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Cheftechnikerin von Airbus : „Die Art des Fliegens wird sich deutlich verändern“

  • -Aktualisiert am

Wie die Gänse: Folgt ein Flugzeug dem anderen (Mitte rechts) relativ dicht, kann es Energie sparen. Airbus probt schon mal. Bild: Airbus

Ob verstellbare Tragflächen, Kabinen ohne Fenster, nachhaltige Kraftstoffe oder Reisen wie die Gänse: Im Gespräch weist Airbus-Technikchefin Sabine Klauke ihren Kurs in die ­Flugzeugwelt von morgen.

          5 Min.

          Die Menschen wollen fliegen. Vor allem sicher, aber auch komfortabel. Und mit immer weniger Einfluss auf die Umwelt. Airbus steht wie alle Flugzeugbauer vor großen Herausforderungen, insbesondere was den CO2-Ausstoß des Luftverkehrs angeht. Im Gespräch mit Sabine Klauke wird schnell klar: Die eine Lösung gebe es nicht, aber „die Art, wie wir fliegen, wird sich deutlich verändern“.

          Holger Appel
          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Es geht um eine Vielzahl von Faktoren, die zusammenwirken müssen. Weniger Warteschleifen in der Luft, effektivere Abfertigung am Boden. Aber natürlich auch die Technik. Eine Möglichkeit ist der vermehrte Einsatz von Sustainable Aviation Fuel, kurz SAF. Diese nachhaltig und möglichst CO2-neutral hergestellten Treibstoffe sind Hoffnungsträger der Luftfahrt. Sie können auf verschiedene Art hergestellt werden, etwa auf der Basis von Biomasse. Sie können aus gebrauchten Fetten oder Abfall entstehen oder aus landwirtschaftlichen oder forstwirtschaftlichen Produkten. „Um das gleich vorwegzunehmen“, sagt Sabine Klauke, „die Frage nach Tank oder Teller ist kein Hinderungsgrund, das ist nur eine Frage der Zertifizierung jener Kraftstoffe, die eben nicht mit dem Teller konkurrieren. Unser Hauptproblem ist die Verfügbarkeit. Da gilt es, das Henne-Ei-Problem aus dem Weg zu schaffen.“

          Airbus war 2016 der weltweit erste Flugzeughersteller, der seinen Kunden die Möglichkeit bot, neue Flugzeuge mit einer Beimischung von SAF zum herkömmlichen Kerosin zu betreiben. Seit 2016 werden Airbus-Verkehrsflugzeuge aus den Montagewerken in Toulouse, seit 2018 aus Alabama und seit 2020 aus Hamburg mit dieser Option angeboten. Bislang hat Airbus 90 Flugzeuge ausgeliefert, die SAF getankt haben. Außerdem setzt Airbus diesen nachhaltigen Treibstoff auch in seiner eigenen Flotte ein, um Emissionen zu senken. So fliegen etwa die Beluga-Transportflugzeuge zwischen den Airbus-Werken mit SAF. Auch alle Hubschrauber von Airbus nutzen in der Flugerprobung den neuen Treibstoff.

          Das soll erst ein Anfang sein, Klauke ermutigt zu mehr Engagement: „Heutige Flugzeuge können mit bis zu fünfzig Prozent SAF fliegen. Künftig werden es einhundert Prozent sein. Technisch können wir Ende dieses Jahrzehnts ohne fossile Kraftstoffe fliegen. Anfangen können wir damit sofort. Die Kosten liegen noch um den Faktor zwei bis drei höher. Das ist also nicht so weit weg“, sagt sie. Allerdings noch so weit, dass Kosten und Verfügbarkeit die Verbreitung hemmen und SAF bisher im Vergleich zu herkömmlichem Kerosin lediglich im Promillebereich von den Fluggesellschaften eingesetzt wird.

          „Im Wasserstoff sehen wir großes Potential“

          Als sauberer Antrieb soll zudem Wasserstoff eine wichtige und zunehmend größere Rolle einnehmen. Klauke setzt bereits einen zeitlichen Rahmen. „Im Wasserstoff sehen wir großes Potential. Wir planen bis 2027 die Designfest­legung eines wasserstoffangetriebenen Airbus und bis 2035 dessen Markteinführung.“ Der erste Airbus, dessen Turbinen von Wasserstoff angetrieben werden, werde aber weder ein Langstrecken­modell noch ein Widebody, also ein Großraumjet, sein. „Wir werden wohl mit kleineren Modellen anfangen. Die Größe des ersten Wasserstoff-Airbus wird um 100 bis 200 Sitze liegen und seine Reichweite bis etwa 1850 Kilometer betragen“, sagt Klauke.

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