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Am 1.Oktober tritt die neue GVO in Kraft : ZDK befürchtet Verteuerung der Werkstattstunde um bis zu sieben Euro

Was lange währt, wird endlich gut? Die neue GVO, sozusagen das Grundgesetz für den Neuwagen-Handel in Deutschland (und Europa), tritt endgültig in Kraft. Obwohl sie von Brüssel gestärkt werden sollten, fühlen sich manche Autohändler benachteiligt.

          Am kommenden Mittwoch ist es soweit: Die neue Gruppenfreistellungsverordnung (GVO), über die in der europäischen Automobilbranche seit Jahren diskutiert wird, tritt in Kraft. Formal gesehen haben alle Hersteller und Importeure ihre Hausaufgaben gemacht, sprich, die rund 15 000 Händler in Deutschland mit entsprechend neuen Verträgen versehen: Aber haben diese auch vor den strengen Augen der Brüsseler Wettbewerbskommission Bestand?

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Robert Rademacher, Vorstandsmitglied im Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK), Landesverband Nordrhein-Westfalen, bezweifelt das. Er glaubt, daß hierzulande knapp 7600 Verträge einer Überprüfung durch Brüssel nicht standhalten werden. Es spreche viel für neue juristische Auseinandersetzungen, diese sollten aber im beiderseitigen Interesse vermieden werden (Rademacher führt ein gutes Dutzend VW/Audi-Betriebe). Überprüft würden unter anderem die Verträge von Alfa Romeo, Audi, BMW, Citroën, Daihatsu, Opel und Volkswagen.

          Obwohl er wie andere Händler seine Verträge unterschrieben habe, klagte Rademacher: "Für die Händler sind die Pflichten erhöht, die Rechte gesenkt worden. Der unternehmerische Spielraum tendiert in einigen Fällen gegen null." Gerade das Gegenteil habe EU-Kommissar Mario Monti mit der Reform erreichen wollen: mehr Wettbewerb, mehr Verbrauchernutzen, eine Stärkung des Mittelstands. So aber werde dieser durch immer höher geschraubte Standards (für Ausstellungsräume, Werkstatt, Schulungen der Mitarbeiter) zu immer neuen Investitionen gezwungen, und das immer ohne entsprechenden Schutz. "Was macht der Händler, der einen siebenstelligen Euro-Betrag investiert hat und nach zwei Jahren aus dem Netz genommen wird?" fragte Rademacher provokativ. Ein Verweigern der Unterschrift wäre auch nicht hilfreich gewesen, da sonst zum 1. Oktober ein vertragsloser Zustand geherrscht hätte, und das könne sich kein Autohaus leisten, kein kleines und kein großes.

          Höhere Standards kosten Geld: Der ZDK hat ausgerechnet, daß durch die höheren Anforderungen an die autorisierte Händlerschaft die Werkstattstunde in Zukunft um bis zu sieben Euro teurer werden muß. Dazu erwartet (und erhofft) man im Verband, daß die Rabattschleuderei beim Neuwagengeschäft endlich ein Ende haben wird, schon allein deswegen, weil viele Hersteller/Importeure die Margen der Händler um 0,2 bis 3 Prozentpunkte gesenkt haben; die durchschnittliche Bruttomarge liegt jetzt nur noch bei elf Prozent.

          Als besonders positiv erachtet Rademacher die aufgrund der GVO neue Möglichkeit, sich als autorisierte Werkstatt einer (oder mehrerer) Marken zu etablieren. Das sei weniger ein Angebot für bisher freie Werkstätten - die meisten wollten auch von sich aus frei bleiben -, sondern ein Rettungsanker für viele gekündigte Händler, die Werkstatt bleiben dürfen (der Hersteller muß autorisieren, wenn die Standards erfüllt werden, was bei solchen Betrieben vorauszusetzen ist). Der finanzielle Aufwand für eine autorisierte "Werkstatt" betrage allenfalls ein gutes Drittel von dem für einen vollen Händler-Vertrag.

          Hinsichtlich der generellen Marktentwicklung gab man sich beim ZDK in Düsseldorf optimistisch. Für 2004 sei in Deutschland ein Plus zu erwarten, in Nordrhein-Westfalen seien jetzt schon gegen den Trend in diesem Jahr bisher 2,3 Prozent mehr Autos (knapp 458 000) verkauft worden als im gleichen Zeitraum des Vorjahrs.

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