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Aston Martin, McLaren, Lotus : Aus der Nische des Traumes

  • -Aktualisiert am

Der Aston Martin DB 11 Bild: Hersteller

Britische Kleinserienhersteller wittern Morgenluft. Zum Rettungsplan für Aston Martin und Lotus zählen zwei Autos, die so gar nicht zum Bild einer Sportwagenmarke passen.

          5 Min.

          Eigentlich ist er nur ein Coupé mit Kofferraum, doch McLaren tut fast so, als wäre der 570 GT die Neuerfindung des Sportwagens schlechthin. Porsche-Fahrer mögen darüber lachen und Ferrari-Kunden auch. Aber für den britischen Hersteller ist der Flirt mit dem Alltag tatsächlich etwas ganz Neues. Denn lange Jahre hat McLaren nichts anderes gebaut als Rennwagen. Und als Firmen-Patriarch Ron Dennis mit dem Zweig McLaren Automotive vor sechs Jahren wieder Straßenfahrzeuge produzieren ließ, waren das kaum mehr als Rennautos, die mühsam in das Korsett der Zulassungsrichtlinien gezwängt wurden.

          Zwar ist auch der neue 570 GT ein veritabler Sportwagen. Immerhin steckt unter dem Kofferraum im Heck ein V8-Turbo mit 570 PS, der den mindestens 195.350 Euro teuren Zweisitzer in 3,4 Sekunden auf Tempo 100 katapultiert und eine Spitze von 328 km/h ermöglicht. Doch nachdem sie im 570S bereits das erste Handschuhfach der Unternehmensgeschichte eingebaut haben, feiert McLaren den GT jetzt fast schon als Alltagsauto.

          Nachdem die Briten in ihren ersten 102 Jahren zusammen nicht einmal 80.000 Autos gebaut haben, sollen demnächst bis zu 15.000 dazukommen - je Jahr! Bilderstrecke
          Nachdem die Briten in ihren ersten 102 Jahren zusammen nicht einmal 80.000 Autos gebaut haben, sollen demnächst bis zu 15.000 dazukommen - je Jahr! :

          Ein bisschen Alltagstauglichkeit ist allerdings auch nötig, wenn man so ambitionierte Wachstumsziele hat wie McLaren. Denn so imposant die rund 8000 Autos auch sind, die McLaren seit dem Comeback auf die Straße verkauft hat, ist der Markt für Hardcore-Sportwagen auf Dauer sicher nicht groß genug, um zwischen 4000 und 6000 Autos im Jahr zu verkaufen.

          Deshalb folgt McLaren-Chef Mike Flewitt einem prominenten Vorbild: Wie Porsche wollen die Briten ihre Modellpalette mit immer neuen Varianten und Sonderserien frisch halten, weshalb zum Beispiel der 570 Spider nur eine Frage der Zeit ist und die Longtail-Modelle als Antwort auf die GT-Versionen aus Zuffenhausen nicht allein dem großen Bruder 650 vorbehalten bleiben werden.

          Gesunder Wachstum

          Drei Baureihen mit einer Spreizung vom Hypersportwagen P1 bis zum Nutzlaster 570 GT und Sondermodelle in niedrigen Stückzahlen zu hohen Preisen, diese Rechnung geht offenbar auf. Denn seit drei Jahren erziele McLaren Gewinn, sagt Flewitt, und könne es sich leisten, immerhin ein Viertel seiner Umsätze in die Entwicklung neuer Fahrzeuge zu stecken. Das ergibt für die nächsten sechs Jahre eine weitere Milliarde, in denen Flewitt 15 neue Modelle oder Modellvarianten auf die Straße bringen will.

          Mit diesem offenbar gesunden Wachstum eifert der einstige Ford-Manager einem anderen Vorbild nach, das ihm zumindest geographisch näher liegt als Porsche: Jaguar Land Rover, die sich mit indischer Unterstützung der Tata-Gruppe vom Sorgenkind zum Strahlemann entwickelt und so die Ehre der britischen Autoindustrie wenigstens wieder ein bisschen hergestellt haben.

          Erst haben Jaguar und Land Rover den Turnaround geschafft, dann legt McLaren einen glänzenden Start hin: Diese Beispiele machen auch den anderen britischen Kleinserienherstellern Mut und schüren deshalb vor allem für Aston Martin und Lotus neue Hoffnung. Beide Marken haben eine vergleichsweise frische Geschäftsführung, die in den letzten Wochen mit vollmundigen Plänen den großen Neuanfang versprochen hat. Nötig ist er hier wie dort. Denn beide Marken haben ein ziemlich ausgelaugtes Modellprogramm, das über die vergangenen Jahre nur mit halbgaren Facelifts und Derivaten einigermaßen frisch gehalten wurde. Und beide haben weder die Mittel, noch die Möglichkeiten, das allein zu ändern. Daher hat Aston Martin mit dem Mercedes-Benz-Ableger AMG angebandelt und bekommt aus Stuttgart im ersten Schritt Elektronik und im zweiten womöglich auch Antriebe.

          Selbstbewusste Töne

          Obwohl die Lage ernst ist, sind die Chefs nicht hoffnungslos und üben sich in selbstbewussten Tönen. So verspricht Aston-Martin-Chef Andy Palmer sieben Modelle in sieben Jahren und prognostiziert Stückzahlen jenseits aller bisherigen Planungen. Nachdem die Briten in ihren ersten 102 Jahren zusammen nicht einmal 80.000 Autos gebaut haben, sollen demnächst bis zu 15.000 dazukommen - je Jahr! Allein, solcherlei Versprechen gab es schon öfter, die Eigentümer wechseln im Sauseschritt. Ähnliches gilt für Lotus. Deren Lenker Jean-Marc Gales ist vor knapp zwei Jahren angetreten, um Lotus bis 2017 in die Gewinnzone zu führen, im Prinzip zum ersten Mal seit der Gründung 1952, wenn man die Ingenieurdienstleistungen außen vor lässt, wie Gales einräumt.

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