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12. Moskauer Motorshow : Der Russe fährt gern schnell

  • -Aktualisiert am

Nicht nur für die flotten Russen: Der neue Audi RS 6 Bild:

Die Moskauer Auto-Messe ist keineswegs grün angehaucht wie die vorige Frankfurter IAA. Der russische Mensch fährt schnell und aggressiv. Audi zeigt den neuen, überarbeiteten A6. Die bekannten Anbieter aus Japan nutzen die Messe als Premieren-Schau.

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          In Moskau lebt es sich ganz nah am Rand des Chaos. Der Straßenverkehr der Zehn-Millionen-Stadt erlebt seinen täglichen Kollaps pünktlich zu Beginn des Berufsverkehrs, erst in den späten Abendstunden genießt der Patient eine kurze Phase des Genesens.

          Auf der Stadtautobahn stauen sich derweil Lastwagen, Limousinen und vor allem die bei den Moskowitern so beliebten SUVs am modernen Messegelände entlang, in dessen Hallen noch bis zum 7. September die zwölfte Moskauer Internationale Automobilschau gastiert. Mit Protagonisten und Plagiatoren aus nahezu allen Ländern, die in der Auto-Welt etwas bedeuten. Kraftvoll ist der Auftritt der deutschen Marken, verspielt der jener aus Italien und Frankreich.

          Der russische Mensch fährt schnell und aggressiv

          Zurückhaltend gibt sich Amerika, laut dagegen und beherzt spielt China auf, die bekannten Anbieter aus Japan nutzen die Auto-Messe als Premieren-Schau. Die heimischen Marken sollen nicht vergessen werden: In eigener Halle zeigt Lada ein schickes SUV, das Wesenszüge von Opel Antara und Ford Kuga bündelt. Die russische Marke aus Togliatti will damit wieder bei den wohlhabenden Bürgern in den Städten punkten, die sich mit den meist hausbackenen Formen der heimischen Angebote längst nicht mehr zufriedengeben. Die klassische Stufenheckform, versehen mit barocken Rundungen, findet sich so auch an einer angeblich neuen Limousine von Wolga, die fröstelnd an die Zeiten des Kalten Krieges erinnert. Etwas mehr verspricht die Wolga-Kooperation mit Chrysler, die den betagten Sebring flugs unter dem Namen Wolga Sibir auf die meist schlechten Straßen bringt.

          Nicht nur für die flotten Russen: Der neue Audi RS 6 Bilderstrecke

          Lada denkt außerdem an neue Energien und zeigt eines der wenigen Automobile mit Erdgas-Betrieb. Davon hat Russland schließlich reiche Vorräte. Doch ist die Moskauer Auto-Messe keineswegs grün angehaucht wie die vorige Frankfurter IAA, der russische Mensch fährt schnell und aggressiv, ein Liter Benzin kostet etwa 60 Euro-Cent, an jeder Ampel treten die Fahrer im Kurzstreckenrennen bis zum nächsten Stopp das Gaspedal durchs Bodenblech. Erlaubt sind, wenn es denn mal geht, 60 km/h im Stadtverkehr, und manchmal steigt das Tempo auf mehr als 100 Sachen, wenn nur die richtigen Rivalen aufeinandertreffen.

          Wie sich der Touareg im Yachthafen besser macht

          Der Neuheiten-Gehalt der Messe ist beträchtlich. Audi führt zwei Welt-Premieren an und zeigt den A6 in einer stilsicheren Überarbeitung mit betonterem Kühlergrill, neuen, sparsameren Motoren und kleinen Modifikationen des Fahrwerks. Außerdem präsentiert die Vier-Ring-Marke dem leistungsverliebten Publikum den RS 6 in Limousinenform, wie schon im Avant liefert der V10-Biturbo-Benziner 426 kW (580 PS) und brachiale 650 Newtonmeter Drehmoment.

          VW – man baut gerade an einer ersten Produktionsstätte im Südwesten Moskaus, wo bislang nur eine Montage siedelt, um dort den SUV Tiguan und den Skoda Octavia zu produzieren – studiert gemeinsam mit der Marine-Modemarke „North Sail“, wie sich der Touareg im Yachthafen besser macht. Decks-Teak und weiße Intarsien geben dem muskulösen Trailer-Schlepper ein wahrhaft maritimes Oevre.

          Die Schwestermarke Skoda stellt zum ersten Mal das Spitzenmodell des neuen Superb mit Allradantrieb und 3,6-Liter-V6 aus, das serienmäßige Sportfahrwerk und 18-Zoll-Räder nehmen dem Tschechen-Cleverle nichts von seiner Eleganz.

          Die Weltpremiere des neuen Pajero Sport

          Renault führt den Symbol an, eine Stufenheckversion des Clio, die vor allem für die Märkte östlich der Elbe vorgesehen ist. Der Wagen wird von einem 1,4-Liter-Vierzylinder mit 72 kW (98 PS) angetrieben und ist von nur geringer Hässlichkeit. Weit visionärer tritt Mazda in Russland an. Kazamai heißt die Studie, die einen Ausblick auf eine neue, kompakte SUV-Baureihe gibt, die 2010 debütieren soll. Der schlanke, 4,5 Meter lange Viertürer – sein Name bedeutet so viel wie „tanzender Wind“ – soll das Portfolio erweitern und unterhalb des CX-7 siedeln. Mazda verspricht konsequenten Leichtbau, der rund 100 Kilogramm Gewichtssenkung bringen soll, und einen neuen direkteinspritzenden Benzinmotor mit bis zu 30 Prozent ausmachendem Minderverbrauch. Was in der SUV-Klasse gewiss Sinn ergibt.

          Bei Mitsubishi wirkt die Weltpremiere des neuen Pajero Sport beinahe wie der Schwur auf alte, glorreichere Zeiten. Die klaren Linien und vermutlich auch ein günstiger Preis könnten den auf der Basis des Pick-ups L200 stehenden „Diät-Pajero“ durchaus erfolgreich machen, zumindest im russischen Markt (das Auto ist nicht für Deutschland vorgesehen). Lexus feiert die Premiere des LS 460, der ohne „h“ mit einem relativ gewöhnlichen 4,6-Liter-V8 in nur 6,3 Sekunden von 0 auf 100 km/h sprintet und sich mit 11,3 Liter Sprit für die 100-Kilometer-Distanz begnügt. Der serienmäßige Allradantrieb ist ein Bonuspunkt für den Lexus, Väterchen Frost ist nicht nur jenseits des Urals ein ernstzunehmender Mobilitätsgegner. Bei Audi macht der Allrad-Anteil stolze 54 Prozent aus.

          Sicherheit in Russland wird eine immer schätzenswertere Tugend

          Und dann sind da noch die Chinesen. Geely, Chery, Great Wall und Brilliance zeigen ihre umfangreichen Modellprogramme, die dennoch immer wieder bekannte Wesenszüge anderer Marken tragen. Sie zeichnen sich aber durch abenteuerliche Verarbeitung aus und nehmen gern beim Verweigern vor einer Crash-Anlage drei Strafpunkte in Kauf. Dabei scheint Sicherheit auch in Russland eine immer schätzenswertere Tugend zu werden. Neben den gepanzerten Versionen des A8 bei Audi oder der E- und S-Klasse bei Mercedes-Benz ist bei BMW die Premiere einer beschusssicheren Ausführung des X5 in Moskau zu bewundern.

          Die umfassende Würdigung der Moskauer Auto-Messe ist mehr als berechtigt. Die Wirtschaft und mit ihr der Fahrzeugmarkt wachsen in zweistelliger Höhe, und in diesem Jahr werden in der Föderation wohl zum ersten Mal mehr Automobile als in Deutschland neu zugelassen. Nicht nur der ferne, auch der nähere Osten erwacht.

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