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Beifahrerin auf dem Motorrad : Halt dich gut fest!

Bild: FAZ.NET

Keine Ahnung von Motorrädern. Keine Erfahrung, wie es ist, hintendrauf mitzufahren. Aber mutig und neugierig, es mal auszuprobieren. Sechs sehr unterschiedliche Maschinen vom Rücksitz aus betrachtet.

          Latrine von Bangkok

          Wo um Himmels willen soll ich sitzen? Die schwarzblaue Yamaha MT-07 erinnert mit ihrem schmal auslaufenden, hochgezogenen Heck an ein Insekt, dessen Hinterleib der Paarung und jedenfalls nicht der Beifahrerin dient. Beim Aufsteigen muss ich die Beine so stark anwinkeln, dass ich bei einer Körpergröße von 1,70 Metern schlussendlich dahocke wie über einer Latrine in Bangkok. Der einzige Unterschied ist, dass sich unter mir statt eines Lochs ein Polster von der Größe eines Din-A5-Blatts befindet.

          Katrin Hummel

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ich fühle mich eher wie der Rucksack meines Fahrers als wie seine Beifahrerin. Als er mir dann auch noch rät, aus Gründen der Eleganz lediglich die Fußspitzen auf die Fußrasten zu stellen und nicht den Mittelfuß, wird das Ganze zur Yogaübung. Allerdings stellt sich das, während wir die Autobahn stadtauswärts nehmen, als recht vorteilhaft heraus, denn ich sitze sehr hoch und kann in alle Autos hineingucken. Als wir mit Tempo 130 über eine Bodenwelle fahren, hüpfe ich hoch, als würde ich mit dem Mountainbike über eine Wurzel brettern. Obwohl sich der Sitz zuvor, beim probeweisen Eindrücken mit dem Daumen, halbwegs weich angefühlt hatte.

          Nach etwa 20 Minuten müssen wir tanken. Beim Absteigen bin ich so steif, als wäre ich zwei Stunden lang Mountainbike gefahren. Nölig beschwere ich mich, dass der Motor der Yamaha sich anhört wie der eines getunten Elektrorasenmähers: hell, harmlos und brav. Mein Fahrer sagt, dass die MT-07 immerhin die am zweit- oder dritthäufigsten verkaufte Maschine in Deutschland sei und oft als Fahrschulmotorrad benutzt werde. Und dass das ganz anders klingen werde, wenn wir gleich hochtourig durch die Kurven düsen werden. Wobei mein Wunsch nach Motorengebrüll reichlich klischeehaft sei.

          Bilderstrecke

          Hinter Usingen im Taunus geht es los: Die Autos auf der Landstraße wirken plötzlich wie dicke, träge Käfer, und wir sind jetzt eine schneidige Libelle, die sie umtanzt. Steil legen wir uns in die Kurven, und auf einmal macht mir meine Sitzposition gar nichts mehr aus, weil ich keine Zeit mehr habe, darauf zu achten. Dann ist irgendwas mit dem Straßenbelag, wir schießen über etwas hinweg, ein Ruckeln geht durch die ganze Maschine, und mein Sitz vibriert so schnell und heftig wie einer dieser automatischen Massagesessel, die für einen Euro eine Weile lang unter einem herumwackeln. Das macht wirklich Spaß, und als wir dann in einer Kurve auch noch mit dem Angstnippel am Asphalt kratzen, dem Metallstift unten an der Fußraste, der vor zu viel Schräglage warnt, habe ich mich mit der Yamaha versöhnt.

          Spätfolgen: Druckstelle an der Hüfte vom Protektor in der Lederhose.

          Satz nach vorn

          Wie ein dicker grüner Frosch wirkt die Kawasaki: extrem breite Brust, schlanke Taille, Hohlkreuz und ausladendes Hinterteil. Letzteres kommt mir zugute. Mein Platz, leicht erhöht, ist weitaus bequemer, als er aussieht: Ich sitze wie auf einem Stuhl, aber nicht aufrecht, sondern nach vorne gebeugt, mit den Unterarmen sehr weit vorne auf den Oberschenkeln abgestützt.

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