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30 Jahre Seat Ibiza : Vier Versuche für ein Olé

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Generation 1 und 4 im Vergleich. Das kürzlich erfrischte Seat Ibiza Design wirkt wie ein gut gekühlter Cava am Strand – und du fühlst den Sand zwischen den Zehen. Bild: Hersteller

Was wären die Spanier ohne ihren Ibiza? Der junge Iberer wird 30. Mit der vierten Generation bringt Seat Schwung in ihre erfolgreiche Baureihe.

          3 Min.

          Seat war schon immer die schwierigste Marke im VW-Verbund. Denn Audi wurde nobel und sportlich, Śkoda macht auf tüchtig und sportlich, Bentley und Lamborghini definieren sich edel und sportlich selbst, Volkswagen kann alles, und wie sieht das Bild von Seat aus, in einem spanischen Heimatmarkt, in dem die Helden sich nicht mehr in die Arena trauen? Seat weist nämlich dort Defizite auf, wo es nicht um Technik und Preis, sondern um Herkunft und emotionalen Inhalt, um Image und Status geht. Keine leichte Aufgabe, vor allem für das Design.

          In diesen Tagen jährt sich die Anwesenheit des Seat Ibiza. 30 wechselvolle Jahre erlebten die bisher vier Modellreihen: Der Seat mit dem Namen der lebenslustigen Insel kam im Juli 1984, wurde streng eingekleidet von Giorgio Giugiaro, und seine erste Generation war zwar eine spanische Entwicklung, aber noch eng verbunden mit Fiat-Technik.

          1984: Der erste Ibiza von Seat, gezeichnet von Giorgio Giugiaro.

          1986 übernahm Volkswagen den spanischen Staatsbetrieb, und der zweite Ibiza, im Jahr 1993 wieder von Giugiaro gezeichnet, war schon eine komplette VW-Entwicklung. Mit der von 2002 an gestarteten dritten Generation begann der Aufstieg von Walter de Silva, und der Ibiza basierte auf dem VW Polo und erhielt 2006 ein Facelift, bevor im Mai 2008 die vierte Generation auf den Markt kam.

          Vor 12 Jahren kam der Dämpfer für das Design

          Mit den Linien vom damaligen Chefdesigner Luc Donckerwolke entwickelten sich Gegenwart und Zukunft für den Ibiza. Denn der aktuelle Designchef Alejandro Mesonero-Romanos schärft seit der Modellpflege im Frühjahr 2012 schon die Griffel für das neue, das fünfte Leben des Ibiza. Und er übernimmt und führt eine Designsprache fort, die den Ibiza und die gesamte Marke bewegen könnten. Zumindest sollten die Fehler der Vergangenheit vermieden werden.

          Die GTI-Variante der zweiten Generation: eine komplette VW-Entwicklung.

          Denn bei Seat (und in der VW-Konzernspitze) war über Jahre hinweg nicht zu erkennen, dass die Bedeutung des Ibiza erfasst wurde. Zwischen 40 und 50 Prozent der Seat-Stückzahlen hingen allein am Ibiza. Selbst der spätere VW-Stardesigner Walter de Silva ließ den dritten Ibiza recht brav aussehen, sicher im Stil zwar, aber rundlich, besonders vorn, wie ein Stück Seife, eher unverbindlich höflich, als herausfordernd unangenehm für die Konkurrenz. Immerhin setzte de Silva auf etwas breitere, ausgeformte Radhäuser, und das Heck geriet zum Meisterstück abschließender Harmonie.

          Vorn wie ein Stück Seife, eher unverbindlich höflich, als herausfordernd unangenehm: die dritte Generation des Ibiza von Designer Walter de Silva

          Der ersehnte formale und sportliche Aufstieg der südlichen Marke erhielt Ende 2002 einen Dämpfer: der Ibiza kam mit einem separaten Kofferabteil im Stufenheck und mutierte zum rundlich-klobigen Córdoba. Kein begehrenswertes Auto für die neue Frischwärts-Generation. Aber mit einer 485-Liter-Höhle von Kofferraum. Doch auch mit dem Stufenheck-Prestige aus der Vergangenheit.

          Die junge Käuferschicht fordert mehr Mode und Coolness

          Da wurde vor zehn Jahren ein tiefer Mangel an Selbstvertrauen und an spanischer Identität deutlich. Seat war auf der Suche nach sich selbst, es gab Studien als Wegweiser in die Zukunft, alle wollten aufbrechen, aber keiner wusste so recht, wohin und womit.

          Den südlichen Orientierungsschwierigkeiten bereitete die vierte Ibiza-Generation ein Ende: Im Frühsommer 2008 erhitzte ein neuer Ibiza den Markt, scharf auf Kante gebügelt, fast ungehörig heiß in der Frontpartie und mit kecken Kanten in den Flanken und über den Radhäusern. Entworfen in der Designzeit von Luc Donckerwolke bei Seat, der nach mehreren Stationen im VW-Konzern (Lamborghini!) in Spanien neuer Chef der Formen wurde.

          Sein Ibiza zündete die zweifelnde Marke endlich in die richtige Richtung, und nach dem Start mit der viertürigen Heckklappen-Version klopfte die neue SC-Variante mit zwei Türen und Coupé-Anmutung den Staub der vorherigen Ibiza-Auftritte aus der Modellreihe. Es war beinahe schon die vorletzte Chance. Eine jüngere Generation von Käufern forderte mehr Mode und mehr Coolness vom Ibiza, und um ihn herum waren die schicken Alfa Mito und neuen Ford Fiesta unterwegs.

          Der neue Seat Ibiza – wie gekühlter Cava am Strand

          Der neue Ibiza der Jahre 2008/2009 fuhr mitten in ein automobiles Bewusstsein hinein, das von Supermodels, den täglichen Laufstegen des Boulevards und dem aufkommenden Internet im Auto gespeist und immer stärker dominiert wurde.

          Noch 2014, sechs lange Design-Jahre nach seinem Debüt, wirkt der Ibiza in seiner kürzlich erfrischten vierten Generation wie gut gekühlter Cava am Strand mit Sand zwischen den Zehen. Wenn er in Licht und Schatten zwischen Oleander und Olivenbäumen bewegt wird, gibt es wenig Zweifel an seiner Herkunft: Mit ihm ist Seat bei sich selbst angekommen.

          Strenge Linien: Die frischeste Auflage des Seat Ibiza

          Und der Ibiza wird flankiert vom neuen León, dessen Kanten in den Flanken wie Klingen sind. Offensichtlich hat der seit 2011 in Barcelona zeichnende neue Seat-Designchef Alejandro Mesonero-Romanos die Marke ebenso begriffen wie sein belgischer Vorgänger. Seat ist mit dem aktuellen Ibiza dort, wo die Marke immer hin wollte: in der Welt der europäischen Jugend.

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