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Aluboot Lundi 185 : Der Angler, der Dorsch und die rauhe See

  • -Aktualisiert am

Rutenplanung: Mit dem robusten Aluboot Lundi 185 zu den Orten, wo die Fische sind Bild: Baumann

Die Rostocker Werft Yaro entwickelt Boote aus Aluminium für ein Revier, das ungemütlich werden kann: Die Ostsee. Ein Fischerboot-Fahrtbericht bei Windstärke 6.

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          Bei Windstärke 6 aus Nordwest türmen sich auf der Ostsee vor Rostock hohe Wellen auf. Unangenehme Bedingungen, aber genau die richtigen, um das Lundi 185 auf die Probe zu stellen. Das 5,65 Meter lange und 2,30 Meter breite Angelboot aus Aluminium wird von der 2010 gegründeten Yachtagentur Rostock, kurz Yaro, vertrieben.

          Das junge Unternehmen hat sich auf die Fertigung von Stahl- und Aluminiumbooten in Kleinserie spezialisiert. Neben klassischen Yachten wird die Lundi-Serie gebaut, die im Markt der rauhwassertauglichen Angelboote Fuß fassen soll.

          Speziell für die Ostsee gefertigt

          Das 185er ist die kleinste Ausführung. Wie die größeren Typen wurde es speziell für die Ostsee gebaut. Dort nimmt die Gruppe der Trollingangler stark zu, so dass man auf diese Kunden besonderes Augenmerk legt. Trolling beschreibt eine Angelmethode, die hauptsächlich auf Lachs und Meerforelle angewandt wird.

          Die Köder werden hinter dem langsam laufenden Boot hergezogen, um die Fische zum Anbiss zu reizen. Dafür werden Boote mit guten Fahreigenschaften benötigt, die auch mit ungemütlichen Bedingungen zurechtkommen.

          Der Schiffbauingenieur Steffen Schneider hat das Lundi 185 konstruiert und weiß, was es aushält. Mit Vollgas nimmt er die nächste Welle frontal, das Boot hebt ab. Der Aufprall ist erstaunlich sanft. Das Wasser wird sauber seitlich abgeworfen, so dass die Insassen trotz der rauhen See weitgehend trocken bleiben.

          Mit mehreren Passagieren wird es wackelig

          Der Gleiterrumpf mit hoher Aufkimmung sorgt für einen weichen Lauf auch unter extremen Bedingungen. Sogar bei langsamer Schleppfahrt hält das Lundi sauber den Kurs. Bei diesen Bedingungen wäre mit vielen anderen Booten kein Trollingangeln mehr möglich. Doch was während der Fahrt ein deutliches Plus ist, verkehrt sich beim Ankern und Driften ins Gegenteil.

          Das Boot liegt aufgrund des spitz V-förmigen Rumpfs kippelig im Wasser. Zu zweit ist das noch kein Problem. Doch angeln mehrere Personen, muss jeder diszipliniert an seinem Platz bleiben. Treten nämlich alle auf einmal an eine Seite, gerät das Boot in bedrohliche Schieflage. Dies ist gerade für professionelle Angelguides, die häufig mit unerfahrenen Kunden zu tun haben, ein Nachteil.

          Yaro hat dieses Problem erkannt und wird demnächst eine Version des größeren 215er Lundi präsentieren, die über einen deutlich breiteren Rumpf verfügt und stabiler im Wasser liegt. Dies geht dann allerdings wieder zu Lasten der Laufeigenschaften. Eine eierlegende Wollmilchsau gibt’s halt auch im Bootsbau nicht. Letztlich entscheidet der Kunde, ob er die Fahr- oder Liegeeigenschaften für sich höher gewichtet.

          Auch das Äußere spielt eine Rolle

          Arbeitsboote sehen häufig nicht sonderlich ansprechend aus. Alles ist auf Funktionalität ausgelegt, der Anblick spielt eine untergeordnete Rolle. Das ist bei Yaro anders. Der Anspruch auf hohe Qualität soll sich auch im Äußeren widerspiegeln. Dies zeigt sich besonders an den Schweißnähten, die beim Lundi sauber gearbeitet und geschliffen sind.

          In der Werft verwendet man für den Rumpf fünf Millimeter starkes Aluminium und setzt sich damit von der Konkurrenz ab. Die Ostseewelle ist kurz und hart. Fährt man dort mit hohen Geschwindigkeiten, wird der Rumpf extrem belastet. Das dickere Material beugt Rissen vor. Der Nachteil: Mit 950 Kilogramm ist das Lundi 185 recht schwer und benötigt einen kraftvollen Antrieb. Die 52 kW (70 PS) des Vorführboots dürften die absolute Untergrenze der Motorisierung markieren.

          Dieser Außenborder muss schuften, bis Gleitfahrt erreicht wird. Deutlich besser dürfte das Lundi 185 mit einem 100 oder 115 PS starken Motor laufen. Ob Soft- oder wie im Fall des Vorführboots ein Hardtop - auch hier hat der Kunde die Wahl.

          Keine Kompromisse bei der Qualität

          Beim Wurfangeln zu mehreren Personen dürfte das Top beim Hantieren mit den langen Ruten im Weg sein. Außerdem bietet das Boot mit Aufbau dem Wind mehr Angriffsfläche, was beim Driftfischen nicht erwünscht ist. Man treibt zu schnell vom Platz weg.

          Über die Backskisten im Bug und Heck hat man Zugang zum Doppelboden. Für den nötigen Auftrieb sorgen drei wasserdichte Abteilungen. Der Rest kann beladen werden. Was nicht benötigt wird, verschwindet einfach im Bauch des Boots. Sehr angenehm, beim Angeln nicht dauernd über Kisten zu stolpern. Das dürfte auch anderen Wassersportlern gut gefallen. Denn neben Angelruten passen beispielsweise auch Wasserskier in den enormen Stauraum.

          Alles in allem macht das Lundi 185 einen guten Eindruck. Hier und da gibt es Verbesserungsmöglichkeiten. So verhindert die umlaufende Reling in Kombination mit dem recht hohen Freibord den Griff ins Wasser, der beim Landen größerer Fische manchmal nötig ist. Bei der Qualität geht Yaro keine Kompromisse ein. Die hat allerdings auch ihren Preis. Das Basismodell des Lundi 185 kostet zirka 19.500 Euro.

          Werft: Yachtagentur Rostock, Maritim- und Tourismusservice GmbH, Ankerring 8, 18147 Rostock, Telefon 03 81/7 00 78 28, www.ya-ro.de

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