https://www.faz.net/-gy9-8mnbx

Audi R8 Spyder : Gut, dass keiner schreckhaft ist

  • -Aktualisiert am

R8 Spyder von Audi in gelb: Aus dem Stand in 3,6 Sekunden auf 100 km/h. Bild: Audi AG

Audi-Sport will eine eigene Marke werden. Auf Spurensuche im R8 Spyder nehmen wir den Sound eines Orchesters in Verona wahr.

          Offiziell hat Heilbronn keine Partnerstadt in Italien. Dabei hätte das Käthchen vielleicht Freude an Sant’Agata Bolognese gefunden. Denn dort arbeiten stolze Kerle unter dem Zeichen des Stiers von Lamborghini, und jeder andere Sportwagen wird von ihnen so geschätzt wie die verkochte Nudel. Mit einer Ausnahme, und die lebt nicht nur von der Tatsache, dass Lamborghini eine Tochtergesellschaft von Audi ist und damit zum VW-Konzern gehört. Der Audi R8 und besonders der R8 Spyder sind deutsch im technischen Wesen, aber so was von südlich im hitzigen Gemüt. Allerdings wird der puristische Hightech-Zweisitzer aus Heilbronn in Sant’Agata zwar akzeptiert, aber noch immer mit einem mürrisch wirkenden Heben der linken Augenbraue. Das könnte sich alsbald in reinste Anerkennung verwandeln.

          Denn in der R8-Manufaktur „Audi Böllinger Höfe“, unweit vom Heilbronner Werk der vier Ringe, kommt frischer Wind auf. Dort treibt Stefan Winkelmann, Ex-Chef von Lamborghini, seit März 2016 die Audi-Firma Quattro GmbH als Geschäftsführer an und hebt dabei seine eigentliche Aufgabe in die Spur: Audi Sport soll er etablieren, eine eigene Marke im Ringe-Reich soll das werden, mit neuen Quattro- und RS-Modellen, mit Rennsport vom Werk und für Kunden sowie mit einer stylischen Accessoires-Abteilung, alles unter einem Dach gebündelt.

          Winkelmann ist bei der ersten Probefahrt mit dem neuen, kompromisslosen R8 Spyder dabei, um seine Marke Audi Sport schon mal anzukündigen. Er wisse, sagt Winkelmann mit der ihm eigenen Überzeugungskraft, dass dort die Produkte einzigartig seien, und es könne noch mehr bewegt werden. Das klingt wie ein Weckruf, und den hört Rupert Stadler, der Herr der Ringe, in diesen Zeiten der Diesel-Cholera bestimmt nicht ungern.

          Durch die Kurven und Senkungen gleitet man wie der Schneider durch ein Flanellhemd. Bilderstrecke

          Aber der nächste Ruf an diesem Morgen ist ein Schrei wie ein Jubelruf. Er bricht nach dem heiseren Räuspern des Anlassers aus dem Heck des R8 hervor, bricht abrupt ab und geht in das Nuscheln aus einem Laubhaufen über, in dem sich ein eleganter Igel aus dem Winterschlaf wühlt. Der R8 ist bereit für das Aufrichten seiner Stacheln. Er hockt mit zwei Fünfer-Zylinderbänken im langen Heck des Zweisitzers, die Maschine beginnt mit der Getriebeeinheit unmittelbar hinter den beiden knappen und nur in engen Dimensionen verstellbaren Schalensitzen.

          Gut, dass für diese Probefahrt in der knapp bemessenen Kabine keiner wirklich dicklich ist. Und keiner ist schreckhaft. Beide Eigenschaften sind gute Voraussetzungen für den Umgang mit der Kraft der 540 PS (397 kW) im Rücken. Wir ahnen bereits beim Anfahren, dass die sonst alltägliche Furcht vor Leistungsmangel jetzt unbegründet ist. Audi sagt, der Spyder bringe sich und seine Passagiere aus dem Stand in 3,6 Sekunden auf 100 km/h und erreiche 318 km/h. Wer würde wagen, daran zu zweifeln.

          Wenn gewünscht mit V10 Plus Maschine

          Doch vor dem Fahren neigen wir mitunter zu kleinlich anmutenden finanziellen Überlegungen. Immerhin fordert Audi für den Spyder 179.000 Euro als Grundpreis, das identisch motorisierte Coupé ist 13.000 Euro billiger. Für das Coupé V10 Plus werden 190.000 Euro verlangt, das erscheint natürlich gerechtfertigt, dann gehen nämlich 610 PS ans Werk, womöglich lassen sich die Audi-Männer von Winkelmann dazu überreden, dem quälenden Gefühl des Leistungsmangels im womöglich doch untermotorisierten Spyder abzuhelfen und dort auch die V10-Plus-Maschine in Position zu bringen. Doch einstweilen müssen wir uns mit der unteren Ausbaustufe des frei saugenden und unter dem Druck des Fahrpedals jubelnd zu Drehzahlen über 8000/min aufschwingenden 5,2-Liter-V10 begnügen.

          Weitere Themen

          Klassische Kraftpakete

          Dieselloks : Klassische Kraftpakete

          Für das Rangieren der Intercity-Züge im Frankfurter Hauptbahnhof sind bis zu vier alte Dieselloks im Einsatz. Die zuverlässigen Arbeiter der Baureihe V 60 sind mehr als 50 Jahre alt.

          BMW baut den Elektro-Boxer

          Studie vorgestellt : BMW baut den Elektro-Boxer

          Die Münchener sind dran an der Entwicklung elektrischer Motorräder. Mit einer Studie facht BMW jetzt die Neugier an. So sieht der als „Vision“ vorgestellte DC Roadster aus.

          Topmeldungen

          Charismatisch und skrupellos : Was will Boris Johnson?

          Er ist Held der englischen Nationalisten und Favorit für den Vorsitz der Konservativen. Einen echten Plan für den Brexit hat der begabte Scharlatan noch immer nicht.

          FAZ Plus Artikel: Eurofighter-Absturz : 50 Meter an der Katastrophe vorbei

          Ein Pilot stirbt, einer ist schwer verletzt – schlimm genug. Bei der Suche nach Wrackteilen der abgestürzten Eurofighter in Mecklenburg zeigt sich, dass es noch schlimmer hätte kommen können.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.