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Audi A3 Limousine : Kniff im Hut und gar nicht bieder

  • -Aktualisiert am

Charakterstark: Als Limousine tritt der Audi A3 deutlich geschäftsmäßiger auf Bild: Hersteller

Die A3-Limousine von Audi gibt in der Stufenheckform den seriösen Geschäftsmann. Er bietet stattliche Komfortmaße für Passagiere und Gepäck. Ein Fahrtbericht zum 2.0 TDI.

          3 Min.

          Längs oder quer entscheidet über Größe. Der Audi A3 mit Stufenheck eifert seinem größeren Bruder A4 in vielen Dingen nach, kann aber mit ähnlichem inneren Volumen einen Preisvorsprung von rund 4000 Euro bieten. 28.100 Euro kostet die kräftigere von zwei angebotenen Dieselvarianten, der 150 PS (110 kW) leistende Selbstzünder ist hier quer statt längs wie im A4 eingebaut, was den Stufenheck-A3 um 24 Zentimeter kürzer macht. Er bietet aber dank des Raumgewinns unter der Haube stattliche Komfortmaße für Passagiere und Gepäck.

          Der Kniff im Hut hinter den Köpfen der Mitfahrer im Fond ist stilistisch durchaus gelungen. Als hätte die Form nie andere Linien bemüht, schließt sich der Kofferraum harmonisch hinter der Heckscheibe an. Der selbstbewusste Auftritt mag auch von der im Vergleich zum Sportback breiteren Spur herrühren. Um 1,1 Zentimeter ist sie bei der Stufenhecklimousine gewachsen. Die Unterschiede zu den bisherigen A3-Versionen sollen außerdem geänderte Außenspiegel, eigens gestaltete Türgriffe und die modifizierte Kühlermaske deutlich machen.

          Mit 4,46 Meter ist die Limousine um 22 Zentimeter länger als die einfache Schrägheckversion

          Innen dagegen herrscht die gewohnt aufgeräumte Atmosphäre der A3-Familie. Übersichtlich und hochwertig wirkt das Armaturenbrett, die Sitze bieten den so geschätzten Langstreckenkomfort und in scharf gefahrenen Kurven den gewünschten Seitenhalt. Im Fond geht es nicht gerade eng, aber auch nicht allzu großzügig zu. Vor allem das Ein- und Aussteigen machen die schmalen Türen mühevoll, Sitzriesen müssen die etwas geringere Kopffreiheit in Kauf nehmen. Dafür steckt der Kofferraum ordentlich viel Gepäck weg. Er hat ein Volumen von 425 Liter, zum Transport von Sperrigem lassen sich die Rücksitzlehnen geteilt nach vorn klappen. Der Kofferraumdeckel öffnet weit und behindert das Beladen nicht, auch die Ladekante siedelt in angenehm niedriger Höhe.

          Mit 4,46 Meter ist die Limousine um 22 Zentimeter länger als die einfache Schrägheckversion. Für die Stadt ist dieses Maß jedoch immer noch gerade recht. Handlich und halbwegs übersichtlich lässt sich der Stufenheck-Audi rangieren, Parksensoren und die Rückfahrkamera helfen dabei, denn nach hinten versperren die wuchtigen C-Säulen den Blick.

          Munteres Fahren über kurvige Strecken macht der Audi zum Genuss

          Der kräftige Diesel verschafft der rund 1400 Kilogramm schweren Limousine ordentliches Temperament. In 8,7 Sekunden beschleunigt er den frontgetriebenen A3 von 0 auf 100 km/h, 220 km/h zeigt die filigrane Nadel des Tachos bei Höchstgeschwindigkeit. Um die zu erreichen, braucht es eine Weile, denn der sechste Gang des manuellen Getriebes ist aus Gründen der Drehzahlreduzierung eher lang übersetzt. Daher ist die fünfte und sechste Stufe im Stadtverkehr zwar kaum zu gebrauchen, und selbst der vierte Gang lässt den Zweiliter-Vierzylinder bei Tempo 50 nur knapp über der Leerlaufdrehzahl touren. Aber es senkt den Verbrauch. 4,1 Liter Diesel gibt Audi als Normwert an, mehr als fünf Liter hat die Maschine auf der 100-Kilometer-Strecke nur höchst selten verlangt. Ein Durchschnitt von 4,6 Liter ist sehr angemessen und beinahe sensationell niedrig, und 50 Liter Tankinhalt machen den Stufenheck-A3 zu einem seltenen Besucher von Zapfsäulen. Die Maßnahmen zum Kraftstoffknausern umfassen ein Start-Stopp-System, das zur Serienausstattung gehört.

          Munteres Fahren über kurvige Strecken macht der Audi zum Genuss. Nicht nur die satte Drehmomentspitze von 220 Newtonmeter, die bei 1750 Umdrehungen in der Minute anliegt, sorgt für entspanntes Fahren, die elektromechanische Lenkung erlaubt es auch, den Wagen zielgenau und präzise um die Biegungen zu steuern. Die Gangwechsel, so denn nötig, lassen sich schnell und genau erledigen, die Federung findet einen harmonischen Kompromiss zwischen strammer Radführung bei hoher Querbeschleunigung und gelassenem Wegstecken der Unebenheiten.

          Das Sportfahrwerk, das Audi als Option anbietet, braucht im Alltag niemand, aber gewiss enthält die lange Liste der Sonderausstattungen das eine oder andere Wünschenswerte. Selbst die schon serienmäßig umfangreich mit Extras aufgerüstete Ambition-Version lässt sich mühelos in Sachen Komfort und Sicherheit weiter aufwerten. 30 000 Euro kostet die A3-Limousine in dieser Variante, die Zusammenstellung der Sonderausstattungen ergab trotz mehrfacher Kontrolle die unglaubliche Gesamtsumme von 49 965 Euro. Mit ein wenig Ehrgeiz ließe sich der Preis des Audi rundweg verdoppeln. Auf dem Premium-Parkett sind Extras eben ein wenig teurer.

          Allerdings liegt dieser A3 immer noch erheblich unter dem, was ein CLA von Mercedes-Benz kostet. Dieser ist rund 5000 Euro teurer, kommt aber auch wesentlich sportlicher daher. Im Gegensatz zu Südeuropa sind hierzulande Stufenhecklimousinen in dieser Größe kaum gefragt, deutsche Kunden greifen nach der praktischeren Schrägheckversion der Baureihen oder zum noch alltagstauglicheren, größeren Sportback, der bei Licht betrachtet ein Kombi ist. Der Anteil jener Autofahrer, die in Deutschland und in dieser Klasse eine Stufenhecklimousine bevorzugen, liegt bei gerade mal fünf Prozent.

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