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100 Jahre Alfa Romeo : Schon immer um einen Biss schärfer

  • -Aktualisiert am

Der Alfa MiTo ist das kleinste Exemplar der Marke Bild: Hersteller

Alfa Romeo wird in diesen Tagen Hundert Jahre alt. Die Leidenschaft für die Autos des italienischen Unternehmens hat Rost, kantige Karosserien und den Arna überlebt. Der Blick zurück führt direkt in die Zukunft.

          5 Min.

          Hundert Jahre alt wird Alfa Romeo in diesen Tagen. Damals, im Sommer 1910, gründeten tüchtige Geschäftsleute aus der Lombardei die "Società Anonima Lombarda Fabbrica Automobili", (Lombardische Aktiengesellschaft zur Automobilfabrikation), kurz A.L.F.A.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Sie hatten die marode Gesellschaft des französischen Automobil-Pioniers Alexandre Darracq übernommen, der vier Jahre zuvor in Portello bei Mailand ein modernes Automobilwerk gegründet hatte, dann aber schnell in finanzielle Schwierigkeiten geriet. Darracq behält aber ein nicht unbedeutendes Aktienpaket. Noch im gleichen Jahre verlässt der erste A.L.F.A. die Hallen in Portello, gut 200 Einheiten werden bis 1913 vom 24 HP gebaut, der mit seinem 4,1-Liter-Motor schneller als 100 km/h war - damals eine Sensation.

          Der Erste Weltkrieg bringt die erste große Krise für das junge Unternehmen, und als Darracq sein Aktienpaket an eine Bank verkauft, gelangt das Unternehmen letztlich in neue Hände, und Chef wird der aus Neapel stammende Ingenieur Nicola Romeo, der 1918 die Mehrheit übernimmt und das Unternehmen in Alfa Romeo tauft, jetzt ohne Punkte. Der Motorsport, den man schon seit 1911 betrieben hat, ist eines der Haupttätigkeitsfelder von Alfa Romeo, daneben baut man aber auch Traktoren, Lastwagen, Omnibusse, Straßenwalzen, Lokomotiven, Eisenbahnwaggons, Baumaschinen und Triebwerke für Schiffe und Flugzeuge. Fertigungsstätten sind schnell über ganz Italien verteilt. Die Wirtschaftskrise von 1929 führt Alfa abermals an den Rand des Ruins, der Staat springt 1934 ein, übernimmt das Ruder (und behält es bis 1986) und gruppiert Alfa um.

          Frischen Wind bläst der Giulietta in die kompakte Mittelklasse
          Frischen Wind bläst der Giulietta in die kompakte Mittelklasse : Bild: Hersteller

          5000 Angestellten helfen jedoch tatkräftig beim Wiederaufbau

          Im Zweiten Weltkrieg wird das Stammwerk zu 60 Prozent zerstört, die 5000 Angestellten helfen jedoch tatkräftig beim Wiederaufbau. Und es geht weiter. Alfa Romeo hatte von 1910 bis 1945 nur gut 10 000 Automobile gebaut, die sich im Grunde nur die wohlhabende Oberschicht leisten konnte. Jetzt müssen die Prioritäten anders gesetzt werden, und daher wird Alfa Romeo 35 Jahre nach der Gründung endlich von einer Automobilmanufaktur zur Automobilfabrik.

          Der 1900 ist der erste neu konstruierte Nachkriegs-Alfa und gleichzeitig der erste Alfa mit selbsttragender Karosserie. Man engagiert sich weiterhin im Motorsport und gewinnt 1950 den Titel in der Formel 1. Die ersten Weltmeister waren die Alfa-Romeo-Fahrer Giuseppe Farina und Juan Manuel Fangio. Allerdings zieht sich Alfa Romeo Ende 1951 nach zwei erfolgreichen Jahrzehnten vom Grand-Prix-Rennsport zurück. Enzo Ferrari war übrigens der ehemalige Alfa-Rennleiter, aber das ist eine andere Geschichte.

          Endgültig zum Volumenhersteller wird Alfa Romeo 1955 mit dem kompakten, aber viertürigen Giulietta, dem Alfa für den "kleinen Mann". Er ist der erste Alfa, der auf "richtige" Stückzahlen kommt: 131 806 werden bis 1964 gebaut, dazu 28 394 Giulietta Sprint und 17 096 Spider. Vom 1900 waren zwischen 1950 und 1958 gut 21 000 Einheiten produziert worden. Die fünfziger Jahre sind auch die Zeit, in der Alfa Romeo als Nutzfahrzeughersteller eine gewisse Bedeutung erlangt, 1964 zieht man sich aber aus dem Geschäft mit schweren Lastwagen und Bussen wieder zurück, man bleibt den mittelschweren treu, bis diese Aktivitäten 1976 beim neu gegründeten Iveco-Konzern landen.

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