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Apps statt Navigationssysteme? : Google und Apple verstehen das Autofahren nicht

Die Formulierung „sofort startklar“ in Verbindung mit dem iPhone ist keine Floskel, wenn man, wie wir, jeden Tag das Handy wechselt und mal mit Google, mal mit Apple auf Reisen geht. Android Auto ist nicht für Menschen gedacht, die sich ins Auto setzen und losfahren wollen. Selbst wenn die Ersteinrichtung der Android-Software erfolgreich abgeschlossen wurde und man die Google-Falle der Aufforderung, ein kostenpflichtiges Abonnement von Google Play Music abzuschließen, umschifft hat, kann man keineswegs morgens zügig den Weg zur Arbeit antreten.

Irgendetwas ist immer. Mit drei verschiedenen Google-Smartphones dauerte der morgendliche Check-in an acht von zehn Tagen mehrere Minuten. „Verbindung fehlgeschlagen“ heißt es auf dem Display. Angeblich sei das Handy nicht entsperrt. War es aber. Hilfreich ist in solchen Fällen: die USB-Kabelverbindung und die mit Bluetooth trennen und wieder neu aufbauen oder gleich das Smartphone neu starten. Im Passat verweigerten sich zwei Geräte komplett dem Einsatz mit Android Auto, stets wurde zur Kontaktaufnahme mit Mirrorlink angesetzt, obwohl wir in den Systemeinstellungen des Volkswagen dieses Protokoll ausgeschaltet hatten.

Ohne Internet gibt es keine Reiseroute

Läuft das System, zeigt sich endlich die Bedienoberfläche. Hier fahren Apple und Google nach der gleichen Idee: Der Autofahrer soll möglichst wenig abgelenkt werden. Optionen und Menüs sind drastisch reduziert. Es gibt keinen Controller, an erster Stelle soll man die jeweils hauseigene Spracherkennung einsetzen, um beispielsweise Navigationsziele zu erfassen oder SMS zu diktieren. Die Hauptfunktionen mit großen Schaltflächen sind Navigation, Musik, Telefonie und SMS. In Car Play gibt es neben den Apps von Apple nur sehr wenige von Drittanbietern, die auf den Bordmonitor dürfen, etwa Spotify oder die Podcast-App Downcast. Google lässt mehr Rivalen zu, darunter auch Messaging-Anwendungen, etwa Skype und Whatsapp.

Die Zieleingabe der Navigation erfolgt entweder mit Sprachkommandos oder intelligenten Algorithmen, die zum Beispiel Ziele aus Google Maps oder der E-Mail vorschlagen. Eine virtuelle Tastatur zur Zieleingabe ist ebenfalls aufrufbar. Während der Fahrt zeigen beide Systeme nur einen kleinen Ausschnitt der Straße und der Umgebung. Wer die Übersichtsdarstellung herkömmlicher Bordsysteme vermisst, kann herauszoomen und sieht dann ein bisschen mehr. Bei Bedarf werden Stauinfos für alle Straßenabschnitte über die Karte gelegt, hier überzeugen Google und Apple.

Sehr schwach sind indes die akustischen Fahrhinweise beider Kandidaten. Sie kommen zu oft, sind häufig überflüssig („5 Kilometer auf der Straße bleiben“), und die Google-Dame hat eine auf Dauer unerträgliche Stimme, mit der sie Nichtigkeiten („Sie fahren noch immer auf der schnellsten Route“) meldet und vor allem nervt, wenn an Abbiegepunkten jeder einzelne Ortsname der betreffenden Verkehrsschilder vorgelesen und eine Fahrspurempfehlung angesagt wird. Im Dauereinsatz inkompatibel. Fehlt die Mobilfunkanbindung, geht nichts mehr, denn die Karten werden online ins Auto geholt. Was ist mit Auslandsreisen und Roaming-Gebühren?

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