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Alpina Roadster S : Die Milde des Alters in der Nische

  • -Aktualisiert am

Wie das Glühen des heißen Eisens: BMW Z4, ganz dezenter Hinweis auf Alpina Bild:

Die Milde des Alters ist noch nicht bis Buchloe gekommen. In dem bayerischen Ort unweit des Ammersees glüht seit Jahren die Hitze der Motoren, der Weine und der Weiber.

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          Die Milde des Alters ist noch nicht bis Buchloe gekommen. In dem bayerischen Ort unweit des Ammersees mit dessen kulinarischen Verlockungen (Restaurant Seehaus in Riederau!) glüht seit etlichen Jahren (also eigentlich schon immer) die Hitze der Motoren, der Weine und der Weiber. Diesen letzten Grund für die Erwärmung der Seele lassen wir beiseite und treffen so auf einen rein äußerlich etwas älteren Herrn, in dessen Innerem es immer noch lodert wie in einem, sagen wir, 84er Barolo vom Marchesi di Barolo. Burkard Bovensiepen wird mit diesem Vergleich leben können. Seine Weine mögen die Ruhe der späteren Jahre erreicht haben. Er selbst und seine Autos sind noch weit davon entfernt. Sonst würde Alpina, die zuverlässigste Adresse für den etwas anderen BMW, nicht diesen Roadster S im Programm führen. Er kommt mit ein paar Extras auf 59490 Euro und ist sein Geld wert.

          Der BMW Z4 ist die Basis für das Alpina-Produkt. Und er ist jener BMW, der es uns am leichtesten macht, mit dem neuen Bayern-Design zu leben, das von einem Amerikaner dominiert wird. Wir haben uns noch nicht daran gewöhnt, daß der Bruch der Stile in einem einzigen Auto von vorn nach hinten eine Methode haben könnte, nur welche? Aber der Roadster S entfernt sich mit zurückhaltenden Spoiler-Modifikationen besonders am Heck von dem hier historisierend agierenden Serien-Z4 und erreicht eigenen Charakter. Das setzt sich mit 19-Zoll-Rädern fort, die den hinreißend proportionierten Zweisitzer komprimieren und vor dem Abdriften in die Unverbindlichkeit eines lieben Oben-ohne-Autos bewahren.

          Für Unternehmen wie Alpina, die sich auf Lücken in den immer dichteren Typenprogrammen spezialisiert haben, hatte BMW in jüngster Zeit mehrere Chancen eröffnet. Die erste wurde mit einem Z8 Automatik von Alpina genutzt, die BMW-Version war nur mit Sechsganghandschalter zu haben. Die zweite Nische liegt jetzt in der Z4-Familie: Die BMW-eigene M-Abteilung hält gerade etwas inne (neuer M5 noch nicht da, M3 CSL eingestellt) und hat den Z4 (bisher?) ausgespart. Das nutzt Alpina mit dem Roadster S.

          Der hauseigene 3,4-Liter-Reihensechser ist gut in der 3er-Reihe eingeführt, und er geht in dem offenen Zweisitzer mit großer Selbstverständlichkeit ans Werk. Zwar ohne Macho-Qualitäten, aber auch ohne Weichspül-Eigenschaften. 3,4 Liter Hubraum, 300 Nm Drehmoment schon bei etwa 2000/min, ein Zugkraftmaximum von 362 Nm bei 4800/min, ein gut gestuftes und knackig zu schaltendes Sechsganggetriebe und eine Motorcharakteristik, die sowohl die Lust an der Drehzahl als auch die Freude am Durchzug bietet, sind beste Voraussetzungen für gute Laune im Alpina Roadster S. Aus dem Stand kamen wir in 5,5 Sekunden auf 100 km/h, erreichten mit geöffnetem Verdeck eine Geschwindigkeit von etwa 260 km/h und kamen auf einen Durchschnittsverbrauch von 9,5 Liter Super Plus auf 100 Kilometer. Das ist recht genügsam und lag an den französisch-schweizerischen Autobahnen, auf denen wir häufig unterwegs waren. Deutsche Schnellstraßen forderten rasch zwischen 12 und 13 Liter, wir kamen aber auch auf 8 bis 10 Liter auf der Landstraße.

          Dann liegt ein weißblauer Himmel über dem Roadster S (er sollte serienmäßig sein), die sonst ziemlich heftigen Windgeräusche kann man ertragen, der Fahrer darf sich an der perfekten Verarbeitung und am natürlich wirkenden Leder von Alpina erfreuen. Und er wird von einer wunderbaren Milde ergriffen, wenn er das Innenraum-Design des modifizierten BMW betrachtet. Und das liegt nicht am Alter.

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