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Milliardäre unter sich

Von MARCUS KRALL
Foto: Walter Wille

24.09.2019 · Zur Monaco Yacht Show herrscht im Fürstentum eine noch höhere Milliardärsdichte als üblich. Im Fokus stehen – auch in Deutschland gebaute – Formate zwischen 80 und 100 Metern. Das nötige Budget dafür? Ab 100 Millionen Euro.

W enn sie sich freuen, dass endlich ein bisschen Ruhe einkehrt, die Straßen und Restaurants nicht mehr verstopft sind und das Hubschrauber-Geknatter etwas abnimmt, dann müssen die Einheimischen zwischen Beaulieu-sur Mer und Menton, am östlichen Ende der Côte d’Azur, noch einmal ganz geduldig sein. Dann, immer Ende September, steht die Monaco Yacht Show an und der kleine Küstenstreifen wird für vier Tage abermals vollkommen überlaufen und zum Epizentrum der globalen Megayacht-Branche. Die Hotels sind monatelang ausgebucht, die Preise unverschämt. Wochenlang wird die Messe als Zeltstadt in den Port Hercule gebaut, die teilnehmenden Yachten cruisen aus dem ganzen Mittelmeer heran. Kurzum: Wer sich für große Yachten interessiert oder im weitesten Sinne damit seinen Lebensunterhalt verdient, reist an.

Die Düsseldorfer Bootsmesse kann da nicht mithalten, das Cannes Yachting Festival auch nicht. Beides veritable Ausstellungen, keine Frage. Doch bei beiden liegt die Obergrenze bei rund 40 Yachtmetern, hier beginnen Monacos Organisatoren erst einmal zu überlegen, ob solch ein Format überhaupt angelegt werden darf. Dementsprechend beträgt die Durchschnittslänge auf der diesjährigen Monaco Yacht Show etwas mehr als 50 Meter. Das größte Format misst 111 Meter. Insgesamt 125 schwimmende Exponate werden zugelassen oder, wie man es seitens der Messe gern ausdrückt, „kuratiert“.

Dicht an dicht: Im Port Hercule ist für jeden Milliardär was dabei. Foto: MC-Clic

Die Zahl verdoppelt sich indes, wenn man die Yachten dazuzählt, die in der Bucht zwischen dem Fürstentum und dem Cap Martin ankern. Wer keinen Platz im Hafen bekommen hat oder die Showgebühr nicht zahlen möchte, liegt dort. Ein fortwährender Tender-Verkehr verknüpft den Port Hercule bis in den späten Abend hinein mit dieser inoffiziellen Ausstellung, wobei die Shuttles bis zur letzten Yacht mitunter fast 15 Minuten benötigen. Bei guter Wetterlage, versteht sich. Im Spät-September kann mitunter ein ordentlicher Schwell vor Monaco aufkommen und dann herrscht für viele Beiboote Zwangspause. Clevere Broker, also die Makler der Yachtwelt, kooperieren deshalb mit Herstellern von High-Performance-Schlauchbooten. Diese, meist zwischen zehn und vierzehn Meter lang, bringen Kunden auch in etwas ungemütlicheren Bedingungen noch trocken an Bord der Schiffe, die nahezu alle zum Verkauf stehen. Provisionen im hohen sechsstelligen Bereich schaffen für ernsthafte Interessenten Bedingungen, die wahrscheinlich sonst keine andere Branche bietet. Den Eintrittspreis von 300 Euro am Tag – ermäßigt immerhin 280 Euro – spart sich diese Klientel natürlich ebenfalls.

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