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74. Internationaler Automobilsalon in Genf : Die Vielfalt der Verführung setzt tröstende Zeichen der Leichtigkeit

  • -Aktualisiert am

Obere Mittelklasse: Der neue Audi A6 Bild:

Der 74. Internationale Automobilsalon im Genfer Palexpo ist Bühne für eine größere Menge an Premieren als in etlichen Jahren aus der Vergangenheit. In der Krise gedeiht Kreativität.

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          Der 74. Internationale Automobilsalon im Genfer Palexpo ist Bühne für eine größere Menge an Premieren als in etlichen Jahren aus der Vergangenheit. In der Krise gedeiht Kreativität, und die Automobilindustrie geht zwar mit hoher Ernsthaftigkeit ihren Geschäften nach, aber sie weiß dennoch, wie man in den Zeiten der Leiden die tröstenden Zeichen der Leichtigkeit des automobilen Seins zu setzen hat.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Da denkt Audi in anderen Dimensionen. Denn man erschrickt zunächst über das Format des brandneuen A6, eine Außenlänge von 4,93 Metern wahrt kaum noch Abstand zum A8. Wir vernahmen beim ersten Horchen viel Lob über das Design der Baureihe, aber es stellt sich schon eine gewisse Nachdenklichkeit (nicht nur wegen der klotzigen Frontpartie) ein, der wir noch nachgehen. Alles schaut auf den A6, da geraten Neuheiten wie das S4 Cabriolet ("nach oben offenes Maximum"), der A8 mit dem 6,0-Liter-Motor sowie der A3 mit Allradantrieb und 2,0-Liter-Turbodiesel (103 kW/140 PS) etwas ins Abseits.

          Dort will BMW den 5er-Touring natürlich nicht haben. Die Kombi-Variante der vom Start weg erfolgreichen Limousine ist in Genf zum ersten Mal zu sehen, und wieder zeigt sich, daß eine große Klappe stilistisch weniger Spielraum läßt als ein Stufenheck. In diesem Fall ist das aber kein Fehler. Vier Motoren hat München für den 5er-Touring parat; 525d, 530d, 525i sowie 545i lautet die Nomenklatura, und alle Bezeichnungen passen zum Hubraum. Fünf Liter aus V10-Zylinder gönnt BMW dem "Concept M5", verspricht 500 PS, 500 Newtonmeter Drehmoment und eine Beschleunigung von 13,0 Sekunden von 0 auf 200 km/h. Gut möglich, daß das Auto tatsächlich realisiert wird.

          Wuchtig: Der offene Rolls-Royce

          Wesentlich kleinere Brötchen, dafür um so zahlreichere, backt man bei Mini. 375000 Bayern-Briten hat man schon verkauft, und das neue Kabrio soll und wird den Absatz weiter ankurbeln. Offen gibt sich auch die andere britische BMW-Marke: Ein neues Kabrio von Rolls-Royce fehlte bisher den Reichen dieser Welt. Es nimmt unübersehbare Anleihen an der Einrichtung einer Edelstahlküche und ist als Studien-Einzelstück zum Bestehen der Marke seit 100 Jahren gedacht.

          Direkt neben den Bayern finden sich die Marken von Daimler-Chrysler, wobei alle Aufmerksamkeit der zweiten Generation des SLK gilt. Der Stahldach-Roadster von Mercedes-Benz ist erwachsener geworden und sieht wesentlich maskuliner aus. Die aufregenden Rundungen des CLS kennt man bereits, nun muß sich zeigen, ob das viertürige Coupe seine Käufer findet. Wir glauben fest daran.

          Während Mercedes-Benz fast alles richtig macht, ist man bei Chrysler weiterhin beschäftigt, die Verluste zu minimieren, und wird des Versuches nicht müde, amerikanische Autos in Deutschland zu verkaufen. Mit dem PT Cruiser (jetzt auch als Kabrio) klappt das schon, vom Ur-Van Voyager nicht zu reden. Die große Limousine 300C mit 5,7-Liter-Maschine im Topmodell startet im Sommer, vielleicht sollte man aber bis Herbst warten, dann kommt der Station Wagon, der noch überzeugender wirkt. Von dem bei Karmann in Osnabrück gebauten Crossfire gibt es jetzt auch eine offene Version mit Stoffmütze. Neu für beide ist die SRT-Variante, deren Feuer besonders stark lodert: 330 PS statt 218. Jeep zeigt Bewährtes und die Studie Rescue, die irgendwie an den Hummer H2 erinnert.

          Bei der 37-Prozent-Tochter Mitsubishi von Daimler-Chrysler versteht man sich zwar auch auf Autos mit hoher Leistung, doch wichtiger sind der Sportvan Grandis und der neue Colt, den man jetzt endlich aus dem Halfter holt. Den Vergleich mit seinem Bruder Smart Forfour (gleiche Plattform) braucht er nicht zu scheuen. Im Gegenteil. Der Mitsubishi mit seiner arg konventionellen Karosserie faßt sich auf den ersten Griff solider an als der Smart mit seiner Tridon-Zelle. Die Marke Maybach ist natürlich auch vertreten, hier gibt es nichts aufregend Neues zu vermelden, gleiches gilt für Porsche.

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