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80. Genfer Automobilsalon : Mit Strom am Blitzer vorbeischnurren

  • -Aktualisiert am

Das sind nur vier der wichtigsten Neuigkeiten auf dem Automobilsalon Bild: F.A.Z.

Der Autofrühling in Genf hat sich gewandelt. Aus der unbeschwerten Luxus-Sause ist eine ernsthafte Trendschau geworden. Um die Freude am Auto muss einem dennoch nicht bange sein.

          8 Min.

          Nichts ist mehr, wie es war. Die Schweiz ist bald kein Versteck mehr für arme Millionäre, ihre Konten liegen offen wie eiternde Wunden, an der Raststätte gibt es keine Ovomaltine, und das Radargerät auf der A1 vor Lausanne hat beim Angriffsschrei des V10 im Audi R8 nicht einmal gezuckt. Auf dem Genfer Salon gibt es weniger Zwölfzylinder als Elektro- und Hybridfahrzeuge. Wo soll das noch hinführen? Der Autofreund ist verunsichert, aber wir sind mit neuem Mut und frischem Trost aus Genf zurückgekehrt. Mehr Technik zur radikalen Verringerung des Verbrauchs war noch nie am Lac Léman, und dennoch (oder deshalb?) ist die Faszination Auto lebendiger denn je zuvor. Dann schnurren wir halt mit Strom am Blitzgerät vorbei.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Beginnen wir unseren Rundgang. Audi setzt mit dem elektrischen A1 ein Ausrufezeichen in Sachen alternative Antriebe. Doch noch ist der A1 e-tron nur eine technische Studie. Neben einem 75-kW-Elektromotor im Bug hat er einen kleinen Wankelmotor (254 Kubikzentimeter Kammervolumen) im Kofferraumboden, der bei Bedarf über den Generator den E-Motor antreibt. Vorteil dieses Konzepts sei die Kompaktheit des Antriebs, meint Audi, der Nutzraum sei der gleiche wie im konventionellen A1 (Marktstart im August). Weil der A1 e-tron ein „Mega City Vehicle“ sein soll, fasst der Benzintank nur zwölf Liter, das genüge für 200 Kilometer. Die rein elektrische Reichweite liegt bei 50 Kilometer. Wichtig für Audi ist neben dem A1 noch der A8 hybrid, der Ende 2011 serienreif wird.

          BMW hat sein angekündigtes Mega City Vehicle doch zu Hause gelassen, feiert drei Jahre „Efficient Dynamics“ und die Weltpremiere des neuen 5er (Neuer 5er-BMW: Das zweite Leben der Freude am Fahren). In das Kleid der Limousine hat man zudem Hybridtechnik gepackt, der Concept 5 Series ActiveHybrid kann wie der A8 rein elektrisch fahren. Elektrokompetenz zeigt man zudem mit der Studie des elektrischen 3er, diese ist aber nicht neu. Die kleine Tochter Mini setzt den neuen Countryman in Szene.

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          In Genf tritt jetzt der Kombi dazu

          Den neuen Focus hatte Ford schon im Januar in Detroit von der Leine gelassen, obwohl der Kunde noch bis 2011 auf ihn warten muss. In Genf tritt jetzt der Kombi dazu. Neue E-Autos hat Ford nicht dabei, verspricht aber bis 2013 fünf neue E-Typen für Europa, wobei ein stromernder Ford Transit im nächsten Jahr und 2012 ein elektrischer Focus den Anfang machen sollen. An den konventionellen Motoren arbeitet man mit Nachdruck, um sie noch sparsamer und sauberer zu machen – das tun im Übrigen alle Großserienhersteller mit einer nie zuvor gekannten Intensität.

          Natürlich auch Opel. Genf ist nicht nur Plattform für den neuen Meriva, der in seiner zweiten Generation gegenläufige Türen bekommt, sondern Bühne für die Studie Flextreme GT/E. Unter deren 4,70-Meter-Kleid steckt die Technik des Opel Ampera. Der große Hoffnungsträger von Opel, der vom neuen Chef Nick Reilly eigenhändig und werbeträchtig von Rüsselsheim an den Genfer See pilotiert wurde, lädt schon lange seine Batterien. Doch er wird nicht vor Ende 2011 marktreif sein.

          Ein Hingucker in Genf war die Konzeptstudie 918 Spyder

          Porsche hat gleich drei Hybridmodelle mitgebracht, bald kaufen kann man den Cayenne S Hybrid, für die Rennstrecke ist der 911 GT3 R Hybrid gedacht, und einer der Hingucker in Genf war die Konzeptstudie 918 Spyder. Porsche wagt den Spagat zwischen einer Spitze von 320 km/h und einem Verbrauch von drei Liter auf 100 Kilometer. Vier unterschiedliche Betriebsarten für die zwei E-Maschinen und den 3,4-Liter-V8 machen es möglich. Außerdem kann der 918 rund 15 Kilometer rein elektrisch fahren. In der Studie F 800 von Mercedes-Benz sind ein Plug-in-Hybrid oder eine Brennstoffzelle fürs Fortkommen verantwortlich. Außerdem gibt das Forschungsauto einen Ausblick auf die neue Designphilosophie der Schwaben. Der E 300 Bluetec Hybrid soll Ende 2011 zu den Händlern kommen, im Duo wirken ein 2,2-Liter-Vierzylinder-Diesel mit 150 kW (204 PS) und eine E-Maschine mit 15 kW (20 PS). Im Gegensatz zur hybriden S-Klasse wird der Diesel-Hybrid rein elektrisch fahren können, aber nur kurze Strecken.

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