https://www.faz.net/-gy9-7htdo

Adaptives Dämpfungssystem : Fahrwerks-Finessen beim Motorrad

  • -Aktualisiert am

Ducati Multistrada 1200 Bild: FAZ

Continuous Damping Control ist ein adaptives Dämpfungssystem, das die Dämpfungshärte in Echtzeit an verschiedene Fahrsituationen anpasst. Der Unterschied ist „erfahrbar“.

          Alle vier derzeit mit einem semiaktiven Fahrwerkssystem erhältlichen Motorräder (Aprilia Caponord 1200, BMW HP4, BMW R 1200 GS, Ducati Multistrada) bekamen in unseren Fahrtberichten hinsichtlich der Fahrwerke gute Beurteilungen. Freilich war es bisher nicht möglich gewesen, die genannten Modelle in ihrer Basisversion, also ohne Continuous Damping Control, und mit CDC im direkten Vergleich zu fahren. Mittlerweile können wir diese Informationslücke schließen.

          Doch zuerst zum Grundsätzlichen: CDC - das System wird von den Fahrzeugherstellern trotz grundsätzlich gleicher Hardware-Ausstattung mit unterschiedlichen Bezeichnungen belegt - ist ein adaptives Dämpfungssystem, das die Dämpfungshärte in Echtzeit an verschiedene Fahrsituationen anpasst. ZF hat es schon vor Jahren für Personenwagen, Busse und Nutzfahrzeuge entwickelt und seit 1994 mehr als 14 Millionen mal produziert. Seit 2008 wurde CDC an den Einsatz im Motorrad angepasst, wo es Komfort, Sicherheit und Fahrdynamik gleichermaßen erhöhen soll.

          Anforderungen an die CDC beim Motorrad besonders hoch

          Technische Grundlage ist ein Proportionalventil innerhalb des Dämpfers. Dieses verengt oder weitet den Ölfluss innerhalb des Dämpfers, was die Dämpferhärte zwischen straff und komfortabel-weich schwanken lässt. Statt der starren Kennlinie eines konventionellen Dämpfers haben Motorräder mit CDC ein breites Kennfeld. Das steht der Steuerungssoftware zur Verfügung, die über Sensoren permanent die Fahrsituationen analysiert und innerhalb von Millisekunden die ideale Dämpfkraft errechnet und sie über das Ventil einstellt. Angeboten wird CDC unter der Marke Sachs; das in Schweinfurt ansässige Unternehmen war 2001 von ZF übernommen worden. Die CDC-Regelventile werden in Schweinfurt produziert, die Endmontage der Dämpfereinheiten erfolgt in Candiolo nahe Turin im früheren Boge-Werk; auch diesen Hersteller hatte ZF vor Jahren übernommen.

          Aprilia Caponord 1200

          Weil das Motorrad gegenüber dem Personenwagen eine deutlich veränderte Fahrzeuggeometrie aufweist, sind die Anforderungen an die CDC hier besonders hoch: Beim Bremsen, Beschleunigen und bei Kurvenschräglage entstehen größere dynamische Radlastverschiebungen; zudem sind die Schwankungen zwischen Leergewicht, normaler Zuladung und Soziusbetrieb stärker. Auch ist das Schwingungsverhalten von Motorrädern im Vergleich zu Autos oder gar Nutzfahrzeugen höchst unterschiedlich.

          Bei der Applikationsentwicklung unterstützte ZF die drei Hersteller maßgeblich; sowohl Aprilia wie BMW und Ducati verwenden überwiegend eigene Regelalgorithmen. Generell gibt das System den Herstellern die Möglichkeit, verschiedene Fahrprogramme anzubieten, zwischen denen der Fahrer auch während der Fahrt wählen kann.

          Unterschiede bei den Modellen

          Im praktischen Vergleich stellen sich überraschend große Unterschiede heraus. Bei der Ducati Multistrada 1200, im späten Herbst 2012 auf den Markt gekommen, liegt das Fahrverhalten mit oder ohne Skyhook-System (so bezeichnet der italienische Hersteller das CDC) relativ dicht beieinander. Schon die Basisversion ist in Grundabstimmung sehr gut fahrbar und erscheint auch bei schneller Fahrt auf schlechten Straßenabschnitten nicht überfordert. Ganz anders dagegen die Aprilia Caponord 1200: Die Basisversion ohne CDC erscheint unter identischen Bedingungen schwerfällig, erfordert hohe Lenkkräfte und auch extrem hohe Konzentration, um angesichts der starken Fahrwerksunruhe noch halbwegs sicher bewegt werden zu können.

          Weitere Themen

          Ein Porsche ist kein Ponyhof Video-Seite öffnen

          Fahrbericht Porsche 911 Cabriolet : Ein Porsche ist kein Ponyhof

          Porsche ist mit dem 911 Cabriolet ein tolles Auto gelungen – wenngleich das Verdeck manche Schwächen aufweist. F.A.Z-Redakteur Holger Appel hat den Wagen getestet und erklärt, warum 180.000€ nicht zwingend in eine Eigentumswohnung investiert werden müssen.

          Intelligent gelöst

          Schlusslicht : Intelligent gelöst

          Er reicht nicht, keine Ahnung zu haben, man muss auch auf den Mond schauen. Dann ergibt sich die künftige Klimasteuer fast von selbst.

          Topmeldungen

          Großbritannien und Iran : Zwei Tanker und eine Retourkutsche

          Kritiker werfen der Regierung in London vor, sie sei vom Machtkampf um die Nachfolge Mays abgelenkt. Tut sie zu wenig für die Sicherheit der britischen Schiffe im Persischen Golf?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.