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Mercedes-Benz : Muli 1187 fährt wieder

  • -Aktualisiert am

Das war der erste Renntransporter von Mercedes-Benz Bild: Hersteller

Mehr als ein halbes Jahrhundert nach dem Comeback der Silberpfeile hat Mercedes-Benz wieder einen passenden Renntransporter.

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          Ihr Versicherungswert liegt bei drei bis fünf Millionen Euro. Doch wie man die Silberpfeile adäquat befördert, daran hat bei Mercedes bislang niemand ernsthaft einen Gedanken verschwendet. Raus aus dem Museum, rauf den Autotransporter - warum sollte man mit den Rennwagen aus den Fünfzigern anders umgehen als mit jedem anderen Oldtimer aus der riesigen Stuttgarter Sammlung?

          Zum Beispiel weil Rennwagen etwas Besonderes sind und schon immer besondere Transporter hatten, sagt Gert Straub und lenkt den strahlenden Blick auf einen riesigen blauen Laster, der jetzt wieder glänzt wie am ersten Tag. Denn mit vielen Fotos, zeitgenössischen Berichten und alten Konstruktionsskizzen haben Straub und seine Kollegen im werkseigenen Classic Center in Fellbach den fast 60 Jahre alten L3500 so umgebaut, wie er in den Fünfzigern von Autorennen zu Autorennen getingelt ist.

          Zwar gab es nach Straubs Recherchen sicher ein halbes Dutzend Originale. Doch während die Rennwagen nach ihrem Einsatz ins Museum kamen, wurden die Transporter für andere Aufgaben genutzt oder schlicht verschrottet. Aber nachdem in den letzten Jahren bereits der offene Schnelltransporter, den man nur als das „Blaue Wunder“ kannte, nachgebaut wurde, gibt es jetzt auch wieder einen geschlossenen Wagen, in den früher gleich zwei Silberpfeile passten.

          Transport in den fünfziger Jahren

          Diesmal mussten die Mechaniker gar nicht bei Null beginnen, erzählt Straub. Sondern der Langhauber, der intern wegen seines Eintrags in die Museumsliste nur unter dem Code „Muli 1187“ läuft, war früher mal ein Möbelwagen. Als erste Nachkriegs-Entwicklung von Mercedes in Mannheim gebaut, kam der L3500 irgendwann zum Museum und geriet dort im hintersten Eck einer Halle irgendwie in Vergessenheit. Bis die Idee mit dem Renntransporter aufkam.

          “Das war vor mehr als zwei Jahren“, erinnert sich Straub und erzählt von den üblichen Eskalationsstufen bei einer Restauration. Was mit einer kleinen Instandsetzung beginnen sollte, wurde größer und immer größer, bis am Ende die komplette Kabine neu beledert und mit Holzfurnier vertäfelt war oder der Aufbau außen vollständig überarbeitet sowie innen neu möbliert wurde.

          Doch jetzt ist der L3500 wieder flott, und Straub steigt stolz auf den hohen Bock. Zündung an, vorglühen, starten - dann rumpelt es kurz im Gebälk und unter der stattlichen Haube läuft ohne Murren ein 4,6 Liter große Sechszylinder an, der die Fuhre mit seinen bescheidenen 90 PS gaaanz gaaanz langsam in Fahrt bringt. Mögen die Silberpfeile auf der Strecke noch so schnell gewesen sein, auf der Straße fuhren die Rennwagen kaum mehr als besseres Schritttempo.

          Die historischen Vorbilder: offen und geschlossen

          Der blaue Riese ist aber nicht nur langsam, wenn er sich bei der Testfahrt asthmatisch durchs Stuttgarter Umland kämpft und bald einen veritablen Stau hinter sich her schleppt. Sondern die Fahrt geht vor allem in die Knochen. Zwar wähnt man sich auf der roten Kunstlederbank tatsächlich wie der König der Landstraße, irgendwann klappt selbst das Schalten mit dem hakeligen Fünfgang-Getriebe, und mit den Rennfahrern hat man immerhin die mittige Sitzposition gemein. Doch wer einmal am großen, weißen Lenkrad dreht und den 7,5-Tonner über eine kurvige Landstraße bugsiert, der weiß, weshalb Trucker früher Kraftfahrer hießen. Wo man die Actros des aktuellen Formel 1-Teams mit dem kleinen Finger fahren kann, braucht es hier einen ganzen Mann, um den großen Kasten auf Kurs zu halten.

          Trotzdem hätte Mechaniker Straub nicht übel Lust auf eine ausgedehnte Dienstreise - zum Beispiel zum nächsten Formel 1-Rennen nach Hockenheim oder an den Nürburgring. Und zwar nicht mit einem alten Silberpfeil, sondern mit einem modernen Rennwagen. Denn bei aller Liebe zum Original haben die Schwaben den Laderaum vorsichtshalber mal so möbliert, dass auch Schumis aktueller Dienstwagen auf die Rampe passen würde.

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