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Audi R8 V10 plus : Kein Tag ist Alltag

Kein deutscher Sportwagen hat einen selbstbewussteren Auftritt als der Audi R8 Bild: Schmidt

Auto-Deutschland liegt im 911-Fieber. Den Porsche sieht man inzwischen fast an jeder Ecke. Wer es exklusiver möchte, greift nach dem Audi R8 V10 plus. Doch das Auto hat auch Schwächen.

          Seit 2007 ist der Audi R8 schon auf dem Markt. Er krönt die Entwicklung einer Marke, die in 47 Jahren vom Biedermann zum Brandstifter und zum ebenbürtigen Mitspieler von BMW, Mercedes-Benz und Porsche wurde. Audi, die nach dem Krieg verschwundene Marke der Auto Union (Audi, DKW, Horch, Wanderer), ist erst 1965 wiederbelebt worden, zu Zeiten, als Daimler-Benz Herr im Haus war. Daimler hatte die Union 1958 übernommen und 1966 dann an VW verkauft. Mit im Gepäck hatte der Ex-Daimler-Mann Ludwig Kraus den Audi 100. Der legte den Grundstein für den Erfolg.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Heute baut Audi (fast) alles vom A1 bis zum Q7 und dem R8. Vom schnieken Kleinwagen bis zum Fünf-Meter-SUV und zum Supersportwagen. Super? Spätestens mit der neuen V10-Variante, deren „plus“ auf 25 zusätzliche PS (damit 550) hinweist, ist es so weit. Übrigens auch beim Preis: 173 200 Euro stehen in der Liste. Dafür gibt es ein aufregend-aggressiv gestyltes „Coupé“ in Alu-Bauweise und hier und da etwas Karbon. Ein Facelift im vergangenen Jahr hat kaum Spuren hinterlassen. Der 5,2-Liter-Motor sitzt mittig, auf der Hinterachse, die Heckklappe beim R8 ist eine gläserne Motorhaube, das Triebwerk hübsch anzuschauen und nachts beleuchtet.

          Der in Neckarsulm in Handarbeit gebaute R8 V10 plus (nicht als Cabriolet erhältlich) wird ausschließlich mit einem neuen Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe geliefert (S-tronic), das offenbar deutliche Fortschritte gegenüber der bisher verbauten, als ruppig verschrienen R-tronic aufweist. Allrad ist selbstverständlich, wobei nie mehr als 30 Prozent der Kraft an die Vorderräder gelangen kann.

          Die Lackierung (matt) in Sepangblau kostet 4300 Euro extra

          Steigen wir endlich ein. Auf zwei Personen warten enge Schalensitze und ein Interieur, das sich nach sechs Jahren Bauzeit schon etwas überholt hat. Das Fehlen eines Startknopfs sei notiert, auch neumodische Assistenzsysteme fehlen. Aber das kennen wir ja auch von Aston Martin. Lediglich eine Einparkhilfe mit Rückfahrkamera (1540 Euro Aufpreis) und ein Fernlichtassistent (135 Euro) lassen sich bestellen. Einen einfachen Tempomaten (270 Euro) lässt sich Audi ebenso zusätzlich bezahlen wie ein „Multifunktions-Sportlenkrad, unten abgeflacht, mit Schaltwippen“ (250 Euro) oder Fußmatten mit R8-Schriftzug (460 Euro). Mit einigen anderen Extras (Räder, Volllederausstattung „Feinnappa“, Einstiegsleisten in Karbon und mehr) kam der Testwagen letztlich auf 187.500 Euro.

          Beim Anlassen melden sich die 550 Pferde relativ lautstark zu Wort, auch wegen einer kurzfristig erhöhten Leerlaufdrehzahl. Später empfanden wir das Crescendo der Maschine eher enttäuschend, aber man kann natürlich auch anders argumentieren und den leisen Lauf des Motors loben. Richtig laut wird es nur bei Volllast und im Sportmodus der „Automatik“. Dann schaltet das Getriebe beim Verzögern mit üppigem Zwischengas nach unten, für normalen Stadtverkehr macht das viel zu viel peinlichen Krawall. Genug Aufmerksamkeit bekommt der R8 ohnehin schon.

          Im Komfort-Modus lässt sich der R8 lammfromm fahren wie ein A4, solange man nicht zu sehr auf die Tube drückt. Schaltrucke gibt es praktisch keine, nur die bockharte Federung erinnert einen ständig daran, was für eine Art Auto man fährt.

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