https://www.faz.net/-gy9-81lga

50 Jahre Alpina : Die kultivierte Kraft aus dem Allgäu

  • -Aktualisiert am

Etwas mehr: Der BMW Alpina B6 Bi-Turbo der Edition 50 profiliert sich zur Feier des Tages als limitiertes Sondermodell mit einem 441 kW (600 PS) starken V8-Triebwerk Bild: Archiv Günther

Feine BMW-Modelle mit besonderer Note: Alpina wird 50 Jahre alt. Der Startschuss zu dem, was heute gefeiert wird, fiel freilich schon früher.

          Alles beginnt mit einem „italienischen Abenteuer“. Burkhard Bovensiepen, Jahrgang 1936, legt sich Anfang der Sechziger einen Fiat 1500 zu, der seiner Ansicht nach ein paar PS mehr vertragen könnte. Also sucht er einen Tuning-Spezialisten in Italien auf, der mit „schärferer“ Nockenwelle und einem Weber-Doppelvergaser die Leistung seines Autos von 67 auf 75 PS trimmt.

          Leider endet die forsch angegangene Rückfahrt ins heimatliche Kaufbeuren ernüchternd: Noch auf der Autostrada zwischen Turin und Mailand - unser junger Freund überholt gerade einen Lancia - fliegt ihm der aufgemotzte Motor seines Fiats um die Ohren. Das zunächst so unerfreuliche Erlebnis wird zur Initialzündung, zum kleinen Urknall: „Mir wurde klar, dass Tuning - in Form beliebiger Anbaukits für mehrere Marken - nicht funktionieren kann“, erinnert sich Burkard Bovensiepen noch Jahrzehnte später.

          Erfinder klemmt Werbeblätter unter Scheibenwischer

          Er macht es besser. Als Ausgangspunkt dient ihm der im September 1961 vorgestellte BMW 1500, dessen kurzhubig ausgelegter Vierzylinder dank obenliegender Nockenwelle und Querstromkopf 80 PS bei 5700 Umdrehungen in der Minute leistet. Bovensiepen, mittlerweile selbst mit einem solchen Vertreter der „Neuen Klasse“ unterwegs, erkennt sofort das Potential des 1,5-Liter-Treibsatzes für gezielte, seriöse Leistungssteigerung.

          Er zögert nicht lange. Gemeinsam mit dem Institut für Motorenbau von Eugen W. Huber (München) konzipiert er aus zwei Weber-Doppelhorizontalvergasern vom Typ 40 DCOE-2, doppelten Ansaugrohren, einem großen Nassluftfilter samt anderem Gasgestänge eine „Vergaserfabrik“, mit der die Leistung des BMW-Motors auf 90 PS klettert. In einer Ecke der väterlichen Alpina-Büromaschinenwerke in Kaufbeuren gefertigt, kostet die Anlage 980 Mark inklusive Montage. Um ihren Verkauf anzukurbeln, klemmt er eigenhändig Werbeblätter unter die Scheibenwischer von geparkten BMW 1500ern.

          Startschuss: So präsentierte sich Alpina 1978 mit dem B7 Turbo

          Kopf oder Zahl, hopp oder topp: Bei Alpina würden heute kaum die Korken knallen, wäre dieses Erstlingswerk von Burkard Bovensiepen gescheitert. Aber die qualitativ hochwertige „Vergaserfabrik“ verkauft sich bestens, sie wird von den Bayerischen Motoren Werken mit der Freigabe (bei voller Werksgarantie) geadelt - und schafft so das Fundament für die bis heute enge Zusammenarbeit mit BMW. Aus gutem Grund symbolisieren die Ansaugtrichter im Firmenlogo (neben einer Kurbelwelle) jene Zwei-Vergaser-Anlage, mit der alles begann.

          Kurze Zeit später wird der väterliche Betrieb verkauft, der Junior muss sich neu orientieren und gründet die Alpina Burkard Bovensiepen KG in Kaufbeuren. Das passt gut, da der kleine Betrieb mit seinen acht Mitarbeitern beständig wächst - im Gleichklang mit BMW, sozusagen: Für immer neue Modelle aus München bietet Alpina ein immer breiteres Programm sportlichen Zubehörs, das bald mit Lederlenkrädern und Schalensitzen, mit Fahrwerkskits und Zylinderköpfen, selbst entwickelten Rennmotoren und schließlich mit kompletten Wettbewerbsfahrzeugen lockt.

          Einer von 99: Der auf Wunsch in Rennoptik erhältliche BMW Alpina B6 GT3 von 2012

          Zum Glücksfall für BMW wie für Alpina avanciert die 1966 eingeführte 02-Baureihe, die unser Bild von der kompakten, zweitürigen Sportlimousine prägt. Und die sich zügig anschickt, auf Landstraßen wie Autobahnen den Ruf des BMW-Fahrers zu ruinieren. Alpina, bereits mit Privatfahrern erfolgreich, greift ab 1968 aktiv mit eigenen Werkteams ins motorsportliche Geschehen ein. Eine atemraubende Siegesserie beginnt, mit Akteuren wie den beiden späteren Formel-1-Weltmeistern Niki Lauda und James Hunt, mit Jacky Ickx und Hans-Joachim Stuck. Allein 1970 gewinnen BMW und Alpina mit 02-Modellen und dem 2800 CS den Tourenwagen-Europapokal sowie sämtliche deutsche Meisterschaften - auf der Rundstrecke, bei Rallyes und bei Bergrennen. 1977 erfolgt der Rückzug vom Motorsport, um 1987, 2009 und 2012 mit eigenen Werksautos abermals an den Start zu gehen.

          Weitere Themen

          Intelligent gelöst

          Schlusslicht : Intelligent gelöst

          Er reicht nicht, keine Ahnung zu haben, man muss auch auf den Mond schauen. Dann ergibt sich die künftige Klimasteuer fast von selbst.

          Drinks mit KI Video-Seite öffnen

          Roboter ersetzt Barkeeper : Drinks mit KI

          An der Roboter-Bar in Prag werden die Drinks über einen Touchscreen bestellt. Dabei stehen 16 Cocktails zur Auswahl. Die Maschine schafft bis zu 80 Cocktails pro Stunde.

          Minimaler Stromschlag

          Mini Cooper SE : Minimaler Stromschlag

          Mini schickt sich an, ein vollelektrisches Modell auf den Markt zu bringen. 200 Kilometer Reichweite für 32.500 Euro – da darf man maximal gespannt sein.

          Topmeldungen

          FAZ Plus Artikel: Erstes Zeitungsinterview : AKK stellt sich vor ihre Soldaten: „Kein Generalverdacht“

          In ihrem ersten Zeitungsinterview als Verteidigungsministerin spricht Annegret Kramp-Karrenbauer über ihr Verhältnis zum Militär, über das Vermächtnis der Männer des 20. Juli und über den Lieblingspulli ihrer Teenagerzeit. Auch in kritischen Zeiten werde die Truppe ihr Vertrauen genießen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.