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Assistenzsysteme : Wenigstens lenken? Muss auch nicht sein

  • -Aktualisiert am

Hunderttausende Rechenschritte: Der Panamera wird schneller und sparsamer Bild: Hersteller

Bringen Assistenzsysteme Sicherheit und Komfort oder entmündigen sie den Fahrer? Die Diskussion ist lebhaft. Ein Blick in die Zukunft vom selbstfahrenden Porsche bis zum BMW, der weiß, wo sein Fahrer hin will.

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          Sie verstecken sich unter unzähligen Knöpfen am Armaturenbrett oder in der Tiefe eines Menüs, manchmal sind sie abschaltbar und manchmal einfach da, wenn man sie braucht: Assistenzsysteme. Die Meinungen gehen auseinander, ob mit der Vielzahl an elektrischen Helfern ein Zugewinn an Sicherheit und Komfort erreicht wird oder die schleichende Entmündigung des Fahrers einsetzt. Wie so oft im Leben ist das eine Frage des Augenmaßes. Auf das Antiblockiersystem möchte niemand mehr verzichten, ebensowenig auf den Schleuderschutz ESP.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Bei der automatischen Aktivierung von Scheibenwischer und Scheinwerfer oder der Einblendung von Verkehrszeichen wird es schon strittiger. Und ob jemand ein sich schüttelndes Lenkrad beim blinkerlosen Überqueren der Mittellinie benötigt oder ein Kaffeetassensymbol im Cockpit, um zu merken, dass es Zeit für eine Pause wäre, darf bezweifelt werden. Die Autohersteller arbeiten freilich an weiteren Assistenzsystemen, und fast immer geht es um eine Kombination aus zusätzlicher Sicherheit und mehr Komfort. Neuerdings gilt zudem „höhere Effizienz/weniger Verbrauch“ als entscheidendes Kriterium.

          Porsche testet unter der Bezeichnung „ACC Inno Drive“ ein System, das die vor dem Auto liegende Wegstrecke kennt und den Fahrstil so anpasst, dass der Wagen eigenständig und bestmöglich durch Kurven eilt, Hügel erklimmt oder Täler durchrollt. Dabei stellt sich der Rechner ständig Fragen. Wie viel Drehmoment brauche ich für die vor uns liegende Steigung? Wie viel Mehrverbrauch verursacht ein Schaltvorgang? Wie viel Geschwindigkeit verliere ich, wenn ich in der Kurve vom Gas gehe?

          Der Porsche Panamera kennt den Weg und gibt alleine Gas

          Das System weiß, was kommt

          Mit den Antworten beschleunigt und bremst der Porsche automatisch, nur lenken muss der Fahrer noch selbst. Und auf Fußgänger, parkende Autos oder ausscherende Mähdrescher achten. Das gilt auch für Ampeln, an deren Einbeziehung Porsche aber schon arbeitet, etwa um „grüne Wellen“ optimal nutzen zu können. Als Vision steht am Horizont: durch Stuttgart fahren, ohne anzuhalten, wobei die Jungs nicht die Eisenbahn meinen. Dazu aber braucht es Kameras zur Erkennung von Verkehr und Umfeld, mit denen eine an unvorhersehbare Verhältnisse angepasste Streckenführung binnen 100 bis 200 Millisekunden möglich werden soll. Bisher arbeitet das System mit digitalen Streckendaten und Radarsensoren. Damit ist ACC Inno Drive - für Menschen am Volant eines Porsche nicht ganz unwichtig - zügiger unterwegs und gleichzeitig sparsamer. Natürlich kann, wer will, eingreifen. „Wir wollen den Fahrer nicht entmündigen. Wir wollen ihn entlasten“, sagen die Forscher aus Weissach. Überraschender Effekt am Steuer: Der Porsche fährt schneller auf Kurven zu, als sich der gemeine Fahrer das traut, behält das Tempo in der Biegung bei und durchquert selbige ebenso flüssig wie problemlos.

          Das System weiß eben, was kommt. Auf Basis der Topographie und der Geschwindigkeitsbeschränkungen errechnet es die möglichen Mindest- und Höchstgeschwindigkeiten. Daraus bildet es einen „Fahrschlauch“, in dem sich das Auto rechnerisch bewegen soll. Der Fahrer kann zwischen mehreren Modi wählen, von Eco über Komfort bis Dynamik wird alles geboten. Vom Rechner hinzugefügt werden Daten über den Zustand des Fahrzeugs, die Straßenverhältnisse und das Wetter. Daraus ergeben sich Einstellungen für Motor, Getriebe und Bremsen, jeweils abhängig von jenem Streckenpunkt, an dem sich das Auto gerade befindet.

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