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Maybach : Eine Luxusmarke am Ende

  • -Aktualisiert am
Schon schön: Das Armaturenbrett eines Maybach Zeppelin

Um den neuen Aufgaben gerecht zu werden, entstand schon 1919 der Maybach W 1 (Wagen 1) mit Daimler-Chassis - als Mittel zum Zweck: Nicht als Automarke wollte sich Maybach positionieren, sondern als Motorenbauer für den zivilen Einsatz. Das ging schief. Höchsten Ansprüchen verpflichtet, konnte nur die holländische Luxusmarke Spijker als Abnehmer von 150 (statt, wie vereinbart, von 1000) dieser W 2 genannten Triebwerke gewonnen werden. Also machte Maybach aus der Not eine Tugend und versuchte sich als Hersteller hochwertiger Automobile.

Stromlinienförmig für Max Schmeling

Der erste, 1921 lancierte Serienwagen trug die Bezeichnung W 3 und wurde von jenem W2-Aggregat mit sechs Zylindern befeuert, das aus einem Hubraum von 5742 Kubikzentimeter 72 PS schöpfte. Das Fahrgestell war hausgemacht, ebenso das aus dem W 1 bekannte, zweistufige Planetengetriebe, dessen direkter Gang durch Niedertreten des Gaspedals aktiviert wurde. Weitere Besonderheiten waren eine mechanische Vierradbremse mit verrippten Alu-Trommeln samt Druckausgleich sowie die 12-Volt-Doppelzündung, die mit Magnet und Batterie sowie zwei Kerzen je Zylinder arbeitete.

Seiner Zeit voraus: Maybach SW 35

Bis 1928 blieb der W 3 im Programm, danach wurden die Sechszylinder der W-Baureihe stetig verfeinert, ehe sie 1936 durch die „Schwingachswagen“ SW 35, 38 und 42 abgelöst wurden. Die Krönung aber waren und sind die mächtigen Zwölfzylindermodelle, die 1929 als Maybach 12 (Typ DS) debütierten, ein Jahr später aber bereits Zeppelin hießen. Bei diesen Fahrzeugen der Superlative kamen V12-Motoren mit sieben (DS 7) bzw. acht (DS 8) Liter Hubraum zum Einsatz, die 150 und 200 PS leisteten, 500 Kilogramm wogen und durch 43 Liter Kühlwasser temperiert wurden. Lange galten Maybachs äußerlich als konservativ, was sich nun änderte. Immer öfter wurden extravagante Aufbauten auf Maybach-Fahrgestelle gestülpt, etwa von Erdmann & Rossi in Berlin oder von Saoutchik in Paris. So gönnte sich Boxweltmeister Max Schmeling einen spektakulären, von Paul Jaray modellierten und von Spohn in Ravensburg eingekleideten SW 35 in Stromlinienform.

Die Wiederbelebung glückte nicht

1941 kam nach 2300 gebauten Exemplaren die Autoproduktion zum Erliegen. Dafür rückte der wieder aufgenommene Motorenbau in den Mittelpunkt, auch nach 1945. Eine von Friedrich Flick 1960 eingefädelte Partnerschaft mit Daimler-Benz führte 1966 zur Maybach Mercedes-Benz Motorenbau GmbH, die 1969 in der Motoren- und Turbinen-Union Friedrichshafen GmbH (MTU) mündete. 2006 verkaufte Daimler-Chrysler das profitable Unternehmen an einen schwedischen Investor. Die Belebung der klangvollen Automarke verlief weniger glücklich. „Der Maybach sprengt die Grenzen der automobilen Vernunft“, hieß es schon am 4. November 1997 in dieser Zeitung. 15 Jahre später hat Daimler nun die Fertigung von Maybach-Fahrzeugen endgültig eingestellt. Über die aufgelaufenen Verluste schweigt des Sängers Höflichkeit.

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