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100 Jahre Mazda : So ein Kork

Könnte auch ein italienisches Sportcoupé sein: Mazda Luce, 1969. Bild: Hersteller

Mazda feiert sein hundertjähriges Bestehen. Die Japaner waren immer ein bisschen anders als andere Hersteller. Zum Jubiläum gibt es einige Sondermodelle.

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          Mazda ist zwar schon im Frühjahr 100 Jahre alt geworden, aber in den Hochzeiten der Corona-Pandemie war niemandem nach Feiern zumute. Das wurde und wird jetzt nachgeholt. Im kleineren Kreis kamen Freunde der Marke im Mazda-Museum in Augsburg zusammen, und zudem gibt es jetzt für jedes Modell des japanischen Herstellers eine streng limitierte Sonderedition als „100th Anniversary Special Edition“. Theoretisch gilt das Angebot für jede der acht Baureihen, auch für den brandneuen, elektrischen MX-30, doch es sind insgesamt nicht mehr als 100 Einheiten für Deutschland vorgesehen, der Vorverkauf beginnt im Oktober, die Auslieferung erfolge bis Februar 2021, heißt es. Alle 100er-Mazda sind zweifarbig lackiert in Rot und Weiß, das Leder-Interieur ist in Burgunderrot gehalten.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Mit dieser Farbgestaltung erinnert Mazda an das erste Auto aus Hiroshima, den kleinen RX 360, der 1960 debütierte. Die Geschichte des Unternehmens hatte 40 Jahre zuvor als Hersteller von Kork begonnen, schon kurze Zeit später widmete sich das Unternehmen dem Maschinenbau, und 1931 rollte das erste Mazda-Fahrzeug über die Straßen Japans: ein Lasten-Dreirad. 1940 war das erste Mazda-Auto praktisch fertig, da brach die Katastrophe des Krieges über Japan und die Stadt Hiroshima herein. Das Mazda-Werk war allerdings weniger von dem Atombomben-Abwurf betroffen, noch 1945 wurde die Produktion der Dreiräder wiederaufgenommen. Das erste Vierradfahrzeug war schließlich 1958 ein kleiner Lastwagen mit dem Namen Romper. Kurz danach kam das erste Auto, das R 360 Coupé. Damals gab es Bestrebungen seitens der Politik, Mazda mit einem der anderen japanischen Autohersteller zu fusionieren, die alle im Großraum Tokio sitzen, während Hiroshima gut 800 Kilometer von der japanischen Hauptstadt entfernt ist. Doch diesen konnte sich das Unternehmen widersetzen, und ein Lizenzvertrag mit NSU über die Produktion der damals völlig neuen Wankelmotoren war der Startschuss zu Mazdas Weltkarriere. 1967 wird der Cosmo Sport das erste Serienauto der Welt mit Wankelmotor auf dem Markt. Gleichzeitig wagte man mit dem von Bertone gezeichneten Luce und dem kompakten Familia den Sprung nach Großbritannien. 1970 folgte Amerika, 1972 dann auch Deutschland.

          Vor allem das Luce-Coupé ist ein wunderschönes Auto, das in Deutschland kaum bekannt ist. Auch hier arbeitet ein Wankelmotor unter der nach vorn öffnenden Haube, 126 PS reichen, um das kaum eine Tonne schwere Coupé flott zu bewegen. Mit elektrischen Fensterhebern vierfach und Klimaanlage bot es einen für jene Zeit ungewohnten Komfort.

          Die ersten damals nach Europa exportierten Autos waren noch Rechtslenker. Hier der Luce. Bilderstrecke
          100 Jahre : Mazda

          Der Durchbruch in Deutschland kam schließlich Ende der siebziger Jahre mit dem kompakten 323, wenig später feierte das Mittelklasse-Modell 626 große Erfolge, eine Zeitlang war es das meistverkaufte Importauto in Deutschland. Übrigens wurde der historische Firmenname „Toyo Kogyo“ erst 1984 in Mazda Motor Corporation umgewandelt. Der Begriff Mazda, der zum einen an den Firmengründer Jujiro Matsuda, zum anderen aber auch an den altpersischen Gott des Lichts erinnern soll, wurde aber schon seit 1936 verwendet.

          Seit 1992 hat Mazda ein europäisches Forschungs- und Entwicklungszentrum in Oberursel bei Frankfurt, ungefähr zur gleichen Zeit begann die Karriere des Roadsters MX-5, eines der ganz wenigen japanischen Autos mit Kultstatus. Manche sagen, es sei das einzige. Schon längst ist er der meistverkaufte Roadster der Welt. Bis dato sind weit mehr als eine Million Exemplare abgesetzt worden, inzwischen fährt die vierte Generation. Insgesamt hat Mazda bislang mehr als 50 Millionen gebaut und in aller Welt verkauft.

          Als Verfechter der Wankeltechnik liebt Mazda schon immer technische Sonderwege und pflegt auch diesen Ruf. Seit 2010 unterstreicht zudem das sogenannte Kodo-Design die so geliebte Sonderrolle, und tatsächlich setzen sich die Mazda-Autos wohltuend von der Formensprache der anderen japanischen Hersteller ab. Außerdem gelingt es Mazda besser als anderen, Farben und Lacke als Designmittel einzusetzen. Aktuell ist es das mazdatypische „Magmarot Metallic“, das so beliebt ist, dass jedes dritte Modell in der Farbe bestellt wird. Für ein Rot ist das eine extrem hohe Quote.

          Technisch macht Mazda mit der neuen Skyactive-X-Technologie von sich reden. Diese soll die Vorzüge von Diesel- und Benzinmotoren vereinen. Zudem hat Mazda den Diesel selbst nicht abgeschrieben und bietet auch in Japan noch Selbstzünder an, während sich andere dort schon zurückgezogen haben. Und bald wird es auch wieder ein Auto aus Hiroshima mit Wankelmotor geben: Dem elektrischen MX-30, der in diesen Wochen auf den Markt kommt, wird aber erst 2022 ein weiteres Modell zur Seite gestellt, das mit einem kleinen Wankelmotor, der einen elektrischen Generator antreibt, für mehr Reichweite sorgen soll. Der Platz für die zusätzliche Technik war von Beginn an vorgesehen. Typisch Mazda. Auch die Tatsache, dass es so lange dauert. Das Wankel-Konzept wird erst überarbeitet, um es besser zu machen.

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