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52. Caravan Salon in Düsseldorf : Einstimmung auf den nächsten Urlaub

  • -Aktualisiert am

Angebot an ausgebauten Kastenwegen steigt

Es sind vielseitige Freizeitfahrzeuge mit Aufstelldach, sie bieten Schlafplätze, Küche und Schränke, aber keinen Toilettenraum. Dafür punkten sie mit personenwagenähnlichen Fahreigenschaften. Selbst Hymer, wo in einer ganz anderen Liga gespielt wird, will dieses Feld mit dem Ausbau eines VW Transporters besetzen. Der Plan wurde im Januar etwas großspurig als „Hochzeit“ angekündigt, hoffentlich war es keine Scheinehe, denn ob die angepeilte Kundschaft den „Cape Town“ für mehr als 55.900 Euro Morgengabe entgegennimmt, muss sich erst noch zeigen - zumal er nichts grundsätzlich Neues bringt. An dritter Stelle steht der gerade überarbeitete Sprinter von Mercedes, wir haben die ersten Ausbauten bei HRZ und La Strada (Nova, Regent) gesehen. La Strada hat zudem eine frohe Botschaft verkündet: keine Preiserhöhungen für die nächste Saison. Der Sprinter profiliert sich als sparsamster Transporter seiner Klasse und kann obendrein mit einer Palette von Sicherheits-Features aufwarten wie Personenwagen.

Am stärksten gewachsen ist das Angebot an ausgebauten Kastenwagen. Hier springen derzeit noch die letzten Hersteller auf den Zug auf. Das wird Pössl zu spüren bekommen, das Unternehmen, das mit Kastenwagen großgeworden ist und heute mehr als 2000 Exemplare im Jahr verkauft. Die Neu-Anbieter werden sich davon ein paar abzwacken, aber ob es sich rechnet, steht dahin. Denn jeder Kastenwagen ist wahrscheinlich ein Teilintegrierter weniger. Carthago, nach eigenen Angaben Marktführer bei Fahrzeugen oberhalb von 80.000 Euro, hat dazu eigens eine neue Marke gegründet und ihr den Namen gegeben, mit dem das Unternehmen vor 30 Jahren gestartet war: Malibu heißen die ausgebauten Ducato, sie kommen in den zwei gängigen Größen 5,99 und 6,36 Meter (Einzelbetten) von 39.900 Euro an. Auch Hymer hat Ducato-Ausbauten in allen drei Längen, mit fernwehtauglichen Namen wie Sydney, Rio oder Yellowstone.

Individuelle Holz-Mobile

Als eigene Kategorie tritt der Evan von Dethleffs an. Er sieht zwar aus wie ein Kastenwagen (Basis Ducato), ist aber keiner, und sein Innenleben ist einzigartig: Auf 5,65 Meter bietet das alltagstaugliche Gefährt ein unglaubliches Raumgefühl, und das bei einem Angebot von sechs Betten und vier Sitzplätzen. Aufstelldach, Hubbett, Heckklappe, herausnehmbares Mobiliar, Schränke aufs Nötigste beschränkt, der Ausbau hat nicht seinesgleichen. Nach ausgiebiger Marktforschung hat sich Dethleffs, wo bereits einige ungewöhnliche Projekte realisiert worden sind (Männermobil, Frauenauto), entschlossen, die vor eineinhalb Jahren gezeigte Studie in die Serie zu übernehmen, zu einem Basispreis von rund 79.000 Euro.

Als Beispiele für die Individualisierung stehen gleich zwei Fahrzeuge in Düsseldorf, die auf ganz spezielle Art mit Holz ausgebaut wurden. Das Chalet von Eura Mobil zielt auf Menschen, die schon immer eine Berghütte haben wollten und sie jetzt auf vier Rädern überallhin mitnehmen können. Das Ambiente sieht zwar frugal aus, ist aber gespickt mit Luxus und Komfort, ein verputzter Kamin ist der Mittelpunkt der Einrichtung, in der Holz, Schiefer, Leder, Filz und Butzenscheiben eine wunderbar rustikale Verbindung eingehen. Der Integra Line 670 SB hat sich dieser Verwandlung unterzogen. Das Chalet ist so oft zu haben wie gewünscht, im Gegensatz zu dem Unikat auf dem Stand von Luxusmobilhersteller Variomobil.

Biederes Wohnwagen-Image mit Kreativität aupoliert

Ein Holzliebhaber hat sich das Originalmaterial eines mehrere hundert Jahre alten Bauernhauses gesichert und es bei Harald Mix auf dem Hof abgeladen. Und der hat damit ein Luxusmobil ausgebaut, in dem man sich vorkommt wie in einem Bauernhausmuseum - wenn die moderne Technik nicht erkennbar wäre. Geld spielt bei solchen Liebhaberstücken keine Rolle. Wenn doch, gibt es ja noch das breite Angebot an Fahrzeugen, die deutlich unter 80.000 Euro bleiben. Die Grundrisse passen für jede Art von Besatzung, ob Paare oder Familien oder für Sportler mit hohem Stauraumbedarf. Das Gros bleibt unter einem Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen, so dass auch jüngere Leute damit fahren können.

Gerade weil Wohnwagen immer noch ein biederes Image haben, ist Knaus besonders zu loben für seine Studie, bei der ein Team aus Designern und Zulieferern der Phantasie freien Lauf lassen durfte. Das Ergebnis ist ein stromlinienförmiger Wagen, der von hinten aussieht wie ein Boot mit herabgelassener Badeplattform. Denn das Heck faltet sich auf zu einer Terrasse, auf der die Caravaner hoffentlich weiter schauen können als zum Nachbarn auf dem Campingplatz. Ganz in der Realität steht das Angebot von leichten Wohnwagen für kleine Zugfahrzeuge über die Familienkutschen bis hin zu luxuriösen, vor denen meist ein SUV steht.

Der Caravan Salon läuft noch bis zum kommenden Sonntag, täglich von 10 bis 18 Uhr.

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