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16. Techno Classica in Essen : "Das ist hier fast schon wie auf der IAA in Frankfurt"

Inzwischen ein Klassiker, erst recht als Feuerwehrauto: der erste Ford Escort Bild:

Die größte Klassikermesse der Welt war zu Gast in Essen. Wer es dieses Jahr nicht geschafft hat, an den Grugapark zu kommen, sollte sich dies fürs nächste Jahr fest vornehmen.

          3 Min.

          Für vier Tage war die größte Klassikermesse der Welt zu Gast in Essen. Seit nun fünfzehn Jahren lockt die Techno Classica im Frühjahr die Oldtimer-Welt an den Grugapark. Nirgendwo in der Welt gibt es auf einem Fleck so viele Oldtimer auf einmal zu sehen; rund 2500 waren es dieses Jahr, und die allermeisten davon konnte man sogar kaufen.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Doch die wenigsten der mehr als 100000 Besucher kauften tatsächlich. Man kommt zum Schauen, und da kann sich der Oldtimer-Liebhaber wahrlich satt sehen. Mehr als 110000 Ouadratmeter galt es inzwischen abzulaufen, und wenn es an der Techno Classica etwas zu kritisieren gibt, ist es die Größe. "Das ist ja schon wie auf der IAA in Frankfurt", hörten wir einen Besucher stöhnen. Recht hat er. Zudem sind die Essener Hallen einfach unübersichtlich. Man muß ständig den Plan in die Hand nehmen, sonst verläuft man sich.

          Dieses Jahr hatte die Messe zum zweiten Mal vor der eigentlichen Eröffnung (am Donnerstag) ein sogenanntes Preview vorgeschaltet, mittwochs von 15 bis 21 Uhr. Dafür brauchte es ein Premium-Ticket für 30 Euro (sonst 16 Euro, Kinder bis 6 Jahre frei, bis 15 Jahre 8,50 Euro). Das Premium-Ticket war nur zum Teil eine gut angelegte Investition, weil rund zwei Drittel der kleinen Stände (rund 1000 Aussteller insgesamt) einfach nicht belegt oder noch nicht fertig waren. Was zum großen Teil den Flair der Messe ausmacht, also das Sichverlieren in den Details an den unzähligen Automobilia-Ständen, konnte nur zum Teil erlebt werden. Auch die rund 130 Stände der Clubs waren meist verwaist.

          Satt sehen konnte man sich freilich auch am Mittwoch. Fast alle großen Aussteller waren mit den Vorbereitungen fertig, und es ist augenfällig, wie stark sich die Autohersteller von heute auf der Techno Classica engagieren. Bis auf Ford (vertreten aber durch Clubs) waren alle deutschen Hersteller in Essen. Sie zeigten, was sie bisher Schönes gebaut haben. Daß aber auch brandneue Modelle neben ältere gestellt wurden, ist nicht unbedingt Sinn einer Oldtimer-Messe, denn neben den Formen eines Renault Floride kann ein Renault Mégane Cabrio nur alt aussehen. Und ein BMW 645 Ci wirkt schon neben einem Z8 deplaziert. BMW hatte für sich und 20 Clubs (inklusive Glas und Mini) die gesamte Halle 12 und Teile der Halle 11 gepachtet.

          Kaum kleiner waren die Auftritte von Audi und VW (nebst Skoda), schließlich sollten 30 Jahre VW Golf gefeiert werden. Porsche war sich nicht zu schade, auf seinem Areal auch einen der fast vergessenen Traktoren zu zeigen (von 1956 bis 1963 baute Porsche rund 120000 Ackerschlepper). Daimler-Chrylser zeigte Mercedes-Benz, Maybach und Chrysler, nur der Smart muß noch eine Weile warten, bis er nach Essen darf. Doch nicht nur die deutschen (auch Opel mit eigenem Stand) Hersteller wissen, daß Traditionspflege wichtig ist, auch die Importeure engagieren sich immer mehr. Citroën und Peugeot waren vertreten, da durfte Renault nicht fehlen. Im übrigen war nur noch Volvo "offiziell" in Essen. Aus Schweden hatte man unter anderem den seltensten aller Volvos, den P 1900, mitgebracht. Das Kabriolett mit der Kunststoff-Karosserie wurde in den fünfziger Jahren nur 67mal gebaut.

          Aber Essen ist nicht nur Schau-, sondern auch Kaufmesse. Für die europäischen Unternehmen, die mit hochwertigen Klassikern handeln, ist die Schau eine Pflichtveranstaltung. Zum Teil waren die Fahrzeuge schlichtweg überrestauriert, sahen also wie Neuwagen aus, und die Preise, die aufgerufen wurden, ließen Otto Normalverbraucher die Luft anhalten, 50000 Euro sind wenig. Um nur ein Beispiel zu nennen: 79000 Euro kostete ein Mercedes-Benz 600 (ein kurzer von 1965), der einstmals dem Modeschöpfer Jean-Paul Gaultier gehörte.

          Da war man schon froh, wenn man zwischen den Hochklassikern einen hübschen Opel GT im Originalzustand für 13900 Euro entdeckte. Die vermeintlich wahren Schnäppchen fanden sich freilich unter freiem Himmel, traditionell auf dem Innenhof zwischen - und jetzt auch neben - den Hallen. Das günstigste Angebot, das wir am Mittwoch erspähten, war ein 20 Jahre alter BMW 723i mit einer angeblichen Laufleistung von 182000 Kilometern. Er sollte nur 1800 Euro kosten und dürfte verkauft worden sein. Neben relativ "sicheren" Käufen wie einem gleichfalls 20 Jahren alten Mercedes-Benz 230 CE für 4500 Euro fanden sich auch echte Exoten wie ein Jensen GT, der in den siebziger Jahren nur 510mal gebaut worden war. 9500 Euro waren gefordert. Richtig große Auswahl hatte man, wenn man einen Porsche 911 oder einen Mercedes-Benz SL (die Pagode) erstehen wollte. Mindestens jeweils ein Dutzend waren zu haben, wobei bei Porsche die Preise gewohnt hoch waren. Beim SL differierten die Preise stärker. Ein Privatanbieter offerierte seinen Wagen für 19500 Euro, andere verlangten 49990 Euro, ohne daß äußerlich große Erhaltungsunterschiede auszumachen waren. Feuerwehrautos in vollem Ornat werden offenbar auch immer beliebter. Ein Opel Blitz von 1959 ("Die rote Lilly") war für 9500 Euro zu haben. Wem das alles zuviel war, der konnte sich an einem der Modellauto-Stände gütlich tun. Wir haben einen Jeep Grand Wagoneer mit nach Hause genommen. Im Rucksack. Gekostet hat er 79 Euro. Nagelneu.

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