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Maybach : Eine Luxusmarke am Ende

  • -Aktualisiert am

Großer Name, großes Auto: Mit Zeppelin begann der Mythos Maybach. Bild: Archiv Dieter Günther

Die Maybach-Fertigung wurde eingestellt. Damit ist eine der glänzendsten Marken des automobilen Hochadels zum zweiten Mal nach 1941 untergegangen.

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          Der Anspruch war unmissverständlich. Es galt, das Beste vom Besten zu verwirklichen, nicht mehr und nicht weniger. Schon die Maybach-Motorenbau GmbH setzte diese Maxime konsequent um: Die zwischen 1921 und 1941 gefertigten Schöpfungen mit dem doppelten M im orange hinterlegten Markenzeichen haben längst ihren Platz im Auto-Olymp gefunden. Aber das glanzvolle, am Bodensee ansässige Unternehmen blieb kein Fall für Nostalgiker. Daimler-Chrysler erweckte die ruhmreiche Vergangenheit wieder zum Leben und enthüllte zur Tokio Motor Show 1997 den ersten Maybach der neuen Generation. Noch mit dem Mercedes-Stern geschmückt und als Studie deklariert, schien dieses gewaltige Automobil die guten Aussichten eines Luxuslabels im höchsten Segment zu bestätigen. Da Rolls-Royce mittlerweile zu BMW gehörte und Bentley zu VW, mochte Daimler-Chrysler nicht abseits stehen.

          Seit 2002 nur 3300 Maybachs

          Im Frühjahr 2002, am Vorabend des Genfer Salons, debütierten jene Stücke, die als Maybach 57 und 62 einer 60 Jahre ruhenden Tradition neuen Glanz verliehen. Montiert im „Center of Excellence“ in Sindelfingen, dienten die großen Mercedes-Baureihen als technische Basis. Ein V12-Biturbomotor, gekoppelt mit einer Fünfgangautomatik, holte aus 5,5 Liter Hubraum 405 kW/550 PS und ein Drehmoment von 900 Nm. Damit waren gehaltvolle Fahrleistungen gesichert, selbst bei einem 6,20 Meter langen und 2,9 Tonnen schweren Maybach 62. Der kürzere Maybach 57 streckte sich auf 5,70 Meter und wog 2,7 Tonnen. Technische Raffinesse und Luxus pur wurden groß geschrieben. Neben der Verwendung edelster Materialien sorgten 90 Elektromotoren für das Wohlbefinden der Passagiere. Dennoch blieb für die mit dem doppelten M geschmückten Automobile - es stand nun für Maybach Manufaktur - Luft nach oben.

          Eine Klasse für sich: neuer Maybach in London

          Seit 2005 ergänzten die 57 S und 62 S das Angebot, deren Zwölfzylinder von AMG zunächst 450 Kw/612 PS und, ab 2010, 463 kW/629 PS mobilisierten. Parallel waren der gepanzerte Maybach Guard und seit 2008 das Maybach Landaulet Halbcabriolet verfügbar. Noch exklusiver trat der Maybach Excelero auf, ein mit Reifenhersteller Fulda entwickeltes Projekt zur Erprobung von Hochleistungsreifen. Neben einem reinen Schaustück gab es nur ein weiteres Exemplar, das Klaus Ludwig am 1. Mai 2005 auf dem Hochgeschwindigkeitskurs im italienischen Nardo auf 351,45 km/h trieb. Und damit einen Weltrekord für Limousinen mit Serienbereifung aufstellte. Das Ziel, jährlich 1000 Maybachs für mindestens 400 000 Euro zu verkaufen, wurde weit verfehlt. Seit 2002 entstanden nur gut 3300 dieser opulenten Fahrzeuge, also rund 300 im Jahr.

          Erst Flugzeuge, dann Luxusautos

          Der Grundstein zum Mythos Maybach wurde 1909 gelegt. Damals hatten Graf Zeppelin (1838-1917) und der geniale, mit Gottlieb Daimler und der Daimler-Motoren-Gesellschaft einst eng verbundene Wilhelm Maybach (1846-1927) die Gründung der Luftfahrzeug-Motorenbau GmbH in Bissingen/Enz angestoßen, mit Maybachs Sohn Karl (1879-1960) als technischem Leiter. Schnell sorgten Triebwerke für Luftschiffe und Flugzeuge für hohes Ansehen und volle Auftragsbücher, nicht zuletzt dank des jungen Maybachs, der sich als ähnlich bedeutender Konstrukteur wie sein Vater profilierte. Das Ende des Ersten Weltkriegs änderte alles. Im Versailler Vertrag vom 28. Juni 1919 wurde dem Deutschen Reich jedes Engagement in der Luftschiff- und Flugzeugindustrie untersagt. Für die Maybach-Motorenbau GmbH, wie das nach Zeppelins Tod umstrukturierte und nach Friedrichshafen verlegte Unternehmen seit 1918 hieß, war dies ein schwerer Schlag. Allerdings: Ohne das Verbot der Alliierten hätte es wahrscheinlich niemals Maybach-Automobile gegeben.

          Schon schön: Das Armaturenbrett eines Maybach Zeppelin

          Um den neuen Aufgaben gerecht zu werden, entstand schon 1919 der Maybach W 1 (Wagen 1) mit Daimler-Chassis - als Mittel zum Zweck: Nicht als Automarke wollte sich Maybach positionieren, sondern als Motorenbauer für den zivilen Einsatz. Das ging schief. Höchsten Ansprüchen verpflichtet, konnte nur die holländische Luxusmarke Spijker als Abnehmer von 150 (statt, wie vereinbart, von 1000) dieser W 2 genannten Triebwerke gewonnen werden. Also machte Maybach aus der Not eine Tugend und versuchte sich als Hersteller hochwertiger Automobile.

          Stromlinienförmig für Max Schmeling

          Der erste, 1921 lancierte Serienwagen trug die Bezeichnung W 3 und wurde von jenem W2-Aggregat mit sechs Zylindern befeuert, das aus einem Hubraum von 5742 Kubikzentimeter 72 PS schöpfte. Das Fahrgestell war hausgemacht, ebenso das aus dem W 1 bekannte, zweistufige Planetengetriebe, dessen direkter Gang durch Niedertreten des Gaspedals aktiviert wurde. Weitere Besonderheiten waren eine mechanische Vierradbremse mit verrippten Alu-Trommeln samt Druckausgleich sowie die 12-Volt-Doppelzündung, die mit Magnet und Batterie sowie zwei Kerzen je Zylinder arbeitete.

          Seiner Zeit voraus: Maybach SW 35

          Bis 1928 blieb der W 3 im Programm, danach wurden die Sechszylinder der W-Baureihe stetig verfeinert, ehe sie 1936 durch die „Schwingachswagen“ SW 35, 38 und 42 abgelöst wurden. Die Krönung aber waren und sind die mächtigen Zwölfzylindermodelle, die 1929 als Maybach 12 (Typ DS) debütierten, ein Jahr später aber bereits Zeppelin hießen. Bei diesen Fahrzeugen der Superlative kamen V12-Motoren mit sieben (DS 7) bzw. acht (DS 8) Liter Hubraum zum Einsatz, die 150 und 200 PS leisteten, 500 Kilogramm wogen und durch 43 Liter Kühlwasser temperiert wurden. Lange galten Maybachs äußerlich als konservativ, was sich nun änderte. Immer öfter wurden extravagante Aufbauten auf Maybach-Fahrgestelle gestülpt, etwa von Erdmann & Rossi in Berlin oder von Saoutchik in Paris. So gönnte sich Boxweltmeister Max Schmeling einen spektakulären, von Paul Jaray modellierten und von Spohn in Ravensburg eingekleideten SW 35 in Stromlinienform.

          Die Wiederbelebung glückte nicht

          1941 kam nach 2300 gebauten Exemplaren die Autoproduktion zum Erliegen. Dafür rückte der wieder aufgenommene Motorenbau in den Mittelpunkt, auch nach 1945. Eine von Friedrich Flick 1960 eingefädelte Partnerschaft mit Daimler-Benz führte 1966 zur Maybach Mercedes-Benz Motorenbau GmbH, die 1969 in der Motoren- und Turbinen-Union Friedrichshafen GmbH (MTU) mündete. 2006 verkaufte Daimler-Chrysler das profitable Unternehmen an einen schwedischen Investor. Die Belebung der klangvollen Automarke verlief weniger glücklich. „Der Maybach sprengt die Grenzen der automobilen Vernunft“, hieß es schon am 4. November 1997 in dieser Zeitung. 15 Jahre später hat Daimler nun die Fertigung von Maybach-Fahrzeugen endgültig eingestellt. Über die aufgelaufenen Verluste schweigt des Sängers Höflichkeit.

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