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70 Jahre Unimog : Alter Kraxler

Bild: F.A.Z., Lukas Weber

Vor siebzig Jahren kam die Idee auf, den fähigsten Schlepper der Welt zu bauen. Das ist der Unimog bis heute. Auf einem Parcours kann man mit ihm an seine Grenzen gehen.

          Wenn das Kleinkind erstmals „Mama“ artikuliert, kennt die Freude der jungen Mutter keine Grenzen. Andere Worte sind eher ungewöhnlich, wir wissen aber verlässlich, dass der Bub zumindest kurz darauf statt „Papa“ etwas von sich gab, das sich verdächtig nach einem etwas verknotterten „Uni“, gefolgt von Mog“ anhörte. Später hat der Vater dann seinen 40 Jahre alten Unimog entnervt verkauft, weil seine zwei Jungs sich ständig darüber gestritten haben, wer mitfahren darf.

          Lukas Weber

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Die Faszination dieses Arbeitsgeräts ist schwer zu erklären. Der Unimog ist offensichtlich ein Sympathieträger, selbst Leute, die dem Auto allgemein skeptisch gegenüberstehen, mögen ihn. Das dürfte nur zum Teil daran liegen, dass die alten Modelle irgendwie knuffig aussehen. Seit sieben Jahrzehnten wird das Universalmotorgerät gebaut, anfangs kaum länger als ein Golf und heute im Lastwagenformat.

          Als Schlepper und Zugmaschine konzipiert

          Von den bisher ausgelieferten rund 340 000 Stück laufen die allermeisten noch. Selbst der übelste im harten Alltag zuschanden gerittene Schrott wird wieder aufgebaut und liebevoll gepflegt, notfalls entsteht aus zwei Fahrzeugen eines. Liebhaber der harten Sorte reden in verwirrenden Zahlenkombinationen von Typenkennungen, deren Systematik niemand versteht, und bezeichnen sich selbst als Unimog-Verrückte. Davon gibt es nicht wenige. Vor 23 Jahren wurde der Unimog-Club Gaggenau von einer Handvoll Enthusiasten gegründet, die so gut wie alle beruflich mit der Entwicklung tun hatten. Heute ist der UCG mit weit mehr als 6000 Mitgliedern der größte Markenclub der Welt; viermal im Jahr erscheint sein höchst informatives „Unimog-Heft’l“.

          Knuffig: Restaurierte Glubschaugen sind rar - und schon sechs Jahrzehnte alt. Bilderstrecke

          Das Geheimnis der Begeisterung könnte in den Fähigkeiten liegen. Der Unimog wurde nach dem Krieg als Gerät für die Landwirtschaft konzipiert, das wie ein Schlepper eingesetzt werden kann und zugleich als Zugmaschine für die Straße dient. Bis heute ist der Unimog der bessere Traktor, er ist von wenigen Metern in der Stunde bis zur Autobahngeschwindigkeit einsetzbar. Das geniale Konzept blieb durch die Jahrzehnte erhalten: Allradantrieb, zuschaltbare Achssperren vorn und hinten, kurze Überhänge und hohe Bodenfreiheit, weil die Achsen oberhalb der Radmitte verlaufen (Portalachsen). Lange Federwege, die im Verbund mit dem verwindungsfreudigen Rahmen dafür sorgen, dass die Räder lange am Boden bleiben und so für Vortrieb sorgen können. Kein anderes Radfahrzeug kommt besser in schwerem Gelände voran - wobei es sogar Unimog mit Raupen gab.

          Unimog-Parcours in Gaggenau

          Nur kann so viel Technik nicht ganz billig sein. Das nehmen die Kunden anscheinend in Kauf. Der Unimog zieht Eisenbahnwaggons bis achthundert Tonnen, er transportiert Hilfsgüter in Katastrophengebiete und Bier auf die Alm, spritzt Wasser auf Brände, rückt Baumstämme und putzt, etwas unterfordert, die Pfähle entlang der Autobahn.

          Was das Gerät kann, lässt sich am ehemaligen Produktionsstandort Gaggenau erfahren. Dort steht seit genau zehn Jahren das Unimog-Museum, das mit seiner Sammlung ehrwürdiger bis moderner Unimog und Sonderausstellungen eine alljährlich steigende Zahl von Besuchern anzieht. Besondere Attraktion ist ein anspruchsvoller Parcours, auf dem Kurse mit dem Unimog gebucht werden können.

          Vollgas an der gefühlt senkrechten Wand

          Wir steigen ein und genießen hundert Prozent Steigung, fürchterliche Schräglagen und böse Löcher. Mit dem Neuen, der dem Fahrer die Arbeit durch allerlei Servohilfen und Elektronik abnimmt, und mit einem rüstigen Alten aus den Siebzigern - wenn der Mercedes-Mann auf dem Beifahrersitz an der gefühlt senkrechten Wand „Vollgas“ brüllt, damit sich der Motor hinaufmüht und sich nicht die ganze Fuhre hangabwärts in den Boden bohrt, liegt der Schweißausbruch wohl doch nicht nur an der Abwärme des ungedämmten Antriebs.

          Die jüngste Generation erfüllt Euro 6 und ist damit für die Gegenwart gerüstet. Aber der Unimog ist durch seine aufwendige Antriebstechnik gegenüber normalen Lastwagen im Nachteil. Wenn es keine Sonderregelung für den Universal-Spezialisten gibt, könnte es sein, dass ihm künftige Abgasvorschriften den Garaus machen. Das wäre schrecklich.

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