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50 Jahre BMW Touring : Ein Kombi mit heißem Herzen

Vom Kombi mit dem heißen Herzen wusste die F.A.Z. am 16. August 1972 zu berichten, nachdem der 2000 tii Touring von Gerold Lingnau, damals Ressortleiter „Motor“, gefahren worden war. Die Unterzeile „Geräumig wie ein Coupé, schön wie ein Lieferwagen – aber schnell wie ein BMW“ zeigt die Widersprüche des Modells auf. Der 2000 tii war das Topmodell mit erstaunlichen 130 PS, was bei einem Gewicht von nur gut einer Tonne für die damalige Zeit formidable Fahrleistungen brachte. In der Spitze fuhr der stärkste Touring 190 km/h. Die F.A.Z. meinte dazu, nur 100 km/h zu fahren sei ein schlechter Witz und der Wagen sei nichts für charakterschwache Menschen. Der Spurt von 0 auf 100 km/h gelang in 9,5 Sekunden, schneller war im Jahr 1972 kein Auto, das die F.A.Z. getestet hatte. Der Durchschnittsverbrauch belief sich im Übrigen auf 11,4 Liter Super auf 100 Kilometer.

Gar nicht gefallen konnte das Interieur: „Jedes billige Fiat-Coupé ist schöner“, wird resümiert, und im Fond sei es sehr eng. Das zumindest können wir 49 Jahre später bestätigen, nach zwei Tagen und knapp 600 Kilometern in einem BMW 1802 Touring aus dem Baujahr 1973. Das Interieur sieht man heute natürlich nostalgisch verbrämt, es ist einfach schön, so wie es ist. Statt eines Drehzahlmessers gesellt sich zum Tacho eine riesige Zeituhr, alles ist wunderbar frugal, der Blinkerhebel ist rechts, links der Hebel fürs Fernlicht, so war es halt damals. Wenn das Mono-Radio Oldies auf Bayern 1 plärrt und man durchs Voralpenland cruist, ist die Zeitreise perfekt. Die kleinen Dreiecksfenster auf, schon braucht man keine Klimaanlage mehr. Klar, es gibt nur vier Gänge (auf Wunsch waren fünf möglich), 90 PS aus 1,8 Liter Hubraum können sich unglaublich spritzig anfühlen.

Der Wagen gehört zum Fuhrpark von „BMW Classic“, er ist keine 15.000 Kilometer gelaufen und in einem sehr guten Zustand. Nur die 48 Jahre alten Sitze sind nicht mehr die besten, statische Dreipunktgurte sind besser als keine. Die Gurtpflicht wurde in Deutschland West erst 1976 eingeführt, vier Jahre später auch in der damaligen DDR. Zurück zum Touring: Das Fahr- und Federungsverhalten ist dank Einzelradaufhängung rundum mehr als passabel, die Lenkung muss ohne Servo auskommen, was bei einem leichten Auto aber kein großes Problem darstellt. In der Spitze sind gut 160 km/h möglich, aber ein altes Auto scheucht man heute nicht mehr. Dieser Touring hatte 1973 11.460 D-Mark gekostet, der 2000 tii mit der mechanischen Kugelfischer-Einspritzung war 1972 mit 14.415 D-Mark wesentlich teurer.

Dann aber als echter Kombi

Heute kosten gute Exemplare eines Touring mindestens 15.000, eher 20.000 Euro. Wem es nur um die Nostalgie geht, der kann sich nach einer Limousine umschauen, die sind zahlreicher und etwas günstiger, mit Ausnahme des 2002 turbo. Kühlschränke transportiert man in seinem Oldtimer ja eher selten. Die 114-Baureihe wurde 1975 von der 3er-Reihe abgelöst, nur die 1502-Sparversion mit 1,6 Liter Hubraum und 75 PS, eine Reaktion auf die Ölkrise, durfte aufgrund der großen Nachfrage noch bis Ende August 1977 weiterleben. Obwohl man beim 3er zumindest mit einem schrägen Heck in der Planungsphase gedanklich gespielt hatte, sollte es dann bis 1987 dauern, ehe der Touring reüssieren sollte. Dann aber als echter Kombi. Heute ist in der 3er-Reihe in Deutschland jeder zweite ein Touring und nicht nur jeder zehnte.

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