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Audi A7 : Das ungeplante Auto

  • -Aktualisiert am

Die Vergangenheit im Rücken: A7 (rechts) trifft Audi 100 Coupé S Bild: Audi

Stefan Sielaff, Leiter des Designs bei Audi, kommt ins Schwärmen, wenn es um das jüngste Modell aus Ingolstadt geht. Der A7 war keine Kopfgeburt - alles begann mit einem Alleingang der Designer.

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          Stefan Sielaff kommt ins Schwärmen. Dem Leiter des Designs bei Audi ist anzumerken, dass er stolz auf das jüngste Modell aus Ingolstadt ist. Der A7, sagt er, habe eine Alleinstellung in der derzeitigen Modellpalette der Marke. Das 4,97 Meter lange Auto ist nicht wie viele andere Mitglieder der Audi-Familien als Nachfolger einer bestehenden Baureihe entwickelt worden und hat nicht unbedingt auf dem Plan der Marketingstrategen gestanden.

          Fast konspirativ fanden sich die Designer damals in einer kleinen Gruppe zusammen und skizzierten ihre Visionen von einem viertürigen Coupé. „Nicht alles, was wir im Design machen, wird auch fertig entwickelt. Beim A7 jedoch hat die Präsentation einen Erdrutsch, eine Lawine ausgelöst“, erinnert sich Sielaff. Beim damaligen Audi-Chef Martin Winterkorn sei es Liebe auf den ersten Blick gewesen, er stimmte dem Projekt spontan zu, der A7 wurde unverzüglich zur beschlossenen Sache.

          „Wir haben viel innerhalb der klassischen Portfoliolinie entwickelt, aber manchmal kommt eben auch ein scharfer Schuss aus dem Design, der zeigt, welche Gefühle wir außerdem im Bauch haben“, sagt Stefan Sielaff. Schon seit 1990 war er bei der VW-Tochter im Design beschäftigt, bis er 2002 Audi vorübergehend den Rücken kehrte und die Verantwortung für die Interieurgestaltung bei Mercedes-Benz übernahm. 2006 kehrte er nach Ingolstadt zurück und leitet seitdem Audis Designabteilung.

          Den soliden Auftritt verdankt er der Proportionierung von einem Drittel Glas und zwei Dritteln Karosserieblech in der Seitenlinie

          Entlang der Riviera reisen und das Leben genießen

          In seinen Stuttgarter Jahren hat er gewiss viel gelernt über die Chancen und Möglichkeiten eines viertürigen Coupés, jener Karosserieform, die Mercedes-Benz mit dem CLS in der ersten Generation von 2004 bis 2010 aufgelegt hatte. Dass der Nachfolger des schwungvoll gezeichneten Coupés kantiger werden würde, hat er mit Sicherheit zumindest erahnen können. Der A7 Sportback, wie die Ingolstädter Antwort heißt, ist sanfter, aber keineswegs weniger dynamisch gezeichnet, fließende Linien und vor allem das Bootsheck, Coda Tronco genannt, geben ihm eine formale Alleinstellung.

          Die grundlegende Idee sei damals von Walter de Silva, heute für das Design des gesamten VW-Konzerns verantwortlich, gekommen, heißt es. Er habe das Audi 100 Coupé S als Vorbild gesehen, das Ende der sechziger Jahre einen formalen Wandel bei Audi eingeläutet hatte. Heute stellt sich der A7 in die wachsende Klasse der geräumigen Coupés, die bei BMW Fünfer GT und bei Mercedes-Benz weiterhin CLS heißen. „Er ist kein A8 Coupé, sondern ein Gran Turismo für Fahrgäste mit großem Gepäck, die vielleicht entlang der Riviera reisen und das Leben genießen“, definiert Sielaff die Käuferschicht, die sich für den A7 interessieren könnte.

          Jenseits der bisherigen Designlinien

          Dank eines ausfahrbaren Spoilers am Kofferraumdeckel, der für den notwendigen Anpressdruck bei höheren Geschwindigkeiten sorgt, konnte das Heck um rund 15 Zentimeter niedriger gestaltet werden, eine wesentliche Voraussetzung für die fließende Form des Viertürers ohne Stufe in der Silhouette.

          Den soliden Auftritt verdankt der Audi der Proportionierung von einem Drittel Glasfläche und zwei Drittel Karosserieblech in der Seitenlinie. Damit er dennoch leicht wirkt, wurde mit drei seitlichen Linien das Spiel zwischen Licht und Schatten geschärft. Betonte Radhäuser und ein optischer Schwung machen den A7 zu einem echten Audi, der aber dennoch, ähnlich wie der TT, jenseits der bisherigen Designlinien steht. Der massige Kühlergrill, Single Frame genannt, zeigt bei ihm eine erste Modifikation, die den zukünftigen Weg der Limousinengesichter ankündigt. „Wir werden das Thema natürlich weiter pflegen, aber an die einzelnen Baureihen anpassen. Bei den Q-Modellen, die höher sind, ist eine vertikale Ausrichtung vorstellbar, bei anderen Baureihen könnte der Grill filigraner und vielleicht auch horizontaler ausgerichtet werden“, sagt Design-Chef Sielaff. Keine Frage ist, dass alle klar als Audi erkennbar bleiben.

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