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Löschflugzeuge : Die Feuerwehr kommt vom Himmel

  • -Aktualisiert am

Ein Löschflugzeug in der Nähe von Cle Elum, Washington Bild: REUTERS

Löschflugzeuge sind eine effiziente Methode zur Bekämpfung von Waldbränden. Aber die Anforderungen an Mensch und Maschine sind extrem.

          4 Min.

          Für Urlauber an den Küsten Korsikas, Spaniens, Griechenlands und den Kanarischen Inseln sind sie derzeit wieder ein vertrauter Anblick: grell lackierte zweimotorige Flugboote, die in Strandnähe während des Aufsetzens auf dem Meer Wasser aufnehmen, um damit im Landesinnern Waldbrände zu bekämpfen. Für ihre Piloten läuft die Hochphase der Feuerbekämpfung. „Das Wasseraufnehmen auf offener See ist fast noch gefährlicher als das Abwerfen des Löschmittels über dem Brandherd“, mit diesen Worten charakterisiert einer der spanischen Löschflugzeug-Piloten, der bei den verheerenden Waldbränden auf der Kanareninsel La Gomera im Einsatz ist, die Schwierigkeiten dieser besonderen Art der Feuerbekämpfung aus der Luft.

          30 bis 40 Meter Abwurfhöhe über dem Feuer sind optimal

          Der Flugzeugführer, der ungenannt bleiben will und in der Unidad Militar de Emergencias dient, einer Nothilfe-Einheit, die Teil der spanischen Streitkräfte ist, fliegt in La Gomera eines der für den Mittelmeerraum typischen Amphibien-Löschflugzeuge des Typs Canadair 215, 215 T oder 415. All diese zweimotorigen Flugboote des kanadischen Herstellers Bombardier sind gleich groß, das älteste Modell, die 215, wird allerdings noch von zwei betagten Sternmotoren angetrieben. Die 215 T ist eine auf Propellerturbinen umgebaute 215, und die 415 als modernste Version hat ebenfalls zwei Propellerturbinen, aber anders als die 215-Varianten vier statt zwei Löschtanks. Die Canadair 215/415 ist zudem das einzige Flugzeug der Welt, das auf die Feuerbekämpfung aus der Luft hin konstruiert wurde. Alle anderen mehrmotorigen Flugzeuge, etwa Boeing 747, McDonnell-Douglas DC-10 oder Hercules C-130-Militärmaschinen, sind umgebaute Frachtflugzeuge, die nur von Land aus arbeiten können und deshalb Kompromisslösungen bleiben. Die Canadair-Löschflugzeuge hingegen können mit ihrem Amphibienfahrgestell sowohl auf Land als auch auf Wasser starten und landen. Das einziehbare Rad-Fahrwerk und die ganze Konstruktion sind so robust ausgelegt, dass Starten und Landen auch auf unbefestigten Pisten, also etwa Gras und Schotter, möglich sind.

          Schwerstarbeit für die Piloten

          Für die Piloten sind Löschflugeinsätze extrem herausfordernd: Turbulenzen schütteln Crew wie Maschine über dem Brandgebiet durch, oft ist die Sicht durch Rauch und Qualm miserabel. Dazu kommen riskante Tiefflugeinsätze über schwierigem Terrain sowie eine über Stunden hohe Anspannung, die den beiden Flugzeugführern im Cockpit zu schaffen machen. Und anders als etwa in einem Linienflugzeug werden alle Löscheinsätze ohne Hilfe eines Autopiloten geflogen. Die Piloten steuern nach Sicht und haben kaum Zeit zum Entspannen. Denn direkt nach dem Abwurf der 6100 Liter Wasserballast über dem Brandherd muss sofort wieder an der nächsten Wasserfläche aufgesetzt und nachgefasst werden. Das dauert mit der Canadair zwar nur zehn bis zwölf Sekunden, erfordert aber höchste Konzentration. Denn die Maschine rauscht während dieses Manövers mit 75 Knoten, also etwa 130 km/h, übers Wasser. Eine Art Luke an der Unterseite des Rumpfs presst das Wasser währenddessen in die Löschtanks. 400 Meter Strecke reichen, um diese zu füllen. Das Gewässer muss mindestens zwei Meter tief sein. Diese Phase des Flugs ist eine der gefährlichsten, weil die Besatzung mit starkem Wellengang, wechselnden Winden und Hindernissen auf der Wasseroberfläche rechnen muss. Denn anders als Piloten, die an einem Flughafen landen, erhalten Löschflugzeug-Crews keine Informationen von einem Tower vor dem Aufsetzen. Sie müssen sich auf ihre Erfahrung und das richtige Einschätzen der äußeren Bedingungen verlassen. Nicht nur eine Kollision mit Gegenständen auf dem Wasser könnte das Flugzeug zerstören, zu heftiger Wellengang würde möglicherweise auch zum Überschlagen der Maschine führen. Falls keine geeignete Wasserfläche in der Nähe ist, kann die Canadair auch auf Flugplätzen durch Tankwagen mit Löschwasser und einem feuerhemmenden Schaumgemisch befüllt werden.

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