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Moto Guzzi California : Nach Las Vegas, Baby, die Sonne putzen!

Bild: Hersteller

Die neue California ist modern, tief verwurzelt in der Vergangenheit und gibt einem den Glauben an die Zukunft von Moto Guzzi. Ein erster Fahrtbericht.

          Cowboy Rocker hieß das Lied, Ball Pompös die Langspielplatte von Udo Lindenberg. „Das einzig Starke an dir ist deine Moto Guzzi“, sang Inga Rumpf, „aber sonst bist du ja so ein Fuzzy!“

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Das war wenig schmeichelhaft für den Besungenen. Andererseits klang aus dem Stück von 1974 hervor, welchen Stellenwert damals die Marke Moto Guzzi genoss, nicht bloß, weil sich auf Fuzzy Guzzi so gut reimte. Es war die Zeit, in der das Traummotorrad manch eines Heranwachsenden diesen Namen trug: California!

          Wenn die jetzt wiederkommt, rundum neu, ist das ein Ereignis, das ein Rumpeln auslöst und eine Welle der Neugier, die durch die Welt des Zweirads rollt. Denn eine California ist nicht irgendein Motorrad. Die Generation, die an Mofa, Mokick und Kleinkraftrad herumschraubte und heute um die 50 ist, weiß das genau. Schon die Entstehungsgeschichte mit den Ursprüngen als kalifornisches Polizeimotorrad war alles andere als gewöhnlich.

          Die Plombe des Backenzahns

          Im Leerlauf zittern die Lenkerenden, der Motor schüttelt sich, es bebt bis in die Plombe des Backenzahns, so muss es sein. Die Kolben mit sagenhaften 104 Millimeter Durchmesser verlangen nach einer Doppelzündung, stampfen in zwei gewaltigen Zylindern auf und ab. Die stehen quer zur Fahrtrichtung, natürlich, im 90-Grad-Winkel zueinander, klaro, ragen seitlich unterm Tank hervor: Markenzeichen der Adlerträger aus der Lombardei wie der Kardanantrieb auch.

          Ein dunkles Grundgrummeln ist zu vernehmen, auf einen Gasstoß zucken 340 Kilo guzzitypisch nach rechts, es grollt. In der California 1400 arbeitet ein monumentaler Motor, mit 1,38 Liter Hubraum der größte V2 europäischer Herkunft, wie Moto Guzzi hervorhebt, 71 kW (96 PS), 120 Newtonmeter Bullendrehmoment schon bei der niedrigen Drehzahl von 2750/min, fahrbar wie ein Diesel. Für das uritalienische Unternehmen mit der wechselvollen, bis ins Jahr 1921 zurückreichenden Geschichte, heute Teil der Piaggio-Gruppe, ist die junge Cali eine enorm wichtige Maschine.

          Sie soll den Wendepunkt markieren in eine Epoche ohne Kränkeln, die mit mehr als 40 Millionen Euro angepackt wird. Baureihen werden modernisiert und ebenso die Hallen auf dem Gelände am Comer See, das noch vor kurzem mehr ein Denkmal der Traurigkeit gewesen ist als eine effiziente Produktionsstätte. Ein herzeigbares Firmenmuseum ist in Planung, und was die Stückzahlen betrifft - etwa 6000 Einheiten in diesem Jahr -, sehen die Verantwortlichen noch viel Luft nach oben. Das Premiumsegment ist ins Auge gefasst, mit Handarbeit aus Italia und entsprechenden Preisen. 19 600 Euro wird die California 1400 kosten, die am 1. Dezember ihre Premiere im Handel feiert.

          Beeindruckender Auftritt

          Dieser Cruiser mit Touringausrüstung verkörpert tatsächlich eine Verbindung von glorreichen Phasen der Vergangenheit mit einer Zukunft der Zuversicht. Ungeheuer beeindruckend ist der Auftritt. In der Wirkung auf den Betrachter steht diese Guzzi einer Harley-Davidson Road King nicht nach. Erstaunlich, wie vertraut sie einem vorkommt, obwohl nichts an ihr identisch ist mit den Maschinen früherer California-Generationen. Erinnerungen werden wach, vor allem an die 850 T3 von 1975.

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