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Abarth : Der Skorpion war herrisch und eitel

  • -Aktualisiert am

Kleinen Teufel: Auf der Basis des Fiat 600 D entstanden die Fiat Abarth 1000 Bild: Seufert

Die Officine Abarth am Corso Marche in Turin war in jeder Hinsicht eine erste Adresse. Jetzt werden Ort und Marke wiederbelebt - und mit dem neuen Grande Punto Abarth wurde ein vielversprechender Anfang gemacht.

          Menschen hinter Namen. In diesem Fall stehen sie hinter Automobilmarken, die nicht die Bezeichnung einer anonymen Aktiengesellschaft tragen. Kaum ein Land hat da so viele prominente Beispiele zu bieten wie Italien. Bizzarini, Ferrari, Lamborghini, Maserati, Osca, De Tomaso und, als Allererster im Alphabet, Abarth. Carlo Abarth gründete seine Abarth & Co. in Turin 1949. Damals hieß er noch Karl, besaß aber schon die italienische Staatsbürgerschaft und sechs aus dem Cisitalia-Abenteuer gerettete Rennwagen. Nuvolari und andere fahrerische Vorkriegsgrößen fuhren darauf für die „Squadra Carlo Abarth“ prestigeträchtige Siege ein, von denen man aber nicht leben konnte.

          Doch der noch zur Kaiserzeit (1908) in Wien geborene Österreicher, Ex-Motorrad-Rennfahrer und autodidaktische Automobilkonstrukteur wusste genau, was der motorsportbegeisterte Nachkriegsfahrer der fünfziger und sechziger Jahre am dringendsten brauchte: einen sportlichen Sound am Ende seines meist untermotorisierten Autos. Den lieferte Abarth in Gestalt seiner kernig klingenden Auspuffanlagen, deren typische Merkmale in einer Verdoppelung der Abgasendrohre und deren Verchromung bestand. Sogar für den VW Käfer gab es sie. Aufkleber mit dem Skorpion als Markenemblem, dem Sternzeichen des Patron übrigens, adelten das damit ausgestattete Auto fast zum Ferrari. Bald wurden bis zu 250.000 Auspuffanlagen jährlich gefertigt, eine gute Basis für weitergehende Unternehmungen.

          Ein Synonym für Höchstleistung

          Abarth wollte nämlich Autos bauen. Zwar wurden schon bisher ein paar Rennsport-Prototypen in den Hallen am Corso Marche zusammengedengelt, doch Abarth dachte in größeren Dimensionen. Die Nähe zum Produktionsgiganten Fiat war hier hilfreich, wo mit dem Fiat 600 eine ideales Objekt für die ehrgeizigen Pläne des Wahlturiners vom Band lief. Auch erwies sich dessen nur 600 Kubikzentimeter kleiner Vierzylinder als ausbaufähige und nimmermüde Tuningbasis, die es in der Endstufe, im 1000 TC Corsa, bis auf 112 PS brachte. Ein kleines Wunder für einen Stoßstangenmotor, das ohne den Altmeister in Sachen Ladungswechsel nicht möglich gewesen wäre.

          Zwei Männer: Steinmetz und Abarth

          So wurde der Name „Abarth“ in den fünfziger und sechziger Jahren zum Synonym für Höchstleistung im „Kleinen“, die auch vor dem winzigen Fiat Cinquecento (695 esse-esse) nicht haltmachte. Und die Fiat-Abarth waren gefürchtete Gegner auf der Rennstrecke. Im Übrigen war Carlo Abarth der erste professionelle und industrielle Tuner überhaupt. Er entwickelte umfangreiche Tuning-Kits (überwiegend für Fiat), aber auch komplett umgebaute Serienautos. Abarth Kleinserien gab es daher nicht nur von den meisten zeitgenössischen Fiatmodellen, auch dem Simca 1300 verlieh Abarth Flügel, ja sogar Porsche ließ eine Sonderserie des 356 in Turin bauen.

          Für Carlo Abarth fuhr die Elite

          Der so genannte „Abarth-Carrera“ (offiziell: Porsche 356 B GTL-Abarth) war ein spezielles Homologationsmodell für die GT-Klasse, das mit seiner zierlicher geschnittenen Alu-Karosserie und geringerem Gewicht die keineswegs langsamen Stuttgarter Originale (und andere Konkurrenten) auf der Rennstrecke mühelos stehenließ und zahlreiche Siege einfuhr. Nur 21 Stück wurden davon gebaut, die wenigen „Überlebenden“ sind heute eine echte Rarität.

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