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100 Jahre BMW : Scharfe Vierzylinder und der Bart der Gams

  • -Aktualisiert am

Schlaglochsuchgerät namens Isetta. Die Vorderräder weichen aus, das hintere fällt hinein Bild: Hersteller

Bis die Bayerischen Motorenwerke die ersten Autos verkauften, dauerte es ein paar Jahre. Nach den Flugmotoren kamen 1923 erst die Motorräder, sechs Jahre später die Autos. Ein Blick zurück.

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          Hundertjährige verhalten sich anders. Sie klettern vielleicht aus dem Fenster und verschwinden. Aber sie glühen nicht in ihren Büros, an ihren Entwicklungscomputern und in ihren Fabriken vor Ehrgeiz, und sie sind nicht besessen vom Anspruch, die besten Vehikel der Welt zu bauen.

          Dieser außergewöhnliche Hundertjährige, den wir meinen, der ist in der globalen Autoindustrie ein Mitglied der oberen drei oder vier. Er ist dennoch sehr intensiv ein Teil seiner Heimat, tief regional geerdet, verwurzelt mit allen Ingredienzien seiner bayerischen Landsmannschaft und doch eine freundliche Weltmacht. Stark am heimischen Berg, gesellig im Biergarten und prächtig aufgestellt in der Welt. Ein bayerischer Clan mit dem Bart der Gams am Hut, aber in internationaler Besetzung mit der Chuzpe von Silicon Valley, mitten in München. Es geht um die Bayerischen Motoren Werke (BMW), und als ihr Gründungsdatum gilt der 7. März 1916.

          BMW wird in diesen Tagen nach seiner eigenen Rechnung hundert Jahre alt, und wir wandern in diesem Raum aus Zeit und Automobilen ein wenig herum. Die Unternehmenshistorie mit Pleiten und Pannen und wie sich das alles dann in den sechziger Jahren zum Besseren und zum Guten wendete, das mag uns hier nicht wirklich interessieren. Gut fünfzig, sechzig Jahre später wird im Rückblick deutlich: BMW ist noch immer kein durchweg politisch korrekter Autohersteller, diese Marke ist eine Fahrmaschine, eine Produktklinik der besonderen Art, und deshalb geht es hier und jetzt um den Kern dieser hundert Jahre, es geht um die wichtigsten BMW-Automobile aus sechs Jahrzehnten.

          Dixi von 1929 Bilderstrecke

          Am Anfang war Bescheidenheit, nicht die ausgeprägteste bayerische Eigenschaft. Unbescheidene 501 und 502 waren barocke Luxusmodelle, die in den schwierigen Jahren nach dem Krieg nicht genügend gefragt waren. Als die Jahre des in Italien eingekauften Kabinenrollers Isetta vorbei waren, kam der 700. Ein schlichter BMW als Limousine, Coupé und Cabrio, ein Motorrad auf vier Rädern, mit seiner genialen Hinterachse und dem drehfreudigen Zweizylinder im Heck der erste Beleg für eine entscheidende BMW-Stärke: Erkenne den Zug des Marktes und spring auf. Der Werbespruch „Aus Freude am Fahren“ charakterisierte in den sechziger Jahren die herausragende, wirkliche BMW-Stärke, und es gelang, sie den Fahrern einzureden, als wichtigste Eigenschaft. Aber bis zu dieser Zeit war BMW im Markt eine Hülle ohne Inhalt.

          Das änderte der Typ 1500: Von Ende 1962 an hatte BMW wieder ein Gesicht und einen Klang, eine klassische Limousine, als 1500 frühreif und nicht ohne Fehler in den Markt geschickt, unterfüttert von den Typen 1600/1800/2000; bis 1972 liefen die seriösen BMW vom Band, alle mit vier Türen und Vierzylindermotoren, bis zu 120 oder für das Sportmodell 2000 tii mit 130 PS. Jeder wollte mit einem BMW Prestige und Sportlichkeit verbinden. Ein Hurra-Erfolg, aber damit war die Existenz nicht gesichert. Deshalb wurden die 02er-Modelle rasch nachgeschoben, zweitürige Klein-Rabauken mit scharfen Vierzylindern, bis hin zum provokanten BMW 2002 Turbo, der mit seiner pubertierenden Modellbezeichnung in Spiegelschrift auf dem vorderen Spoiler („Kriegsbemalung“) für das Überholprestige sorgen sollte.

          Geburt der Dreier- und der Fünfer-Reihe

          Er war das erste deutsche Serienauto mit Abgasturbolader (Kompressoraufladung gab es schon früher), holte aus dem 2-Liter-Vierzylinder gierige 170 PS und kam damit (auch wegen seines geringen Gewichts von 1100 Kilo) aus dem Stand in 8 Sekunden auf 100 km/h. Die siebziger Jahre sahen zudem die Geburt der Dreier- und der Fünfer-Reihe, technisch ziemlich beste Verwandte, sie entwickelten sich zu dauerhaften Bestsellern, ein Ende ist nicht abzusehen. Wer den 02er-turbo als Vorläufer bayerischer Bekenntnisse zu Gummi auf der Straße sieht, liegt nicht falsch: BMW war längst wieder selbstbewusst, der Gipfel war noch weit, aber das Basislager hatten die Bayern schon verlassen. Sie waren zur Mitte der achtziger Jahre mit einem Renngerät unterwegs, das sich gut für die Straße eignete.

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