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Mit dem Pferd über die Alpen : Entschleunigen mit 1 PS

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Ein Blick, den man nicht so schnell vergisst. Hinter den Ohren das besondere Zaumzeug. Bild: Juan Antonio Kerle

Raus aus allem, rauf aufs Pferd, ab jetzt zählt nur der Augenblick. Auf schmalen Pfaden und antiken Straßen lassen sich die Alpenpässe am besten im Sattel erkunden.

          Der Kindheitstraum wird wahr. Mit dem Pferd über Alpenpässe, auf schmalen Pfaden und alten Straßen, wie der Via Claudia Augusta.

          Wir spüren die Aufregung, als das Gelände der Estancia el Cazador, eine ganz andere Welt, betreten wird. Die Pferde müssen von einem mehr als 15 Hektar großen Waldgelände geholt werden. Zwei, drei laute Rufe, und man hört das Antraben der Criollos. Plötzlich stehen sie vor uns, ein unvergesslicher Anblick. Diese Pferde kommen aus Südamerika, sie zählen zu den widerstandsfähigsten und zähesten Rassen der Welt. Criollos können unter extremen klimatischen Bedingungen mit wenig Futter auskommen, und sie sind äußerst ausdauernd. Sie werden, wie sie es bei den Gauchos gelernt haben, einhändig geritten und reagieren auf den geringsten Zügelkontakt oder Schenkeldruck.

          Diese besonderen Pferde sind für den Wanderritt mit einer Ausrüstung ausgestattet, die sich deutlich von dem unterscheidet, was für Dressur oder Springsport üblich ist. Als Sitzgelegenheit dienen bequeme Westernsättel, die eine Sitzposition mit langgestreckten Beinen zulassen und einen dicken Knauf für viele Gelegenheiten haben. Sie sind für den Wanderritt mit vielen Ösen und Riemen ausgestattet, an dem sich Gepäck befestigen lässt. Das Zaumzeug und die Zügel sind aus Rohhaut handgeflochten, das weiche Leder schmiegt sich auf tagelangen Ritten an den Kopf, ohne zu scheuern.

          „Ab zu den Pferden“

          Ungewöhnlich ist auch das Gebiss; es besteht nicht wie sonst aus einer Metalllegierung, sondern aus einem Stück maulfreundlichem Rohleder, das den Speichelfluss anregt. Es lässt sich in den Pausen mit einem Handgriff abnehmen, damit die Tiere ungestört grasen können. Pferd und Ausrüstung sind damit perfekte Partner für mehrtägige Wanderritte oder gar für die Überquerung der Alpen. Sieben Tage sollte Pferdedame Chamamé der zweite Teil einer Einheit aus Ross und Reiter sein. Nach einer Einweisung am Vortag des Ritts wird sie es ihrem Passagier leichtmachen.

          Kleine Erfrischung für unsere treuen Begleiter Bilderstrecke

          Am Tag des Aufbruchs Besprechung bei einem gemeinsamen Frühstück und um die Mitreiter kennenzulernen. Alles ist gespannt und froh, als es endlich heißt: „Ab zu den Pferden“. Nach dem Satteln werden Packtaschen und die in kleine Würste gerollten Regenmäntel an den Sätteln festgebunden, und los geht’s. Nur das Notwendigste für den Tag wird gepackt.

          Ein unbeschreibliches Gefühl von Freiheit

          Ein unbeschreibliches Gefühl von Freiheit schon nach den ersten Kilometern. Immer wieder überprüft Erich, Besitzer der Estancia und der Tiere, uns und die Pferde. Das gibt Sicherheit, und wir fangen langsam an zu genießen. Als Neuschwanstein auftaucht, hoffen wir, es wird nie zu Ende gehen. Am Alpsee entlang verschwinden wir dann im Wald, auf Wegen und Pfaden, die nur ein rechter Pfadfinder als solche ausmacht. Für die trittsicheren Pferde ist das keine Schwierigkeit. Nach sieben Stunden im Sattel und etwa 40 Kilometern winkt die erste Unterkunft. Bevor wir jedoch unsere Zimmer betreten, werden – das ist selbstverständlich – zuerst unsere treuen Partner versorgt. Beim gemeinsamen Abendessen gibt jeder seine Eindrücke zum Besten und, o Wunder, kaum jemand hat tagsüber sein Handy vermisst. Die Entschleunigung mit einer Pferdestärke wirkt und hält bis zum Schluss an.

          So sollte es nun sechs Tage und 90 Kilometer weitergehen, bis wir unser Ziel, den Reschensee, erreichen. Zwar mit weniger Kilometer am Tag, aber dafür mit Eindrücken, die man erst zu Hause richtig verarbeiten kann: Zum Beispiel eine etwa 5 Kilometer lange Galoppstrecke und der Reschentunnel, den wir im Trab durchquerten; er wurde eigens für uns gesperrt.

          Mittagspausen im Wald, jeder hatte etwas zu trinken und essen in den Satteltaschen verstaut, oder es gab an Flussläufen hergerichtete Mittagstische nach Gaucho-Art. Alles toll von Petra, Erichs Frau, durchorganisiert. Die beiden leben ihre Passion, sie sind die Gauchos vom Ostallgäu. Der Dank des Reiters geht an Chamamé, die ihn eine Woche lang zuverlässig getragen hat.

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