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Audi RS : Flott war die Zeit

  • -Aktualisiert am

Der aktuelle Audi RS 5 Sportback kommt mit einem 2,9-Liter-Biturbo-V6 und 450 PS. Wenn es sein muss, fährt er 280 km/h. Die Preise beginnen bei 84.000 Euro, der Verbrauch schwankte auf unseren Fahrten zwischen 9,3 und 11,5 Liter Super. Bild: Hersteller

Schnelle Audi heißen RS. Seit knapp 30 Jahren. Ein Blick auf etliche rasante Begegnungen im Zeichen der feschen Ringe. Können rein elektrische RS-Modelle in der Zukunft eine Berechtigung haben?

          5 Min.

          Ein später Nachmittag zu Anfang der 1990er Jahre, auf der A 81, Richtung Norden, es duftet nach Sonntagskaffee und Buttergebäck. Wir gleiten in einem gut eingefahrenen Test-Audi A8 mit entspannten 230 km/h dahin. Alles sehr piano und mit Schonkaffee aus der alten Thermoskanne. Dann wird es sehr hell hinter uns. Kurzes Aufblenden, der leicht getarnte Überholer im Karosseriekleid eines biederen A4 Avant ist außer Sicht, bevor wir ihn sicher identifizieren konnten. Willst du hier einparken oder was, nölt die keineswegs unterernährte Beifahrerin und sichert sich zwei weitere Kipferl.

          Drei Minuten später sind wir doch in Sichtweite hinter dem anderen Audi mit HN-Kennzeichen, dem ein paar niederländische Wohnwagen im Konvoi die flottere Fahrt vereiteln. Als es wieder auf freie Fahrt geht, gibt sich unser HN-A4 alle Mühe, aber er hat keine Chance dranzubleiben. Das schmerzt überhaupt nicht: Wir sind unerwartet einem Teil der Vier-Ringe-Zukunft begegnet. Dass daraus eine eigene Audi-Klasse von ambitionierten Fahrzeugen für Aktive aufblühen könnte, das war noch nicht zu erkennen.

          30 Jahre später ist das RS-Emblem fast Allgemeingut. In beinahe jeder Modellreihe wird es getragen. Häufig in Verbindung mit extravaganter Lackierung. Ein mattes Grau wie ein Brudermord im Altwasser. Ein Grün wie Spinat in der Windel. Aber alles besser als das ewige Schwarz und das unverbindliche Silber. Der im späten Herbst 2020 angelieferte Test-RS5 Sportback 2.9 TFSI quattro tiptronic ist nicht der schönste Audi RS. Das ist der RS7 Sportback. Eleganz bis zur Atemnot bei sensiblen Betrachtern.

          Im Vergleich dazu wirkt der RS5 gedrungener. Bösartiger trotz vier Türen und schnellem Gleitheck. Dabei eher ein Heimlichtuer, aber sein Innenleben mit 2,9-Liter-Biturbo-V6 und 450 PS bei 5700/min, mit einem Wasserkraftwerk-Drehmoment von 600 Newtonmeter über 1900 bis 5000 Umdrehungen in der Minute hinweg samt Höchstgeschwindigkeit (auf Wunsch) von 280 km/h, bleibt an der Tanke nicht verborgen: Trotz E-Auto-Offensive zeigen allerorten viele Daumen nach oben für diesen Ausnahme-Audi. Zum Preis von etwa 84.000 Euro.

          Obwohl im Kleid des Audi 80 Avant, hieß der erste RS Audi RS 2 Avant. Unter der Haube werkelte ein formidabler Fünfzylinder mit 315 PS. "Technik und Motor" bewegte den bei Porsche gebauten Kombi 1994 mit im Schnitt 13,2 Liter Super auf 100 Kilometer. Bilderstrecke
          Audi RS : Flott war die Zeit

          Im Lauf unserer langfristigen „Fahre und schreibe darüber“-Tätigkeit trieben mancherlei RS-Typen heran. Zum Beispiel ein gestandener Audi RS 6 Plus, V8 mit 480 PS. Ein Erlebnis für die Ohrwascherln und die Benzinabrechnungen an den Chef vom Dienst. Dann erweiterte sich die kleine Liste um eine etwas zu dezente RS3-Limousine in Privatbesitz eines Bank-Managers, weiter um ein RS5 Cabrio, das einer älteren Dame gehörte, die sich später einem Lancia Delta Integrale mit getuntem Motor zuwandte, dann rollte vor etwa zwei Jahren ein RS4 Avant für „Technik und Motor“ heran, und in diesem späten Herbst 2020 ereilte uns die zweite Generation des RS5 Sportback. Aktuell zimmert Audi am Ausbau der RS-Typen in den Kleidern der Q-SUV-Modelle. Ein Ende ist nicht abzusehen.

          Aus dem einzelgängerisch-provozierenden Audi RS 2 Avant des Jahres 1994 (im Design des Audi 80 Avant mit kultigem 315-PS-Fünfzylinder-Turbo) in der auffällig unauffälligen Sonderlackierung „Ich bin das böse Blau“ hat sich eine sehr eigenständige Produktlinie entwickelt, zu der sich in diesen Zeiten der Corona-Gefährdung nicht nur potente SUV, sondern alsbald auch elektrisch bewegte RS-Modelle gesellen dürfen.

          Rennsport ist nicht das rauschhafte Rasen

          Für diese RS-Welt ist seit kurzem die Audi Sport GmbH zuständig, deren Erbgut auf die frühere Quattro GmbH verweist. Entwickelt werden RS-Fahrzeuge allesamt in Neckarsulm, gebaut werden sie in Heilbronn, deshalb die schnellen HN-Kennzeichen. Und alle haben die A81 vor den Toren, die auch von den Porsche-Kollegen gerne aufgesucht wird. Im Stammbuch der Audi Sport ist sehr ernsthaft die Aufgabe ihrer Ingenieurs- und Geschäftstätigkeit festgeschrieben: „Ziel der Audi Sport GmbH ist Rennsport-Technologie in Straßenmodelle zu integrieren.“ Dabei ergeben sich zwei Fragen: Kann es denn erwünscht sein, dass Rennsport auf der Straße betrieben wird? Natürlich nicht. Aber Rennsport ist nicht das rauschhafte Rasen, sondern die Präzision des Fahrens im Raster der Gesetze. Es geht im Kern eines RS-Typen um die Begegnung mit der Perfektion des Gaswechsels und der Schärfe im Verbinden von Mensch und Maschine. Oder: um die Liebe zum Leben im Inneren des Brennraums. Ob RS-E-Typen mit der lautlosen, elektrischen Kraft aus zentnerschweren Akkumulatoren diesen Anspruch erfüllen, das wird sich erst noch erweisen müssen.

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