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Probefahrt Citroën Ami : Friede, Freude, Frankreich!

Fährt nicht schnell, aber freundlich: Citroën Ami Bild: Citroën

Das Gute an den Umbrüchen, die die Mobilitätswelt erfassen: Überall öffnen sich plötzlich Nischen für Neues. Und genau da hinein schickt Citroën jetzt seinen kleinen Elektrowürfel Ami.

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          Gestenspiele im Berliner Verkehr sehen gewöhnlich so aus: Adern pulsieren, Finger an die Stirn, Faust in die Höhe. Wenn aber der Citroën Ami durch Mitte surrt, passiert etwas anderes. Eine Radlerin streckt den Daumen hoch, Fußgänger winken, Kinder kichern, alle lächeln. Als hätte der winzige Würfel auf vier Rädern mal eben die passiv-aggressive Grundstimmung der Straße weggesaugt.

          Anna-Lena Niemann

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Der sozialverträgliche Ami schickt sich an, die urbane Mobilität ein bisschen umzukrempeln. Wenn er 2021 in Deutschland auf den Markt kommt, soll er ähnlich günstig sein wie in Frankreich, wo Citroën seit Juli etwa 1000 Modelle verkauft hat. 6900 Euro kostet er dort. Wer leasen will, zahlt 20 Euro im Monat. Dafür gibt es einen 470 Kilogramm leichten Zweisitzer, nur 7,20 Meter Wendekreis, umgerechnet acht PS und mit der 5,5-kWh-Batterie bis zu 75 Kilometer Reichweite. Aufgeladen ist er nach drei Stunden an der Haushaltssteckdose. Adapter für Ladesäule und Wallbox will Citroën zum Marktstart aber parat haben.

          Die Elektrokapsel macht freilich nicht nur Passanten, sondern auch Fahrern Freude. Sofern die sich darauf einlassen, dass es fast ungefedert auf Tuchfühlung mit jedem Gullydeckel geht. Und bei 45 km/h Schluss ist. Der Ami ist ein Leichtfahrzeug, darf bereits mit dem Rollerführerschein, Klasse AM, ab 16 Jahren gefahren werden. Auf Berlins Straßen war die 45-km/h-Grenze kein Hindernis, schneller geht es eh nicht voran. Dafür bietet er dank Panoramadach und großflächiger Verglasung einen hervorragenden Überblick, der den fehlenden Rückspiegel vergessen macht.

          An vielem haben die Entwickler im Innenraum gespart – nur nicht an Fenstern. Die kleine Kapsel bietet einen guten Überblick im wuseligen Stadtverkehr. Bilderstrecke
          Friede, Freude, Frankreich! : Citroën Ami in Bildern

          Für seine 2,41 Meter Länge, viel kürzer als ein Smart, wirkt er recht geräumig, weil Fahrer und Beifahrer fast auf der Hinterachse sitzen. Stauraum gibt es allerdings nur vor dem arretierten Beifahrersitz. Sicherheit soll ein Stahlrohrrahmen bieten, ansonsten besteht die Karosserie vollständig aus Kunststoff. An Bord ist der Dreipunktgurt das einzige Sicherheitssystem.

          Anstelle von Radio und Navigationssystem gibt es bloß Halterungen für Smartphone und Bluetooth-Lautsprecher. Die jugendliche Kundschaft dürfte das aber wenig stören. Fensterheber? Braucht es auch nicht, hat Citroën entschieden und lieber Scheiben verbaut, die sich zur Hälfte nach oben klappen lassen. Nebenbei weckt das natürlich Enten-Reminiszenzen, und die machen bekanntlich immer Freude.

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