesser nehmen ihre Drehtätigkeit auf. Sprühwasser wird hinzugeschaltet, sonst wäre die Angelegenheit gar zu trocken. Drei Kehrbesen gibt es: Jeweils einen rechts und links am Fahrzeug und dann vorn einen an einem sehr beweglichen Arm. Das Fahrprogramm ist mit einer niedrigen Schrittgeschwindigkeit festgelegt, und der Mann gibt mit dem rechten Fuß Gas. Mal 2,5 km/h, mal 3,7 km/h, höchstens 4,6 km/h zeigt das Display, während sich die City Cat 2020, wie es oben außen am Kehrgutbehälter prangt, auf ihren reinigenden Weg über den Bürgersteig macht. Die Stadtkatze hat das Mausen gelernt. Jelas zirkelt die City Cat den Gehweg entlang und immer auch den Frontbesen an dessen beweglichem Arm in seine optimale Stellung, um alles auf dem Boden Liegende heranzuschaffen, selbst wenn es etwas entfernt oder in einer Nische liegt.

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