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Alpencross mit E-Mountainbike : Und „E“ führe uns in Versuchung

  • -Aktualisiert am

Beste Aussichten: Auf 2000 Höhenmetern querfeldein am Silersee in Oberengadin Bild: Tim Gehring

Mit dem E-Mountainbike ins Hochgebirge, das ist umstritten und nicht ohne. Doch mit professionellen Guides werden solche Touren zum Freizeitvergnügen.

          Flucht in den Süden: Ein Alpencross für Mountainbiker der Leistungsstufen Level zwei bis drei ist angesagt - ein dreieinhalbtägiges Fahrprogramm, 190 Kilometer Streckenlänge und knapp 5000 Höhenmeter. „Ach Papa, das schaffst du schon“, meint Sohn Michael, als er mir diese Tour mit seinen Freunden offeriert. Als einzigem und mit Jahrgang 1937 ältestem der Gruppe wird mir ein E-Mountainbike zugestanden. Im alpinen Radreise-Programm wie es von Reiseagenturen angeboten wird, ist das noch eine absolute Ausnahme.

          Abends im Hotel in Chur treffen sich die Teilnehmer. Da sind zunächst die beiden Guides: Eva (46) und Bastian (18), zwei professionelle Mountainbiker und Extrem-Radfahrer der fahrtechnisch höchsten Kategorie Level vier. Dieser Leistungsstufe deutlich näher als ich scheinen mir die weiteren Mitfahrer Andreas, Gerd, Markus, Thomas, Michael: alle um die 50 Jahre alt und drahtige, geübte Mountainbiker.

          Tag eins beginnt mit leichtem Einrollen vom Hotel auf 593 Meter Höhe stromaufwärts entlang des noch jungen und wilden Rheins. Ein wunderbar sanfter Einstieg. An einer Brücke, mit Auf- und Abgang über eine Wendeltreppe, stellt sich das schon anders dar.

          Mein knapp 19 Kilo schweres Gelände-Pedelec von Scott (Kostenpunkt: 3500 Euro) wird mir von den Jüngeren rücksichtsvoll eingetauscht gegen ein leichtes Rad. Beim Abstieg von der Brücke trage ich mein Rad selbst.

          Römerstraße: Brückenschlag südlich des Septimerpasses

          Mühelos gelingt es mir, bei sanftem Auf und Ab der Strecke mit der Gruppe Schritt zu halten. Beim ersten längeren Aufstieg wird es sogar noch besser. Ich fahre voraus - solange die Wegführung unstrittig und unproblematisch ist. Denn mein Hilfsmotor erlaubt mir, bei gleicher Trittfrequenz wie die anderen eine höhere Übersetzung zu fahren. Damit mache ich mehr Tempo.

          Oben, von dem kleinen Bergdorf Alvaschein auf 1001 Meter Höhe an, ordne ich mich lieber wieder ganz hinten ein. Vorsicht, es geht abwärts über einen schmalen und steilen, teils rutschigen Wiesenpfad. Guide Eva spürt mein Zögern und reiht mich am Ende ein. Sie erklärt mir eine bis dato nie praktizierte Sitzposition und schickt mich los. Die Sattelstütze deutlich tiefer, den Sattel selbst in den Kniekehlen, die Arme gestreckt und den Po so weit wie möglich nach hinten verlagert, so geht es für mich viel zu schnell talwärts; mir bleibt keine Chance, auszusteigen, zu überlegen oder gar anzuhalten. Eine Lehre, die ich mir zu Herzen nehme für die nächsten Tage: Oben angekommen, enden die Vorteile des E-Bike-Fahrens, bergab herrscht Waffengleichheit, wenn nicht sogar das größere Gesamtgewicht von Nachteil ist. Abwärts gilt noch mehr als bergauf: Volle Konzentration auf jede Kleinigkeit des Weges wie Stock, Wurzel oder Stein.

          Gut gesichert: Wegpassage oberhalb Lenzerheide in Graubünden

          Den abschließenden, knapp zwölf Kilometer langen Aufstieg nach Savogning auf 1207 Meter Höhe genieße ich mehr als die anderen. Dass die steile Teerstraße nach jeder Kehre einfach nicht enden will, tut mir gar nicht weh. Meine Mitstreiter bleiben eng beisammen und meistern mit sichtbarer Anstrengung die Steigung schwitzend und schweigend. Ich kann nach Lust und Laune auf Knopfdruck mehr oder weniger Tretunterstützung abrufen. Zeit zum Sinnieren: Wie wird es wohl weitergehen mit gegenseitiger Rücksicht auf alpinen Pfaden, wenn Wanderer die sich mit mehr E-Bikern teilen müssen? Sie werden künftig nicht mehr nur vereinzelt in höheren Bergregionen anzutreffen sein, die jungen Alten, die schwindende Muskelkraft durch Elektroantrieb kompensieren. E-Mountainbikes haben genug Bodenfreiheit unter dem Tretlager, um selbst schwierigste Wegpassagen mit Geröll und bordsteinhohen Hindernissen schadlos und kräftesparend zu überwinden. Davon sind am Abend des ersten Fahrtags alle meine Weggefährten fest überzeugt.

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