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50 Jahre Range Rover : Als am Horizont das SUV erschien

Der aktuelle Range Rover IV ist so luxuriös wie nie, aber auch so geländetauglich wie jeher. Bild: Hersteller

Vor genau fünfzig Jahren bekam der Land Rover einen großen Bruder. Der luxuriöse Geländewagen ist längst eine Legende. Die erste Generation wurde 26 Jahre lang gebaut, die vierte wird bald ersetzt.

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          Im Juni 1970 wird in Mexiko eine bis heute unvergessene Fußball-WM gespielt, während im südwestlichen Zipfel Englands, in Cornwall, ein neuer Land Rover der Presse gezeigt wird. Der luxuriöse Off-Roader mit seiner zeitlosen Karosserie und feinem V8-Motor macht schnell von sich reden, gemeinhin gilt der Range Rover als Vorläufer der SUV-Welle. Er kommt in einer Zeit, in der sich die englische Automobilindustrie zu einem großen Konglomerat zusammengefunden hat, mit Ausnahme von Rolls-Royce und anderen Spezialisten wie Morgan (siehe Kasten). Kaum jemand hatte mit so einem durchschlagenden Langzeiterfolg gerechnet, selbst die Manager bei Rover nicht. Dabei spukte die Idee zu einem großen, geländefähigen Kombi einigen Rover-Ingenieuren schon seit 1965 durch die Köpfe.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Nach Testfahrten im November in Eastnor Castle – neben dem „Dschungel“ am Werk in Solihull „das“ Land-Rover-Testgelände – mit verschiedenen Geländewagen der Konkurrenz wird das Projekt konkreter. Den idealen Motor hatte man schon: einen kompakten 3,5-Liter-V8 von Buick, bei General Motors ausgemustert. Die Rechte dafür hatte Rover zuvor erworben, um die Maschine für die Rover-Personenwagen einzusetzen. Unter anderem war der kleine V8 im Buick Skylark verbaut worden.

          Weil während der Testfahrten ein Land Rover 88 mit Buick-Triebwerk so überzeugt, soll ein Prototyp her, und weil es schnell gehen muss, entwirft der damalige Rover-Chefingenieur Spen King kurzerhand den Wagen selbst. Die Design-Abteilung überarbeitet ihn nur etwas. Im Januar 1967 wird das erste 1:1-Modell dem Rover-Vorstand gezeigt, der gibt sofort grünes Licht. Während heute für die Entwicklung von gänzlich neuen Modellen Entwicklungskosten anfallen, die schnell die Milliarden-Euro-Grenze überschreiten, entsteht der erste Range Rover mehr oder weniger nebenbei während des laufenden Betriebs.

          Der dritte Range Rover ab 2002 hatte keine Starrachsen mehr und eine selbsttragende Karosserie. Bilderstrecke

          Es bleibt bei zwei Türen, weil so die Karosserie steifer ausfällt, es gibt permanenten Allradantrieb, selbstverständlich ein Untersetzungsgetriebe und ebenso damals noch selbstverständlich einen Leiterrahmen, der die Karosserie trägt, die aus einem mit Alublechen beplankten Stahlblechskelett besteht. Die Heckklappe ist horizontal geteilt, bis heute blieb das so, bei allen Nachfolgern. Schraubenfedern an den beiden starren Achsen und eine automatische Niveauregulierung an der Hinterachse sorgen für guten Fahrkomfort, die gute Übersichtlichkeit durch die großen Glasflächen und die schlanken Fenstersäulen trägt gleichfalls zum überlegenen Fahrgefühl bei. Gebremst wird mit vier Scheiben. Das Viergang-Getriebe ist neu, eine Automatik wird nicht angeboten, die kommt erst zwölf Jahre später. Der V8-Motor ist mit seinen 135 PS gut genug für eine Spitzengeschwindigkeit von 160 km/h, damals noch ein Wort, auch auf deutschen Autobahnen. Großbritannien hatte schon 1968 ein Tempolimit eingeführt. Dass bei hohen Geschwindigkeiten mehr als 20 Liter Benzin auf 100 Kilometer durch den Doppelvergaser laufen, stört 1970 noch niemand. Und selbst bei moderater Fahrweise ist es kaum zu schaffen, den Verbrauch unter 16 Liter zu drücken.

          Range Rover heißt der neue Wagen seit Dezember 1968, bis dahin war immer schlicht vom 100-Inch-Station-Wagon die Rede. Die 100 Inch beziehen sich auf den Radstand von 2,54 Meter. Auf das erste 1:1-Modell hatte man noch Road Rover geschrieben (ein Prototyp aus den fünfziger Jahren), schließlich wurde aus dem Vorschlag „Land Rover Ranger“ schlicht Range Rover. Tom Barton, damals Chef-Techniker bei Land Rover, sorgt dafür, dass später jeder Wagen mit einem Emblem „By Land Rover“ ausgeliefert wird.

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