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75 Jahre Volvo PV 444 : Ein Buckel macht Karriere

  • -Aktualisiert am

Mit ihm fing alles an. Der PV 444 von 1944 im Heute vor den Königlichen Tennishallen, in denen er im September 1944 sein Debut gab. Bild: Dieter Günther

Der Volvo PV 444 war das einzige zivile Auto, das im Zweiten Weltkrieg seine Premiere feierte. Fünfzehn Jahre später durfte der Buckel mit dem Drei-Punkt-Sicherheitsgurt sogar Automobilgeschichte schreiben.

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          Im September 1944 befand sich die Welt im Umbruch. Der Zweite Weltkrieg war noch nicht beendet, eine Verschiebung der Machtverhältnisse zeichnete sich jedoch schon damals ab. Das vom Krieg verschonte Schweden blickte gestärkt nach vorn, ebenso die mit lukrativen Militäraufträgen versorgte AB Volvo in Göteborg. AB steht für „Aktiebolaget“, Aktiengesellschaft. Nun galt es, mit alten Modellen am Ball zu bleiben und mit neuen die Weichen für künftiges Wachstum zu stellen. In den königlichen Tennishallen von Stockholm präsentierte man im September 1944 ein brandneues Auto, den Volvo PV 444, später mit dem Kosenamen Buckel bedacht.

          Das Automobilunternehmen Volvo war erst 1927 gegründet worden, die zwei Volvo-Väter, Assar Gabrielsson, der Geschäftsmann, und Gustaf Larson, der Konstrukteur, waren 1944 noch immer an Bord. Beide waren fest davon überzeugt, dass der Export von Autos für Volvo bald eine große Rolle spielen würde. Bis dato hatte man die Volvo-Autos und die Lastwagen kaum über die schwedischen Grenzen hinaus verkauft.

          Auf den neuen, relativ kompakten Volvo setzte man große Hoffnungen, und es trudelten auch viele Vorbestellungen ein. Das war verständlich. Zehn Tage dauerte die Ausstellung, auf der neben anderen Volvo-Produkten nur ein einziger Prototyp des Buckel zu sehen war. 2300 Schweden wollten den neuen Volvo haben. Kein Wunder, er sollte doch nur 4800 Kronen kosten, das war der Preis, zu dem 17 Jahre zuvor der allererste Volvo verkauft worden war. Doch die selbst in Schweden herrschende Knappheit an Rohstoffen wie Stahlblech verzögerte die Auslieferung des PV 444 um zweieinhalb Jahre bis ins Frühjahr 1947. Jetzt kostet der neue Volvo schon 8000 Kronen, bis 1950 ist er immer ausverkauft. Gebrauchtwagen kosten das Doppelte. Die ebenso gefällige wie kompakte, von einer Gruppe um Edward Lindberg und Henry Westerberg modellierte „Sicherheitskarosserie“ setzte auf eine rahmenlose Bauweise, wodurch sie sich von allen bisherigen Volvo-Modellen unterschied. Mit der geteilten Frontscheibe aus Verbundglas bot der schwedische Hersteller eine Weltneuheit im Automobilbau.

          Hier begann die Karriere des Buckel-Volvo. Das Foto ist nachkoloriert. Bilderstrecke

          Selbst die Technik konnte sich sehen lassen. Unter der Motorhaube werkelte ein B4B genannter, dreifach gelagerter Vierzylinderviertakt-Reihenmotor, der bei einem Hubraum von 1414 Kubikzentimeter 40 PS leistete und der mit hängenden Ventilen, einer untenliegenden Nockenwelle sowie einem Verdichtungsverhältnis von 6,5:1 arbeitete. Ein manuelles Dreiganggetriebe, eine hydraulische Bremsanlage mit Trommeln rundum sowie ein Fahrwerk mit Querlenkern vorn und Starrachse hinten waren weitere Merkmale dieses maximal 110 km/h schnellen schwedischen Volkswagens. Damit hatte Volvo eines der fortschrittlichsten Serienautos der damaligen Zeit auf die Räder gestellt.

          Schon zu diesem Zeitpunkt gab es Pläne, dem Volvo PV 444 – das PV stand für Personvagn, seine Ziffernkombination für vier Sitze sowie das Jahr seiner Vorstellung – ein handliches Nutzfahrzeug zur Seite zu stellen. Überstürzt wurde nichts, das wäre nicht die Art von Volvo gewesen. Stattdessen bekam der selbsttragende Aufbau der Limousine einen soliden Kastenrahmen verpasst, der seit September 1949 freien Karosseriewerkstätten als Basis für Pritschen- und Kastenwagen ebenso diente wie für schicke Cabrios. Seit 1953 allerdings gab es Konkurrenz von der AB Volvo: Mit dem PV 445 Duett debütierte ein geräumiger Kombi, der technisch wie gestalterisch stets der jeweiligen Limousine entsprach.

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