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50. Internationaler Caravan Salon : Wir sind dann mal weg

  • -Aktualisiert am

An Deck statt am Haken: Wem es zu langweilig wird, geht aufs Wasser - samt Caravan „Nemo” Bild: Monika Schramm

Wohnwagen und Reisemobile werden immer schöner, individueller, sparsamer und dabei kaum teurer. Das Motto des Jubiläumssalons bringt es auf den Punkt: „50 Jahre Freiheit erleben“.

          Das wird ein Fest: Nach überstandener Krise feiert die Branche sich, ihre Kunden, ihre Produkte und den Caravan Salon. Er hat sich seit seiner Premiere im Jahr 1962 in Essen zur größten Messe der Welt für Freizeitfahrzeuge und Caravaning entwickelt, befeuert durch den Umzug aufs Düsseldorfer Messegelände vor 17 Jahren. Damit hatte sich die Branche vom Korsett befreit, das sie im räumlich begrenzten Essen eingeengt hatte. Und in diesem Jahr zeigen rund 580 Hersteller auf dem 50. Salon, was Caravaner wünschen. Oder wünschen sollen, denn diese Kundschaft ist traditionell etwas konservativ, allen Visionen und modernen Angeboten zum Trotz. Dennoch sind immer wieder verrückte Ideen zu bestaunen, vor denen sich die Besucher drängen, aber nur, um danach fachmännisch zu begründen, warum das gar nicht geht.

          Das Angebot wird immer vielfältiger, selbst für Kleinwagenfahrer gibt es die passenden leichten Wohnwagen, und in die Garagen der größten Mobile passen mittlerweile satte Mittelklasseautos. Zwischen diesen beiden Extremen spielt die Musik bei Kastenwagen und Teilintegrierten, die Grundrisse sind immer genauer auf die Bedürfnisse von Paaren oder Familien abgestimmt, und wenn es dem Caravaner an Land zu langweilig wird, dann geht er mitsamt seinem Fahrzeug aufs Wasser. Auch dafür gibt es in Düsseldorf mehrere Lösungen zu bestaunen.

          Caravaning bedient die großen Tourismus-Themen der heutigen Zeit, wie die neuesten Untersuchungen ergeben: Gesundheit, Wellness, Mobilität, Globalisierung, Individualisierung und etliche weitere, die von den Forschern als „Megatrends“ identifiziert werden. Da reibt sich Holger Siebert, Geschäftsführer von Eura Mobil, die Hände, denn genau diesen Zug der Zeit bedient er seit geraumer Zeit mit seinen Wellness-Wohnmobilen: Sie enthalten orthopädische Gesundheitsmatratzen mit Massagefunktionen, und die nächste Stufe privater Wellness im eigenen Fahrzeug ist eine Infrarotkabine für zwei im Heck des fast neun Meter langen Spa-Mobils Integra.

          Hochgeklappt: Im Chausson Sweet sitzt man bei offener Seitenwand fast im Freien

          Erstaunlich, was Spacecamper mit einem T5 anstellt

          Eine Weltneuheit ist der Frankia I 8400 auf Mercedes-Benz Sprinter mit Alko-Tandemchassis, der es auf ein Gesamtgewicht von sechs Tonnen bringt. Diese Tonnage wird es ein Jahr lang exklusiv nur bei Frankia geben, für mindestens 114.600 Euro. Für solche Gewichte muss man ansonsten den Iveco Daily einsetzen, der vom Komfort eines Sprinters ein gutes Stück entfernt ist. Dafür reicht der Daily bis 7,5 Tonnen, und die braucht Carthago für seinen neuen Mega Liner de luxe. Auffallend an der Karosserie sind die völlig plan eingesetzten isolierten Reisebusklappen, die parallel hochschwingen und bequemes Laden ermöglichen. Die Ausstattung und die technischen Besonderheiten sind beeindruckend, nicht umsonst hat Carthago sich in Europa einen Marktanteil bei Integrierten von 17 Prozent erarbeitet. Setzt man den Mega Liner auf ein MAN-Chassis, darf man sogar ein Auto mit an Bord nehmen - Premiere bei Carthago. Das ist gar keine Frage bei einem der aufwendigsten Fahrzeuge auf dem Salon, dem Performance II von Volkner. Der hat ein Volvo-Busfahrgestell und nimmt dank hydraulischen Stützen locker einen 911er oder einen Audi R8 an Bord, den er sich auf einer Plattform von der Seite her reinzieht. Zusätzlich kann er auf der gegenüberliegenden Seite ein Wall-out von unglaublichen zehn Metern ausfahren, und das bei einer Gesamtlänge von zwölf Metern. Das 18-Tonnen-Mobil lässt keine Wünsche offen, weil es nur nach Käufervorstellungen gebaut wird. Man sollte mindestens eine Million Euro gespart haben, der Salon-Typ kommt auf eineinhalb.

          Diese Art Fahrzeug ist genauso exotisch wie die martialischen Expeditionsmobile, die das Fernweh des gemeinen Campers anregen. Dem gibt er sich dann doch wieder in seinem „normalen“ Mobil hin. Etwa in einem Kastenwagen von La Strada: Der Fano ist einer der wenigen ausgebauten Renault Master. Der Transporter ist für Mobilisten interessant, die einen schweren Anhänger ziehen wollen. Da ist Hinterradantrieb von Vorteil, und der ist bei Renault deutlich billiger als beim Sprinter. Westfalia, von Anfang an auf dem Salon, feiert sein eigenes Jubiläum - 60 Jahre Campingbus - mit einem Ausbau des Mercedes-Benz Viano. Er heißt Jules Verne und wird (mit zwei festen Einzelbetten und Toilette) in 60 Exemplaren entstehen. Nach dieser Edition 60 wird der Jules Verne dann in Serie auf dem Vito gebaut, nicht ganz so üppig ausgestattet. In Sachen Innovation beim T5-Ausbau schießt seit einigen Jahren das junge Unternehmen Spacecamper den Vogel ab. Diesmal zeigt es einen Bus mit Flügeltür auf der linken Seite, aus der man den Küchenblock ins Freie heraus schwenken kann. Auch dieser T5 quillt über von praktischen Ideen, man braucht Zeit, um sich alles vorführen zu lassen. Erstaunlich, was Spacecamper mit einem T5 anstellt.

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