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70 Jahre Luftbrücke : Brückenbauer am Himmel

Am Pfingstmontag wurde auf der amerikanischen Airbase in Wiesbaden-Erbenheim der Luftbrücke nach Berlin vor 70 Jahren gedacht. Bild: Appel

In Wiesbaden-Erbenheim wurde der Luftbrücke nach Berlin vor 70 Jahren gedacht. Dabei waren zwanzig Rosinenbomber am Start. Die DC-3 überrascht vor allem mit einem.

          Nein, es war nicht laut. Im Gegenteil, ruhig in Lage und Lärm, gediegen und würdevoll. Am Pfingstmontag wurde auf der amerikanischen Airbase in Wiesbaden-Erbenheim der Luftbrücke nach Berlin vor 70 Jahren gedacht, mit einem Volksfest und einer Flugshow, deren Star natürlich der Rosinenbomber war. Besser gesagt: 20 Stück davon.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Die DC-3 hat nicht nur Proviant und Kohle in das abgeschnittene Berlin gebracht, sie ist einfach auch ein Klassiker der Lüfte. Zu ihrer Zeit war sie sehr fortschrittlich, erledigte mannigfaltige Transportaufgaben und wurde stets weiterentwickelt. Zudem war sie extrem robust. Die amerikanische Douglas DC-3 aus den dreißiger und vierziger Jahren füllte die unterschiedlichsten Rollen am Himmel aus. Sie diente als Passagierflugzeug, Truppentransporter, Frachtflieger, Absetzmaschine für Fallschirmspringer oder auch als Stuntflugzeug in James-Bond-Filmen.

          Mit ihren Sternmotoren, dem damals fortschrittlichen Einziehfahrwerk und einem gutmütigen Flugverhalten war die zweimotorige Maschine ihrer Zeit voraus. Einige wenige DC-3 fliegen bis heute als normale Passagiermaschinen oder befördern Fracht. Oder sie machen Rundflüge in privater Hand.

          In Erbenheim stiegen sie und ihre militärische Variante C-47 in den Himmel auf, und wenn sie in Formation vorbeiflogen, bekamen alle eine Ahnung, was es hieß, vom Juni 1948 bis zum Mai 1949 unter anderem aus Frankfurt und Erbenheim zu starten, im Dreiminutentakt in Berlin-Tempelhof zu landen und die dortige Bevölkerung zu versorgen. Auch eine Demonstration des „Candy-Drop“ durfte nicht fehlen, vor rund 50.000 Zuschauern warfen Copiloten Süßigkeiten an kleinen Fallschirmen aus den Maschinen, und hunderte Kinder stürmten auf die Wiese, um sie aufzulesen.

          Auch eine Demonstration des „Candy-Drop“ durfte nicht fehlen. Bilderstrecke

          Die DC-3 überrascht vor allem mit ihren leisen Pratt and Whitney-Motoren, die beim Start 1350 PS entwickeln. Die Reisegeschwindigkeit ist mit 155 Knoten nicht gerade überbordend. Aber die Anmut in der Luft zieht jeden in seinen Bann. 100 Gallonen je Stunde beträgt der Benzinverbrauch, dazu einiges an Öl, 7 Stunden kann sie maximal in der Luft bleiben. Wer heute eine um 1939 gebaute DC-3 bewegt, tut dies mit entsprechender Vorsicht, und an diesem Gedenktag auch mit der Gewissheit oder der Ermahnung, dass nicht vergessen werden sollte, wer nach dem Krieg Freundschaft geschlossen hat.

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