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Audi, BMW und Mercedes : Mit Acht gegen 7 und S

  • -Aktualisiert am

Frischwärts: Der neue A8 geht mit Preisen von knapp über 90.000 Euro auf Kundenfang. Bild: F.A.Z

Audi nimmt mit seiner neuen Oberklassen-Limousine A8 in diesem Jahr Anlauf, BMW und Mercedes-Benz am Zeug zu flicken. Doch kann das gelingen?

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          Südliche Abendsonne. Ein milder Wind im ostspanischen Spätsommer. Die architektonische Herrlichkeit von Santiago Calatrava in Valencia, es gibt anregende Getränke und ein paar Häppchen, in der noch immer phantastischen Stadt der Künste und der Wissenschaften hat Audi viele Gründe zum Feiern. Mit ihrem neuen Spitzenprodukt, das seit fast 25 Jahren knapp und präzise in der Bescheidenheit des Technikers nur A8 heißt, sollen die vier Ringe im Markenemblem wieder heller leuchten.

          Jenseits von Dieselbetrügereien, Staatsanwaltschaft, VW-Konzern-Gewittern und auch abseits von geballter Hochtechnologie wie noch nie, ist die nahe Botschaft zu erkennen: Audi ist wieder da oder noch immer die puristisch-frischere, die unbeschwertere, die jüngere, sportlich-spontanere und fortschrittlicher unerschrockene Größe in der internationalen Oberklasse: Seit 1994 nimmt die solvente VW-Tochter über etliche A8-Generationen hinweg den Anlauf in die Spitze der internationalen Autohierarchie.

          Aber noch nie war ein Audi A8 mehr Oberklasse als diese neue Limousine des Jahres 2017. Doch niemand weiß, wohin sich dieses für die Hierarchie der Marken wichtigste Segment des globalen Automarktes entwickelt. Und vor allem, mit welchen Automodellen künftig die Reichen und die Wichtigen vor- und abfahren werden. Noch sind die neuen Herausforderungen der Autoindustrie unter den Stichworten des autonomen Fahrens und der breiten Elektromobilität in der dünnen Luft des Luxus und der Leistung nicht wirklich angekommen. Ein elektrisch rollender Tesla pocht vielleicht an die Tore, aber die Bastionen aus Tradition und Prestige erschüttert er noch längst nicht. Die angebliche Schlafmützigkeit der deutschen Oberklasse-Produzenten findet nur in den Medien statt. Zumal die Imperien dabei sind, mit aufwendigerer Technik zurückzuschlagen.

          Feines, gediegenes Interieur im Zeichen der Ringe. Bilderstrecke

          Doch die automobile Oberklasse in ihrer traditionellen Form der konservativen Stufenheck-Limousine ist beunruhigt, neue Konkurrenten machen sich breiter als erwartet, und dafür steht nicht nur die Kalifornien-Marke Tesla: Der Boom der Sport Utility Vehicle mit dem verharmlosenden Kürzel SUV bricht massiv ein in die einst festgefügte Welt der traditionellen Auto-Charaktere. Technischer Fortschritt bei Motoren und Getrieben hat den Verbrauch gezügelt und mit höherem Komfort für die sensible Kundschaft neue Käuferkreise erschlossen. Auf dem Prestige-Radar haben mächtige SUV zur Oberklasse aufgeschlossen, und manche Exemplare sind auf der Überholspur.

          Zwar scheinen die Hierarchien der Modellreihen zumindest auf dem als Vorbild dienenden deutschen Markt wie festgezurrt. An ihm orientieren sich Amerikaner und Chinesen und die Araber sowie der Rest des solventen Autokäufervolkes sowie erfolgreiche Dienstwagenfahrer. Das Nobelauto als Visitenkarte und Beleg für das Erklimmen höherer Stufen auf der Karriereleiter. Zurzeit ist in der deutschen Oberklasse nicht zu rütteln an der traditionellen, allerdings mitunter verwirbelten Reihenfolge: Am großen Stern kommt keiner vorbei. Die Marke Mercedes-Benz macht selbst müde Käufer wieder munter. Seit gefühlt vielen Jahrzehnten ist der Mercedes in seiner S-Klasse-Ausprägung das Maß des Erfolges, auch in früheren, schwächeren Jahren. Auf dem undankbaren zweiten Platz hält sich BMW mit dem Siebener, hat den Abstand zur S-Klasse im Markt zwar wie im Jahr 2016 deutlich verringert, aber mit einem Überholmanöver ist nicht zu rechnen.

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