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Testflüge mit dem Airbus A350 : Fliegen, bis die Bremsen glühen

Bild: F.A.Z., Hersteller

An diesem Donnerstag startet der Airbus A350. Bevor Flugzeuge in den Liniendienst gestellt werden, durchlaufen sie ein schier unglaubliches Erprobungsprogramm. Die Testpiloten fliegen an Grenzen weit jenseits des Alltags.

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          Endlich ist Wolfgang Absmeier zufrieden. 90 Blitzeinschläge zählen die Messgeräte, und der Airbus A350 hat nichts abbekommen, jedenfalls nichts, was seine Funktionsweise beeinträchtigt. Fünfeinhalb Stunden hat der Testpilot mit seiner Erprobungsmaschine in den Gewitterwolken Kreise gezogen, bis das Pensum abgeflogen ist. Haufenweise Blitzeinschläge und haufenweise Eis an den Tragflächen sind das erfolgreiche Werk dieses Tages, Ersteres mit einer neuen Erfahrung verbunden, Letzteres ein Horrorszenario für jeden Piloten. Die Blitze schlagen in den erstmals aus viel Karbon gefertigten A350 nicht wie bei den bisherigen Metallkonstruktionen plötzlich wie ein Hammer ein, sondern nur mit einem unspektakulären Plopp.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Das Eis indes ist so gemein wie immer. Setzt es sich an den Flügeln fest, droht Strömungsabriss, das Flugzeug kann ins Trudeln geraten und abstürzen. Hat der Pilot Pech, bildet sich zudem eine Schicht auf den Scheiben, dann sieht er draußen nichts mehr, oder Geber für die Instrumente versagen. Womöglich ist Eisbildung der Grund für den Absturz des Air Asia Airbus A320 vor drei Wochen. Das wäre ein tragischer Verlauf, der an Verkehrsflugzeugen eigentlich nicht auftreten sollte. Der Absturz ist mysteriös und die Ursache bis zur Auswertung der Flugschreiber ungeklärt, kein Linienpilot würde sich und seine Passagiere freiwillig in diese Gefahr begeben.

          Er umfliegt solche Wettergebiete, die Flugzeuge haben technische Abwehrmaßnahmen an Bord, und sie werden im Winter vor dem Start mit Chemie besprüht. Für Absmeier aber gehört derlei zur Aufgabe, er provoziert die Eisbildung und ist kühl in der Analyse: „Wer das sieht, glaubt nie, dass das Flugzeug noch fliegt. Tut es aber.“ Alles andere im Testprogramm klingt ebenso unglaublich und dient doch nur größtmöglicher Sicherheit und Zuverlässigkeit.

          Bevor ein neues Flugzeug in den Liniendienst gestellt wird, muss es Proben bestehen, die weit über die Grenzen des Alltags hinausreichen. Die Testpiloten sind keine Hasardeure, sondern hervorragende Flieger mit besonderem technischen Verständnis. Absmeier, Jahrgang 1959, hat bei der Luftwaffe Phantom-Jäger gesteuert, war als Verkehrspilot tätig, hat mehr als 14 000 Flugstunden und ist seit dem Jahr 2000 Experimental Test Pilot von Airbus, mithin einer jener 27, die an die Grenzen fliegen. Dass an diesem Donnerstag der erste A350 der arabischen Fluggesellschaft Qatar Airways von Doha nach Frankfurt abheben kann, ist auch ihr Verdienst. Und wer immer als Otto-Normalpassagier ins Zweifeln gerät, wenn es mal kräftiger wackelt, möge sich beruhigend seine Worte in Erinnerung rufen: „In unseren Hochgeschwindigkeitstests werden Belastungen geprüft, die um ein Vielfaches höher liegen als jene, die in schwersten Turbulenzen entstehen.“

          Der A350 ist ein von Grund auf neu konstruiertes Flugzeug. Airbus verbaut erstmals überwiegend Verbundwerkstoffe, also vor allem gebackene und verklebte Schichten aus Karbon. Hinzu gesellen sich Titan und Aluminiumprofile. Die Mischung wurde nie zuvor eingesetzt, bislang sind Flugzeuge überwiegend aus Aluminium und Stahl hergestellt. Die neue Bauart bedeutet weniger Gewicht, was sich in geringerem Treibstoffverbrauch und/oder größerer Reichweite niederschlägt. Sie bedeutet aber auch: Neuland in allen Teilen. Ob sich ein Material mit dem anderen verträgt, ob Korrosion entsteht, ob Schrauben oder Klebstoffe halten, all das muss ausprobiert werden.

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