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Super Constellation : Connies Neuer ist flügge

  • -Aktualisiert am

Die „beste Dreimotorige der Welt“

Bei einer knapp zweistündigen Trainingseinheit fliegt Breitenmoser fünf Touch-and-Go, es wird also direkt nach dem Aufsetzen der Räder auf der Landebahn wieder Gas gegeben und gestartet. Dazu kommen noch zwei Landungen bis zum Stillstand der Maschine sowie zwei Durchstartmanöver in der Luft. Der Crew-Neuling erfährt durch diese Manöver, wie die Maschine in verschiedenen Konfigurationen reagiert, also etwa mit nur halb oder voll ausgefahrenen Landeklappen, mit aus- oder eingefahrenem Fahrwerk und verschiedenen Leistungseinstellungen.

Zusätzlich muss der Neue Notmanöver wie etwa das Fliegen bei simuliertem Ausfall eines Triebwerks beherrschen. Gerade in dieser Beziehung hat die Super Constellation nicht gerade einen untadeligen Ruf: „Beste Dreimotorige der Welt“ lautet der spöttische Spitzname der viermotorigen Maschine, weil es früher im Linienbetrieb überdurchschnittlich oft Triebwerksausfälle gab. Und auch die SCFA-Piloten mussten ihr Können in den vergangenen Jahren schon unfreiwillig demonstrieren, als im Flug einer der Sternmotoren abgestellt werden musste.

Es gilt das Prinzip Fliegen nach Sicht

Die beiden Verantwortlichen für den Flugbetrieb der Connie, Ernst Frei als Leiter Operations und Chefpilot Agullo, müssen dennoch viele Anfragen interessierter Piloten ablehnen, die gern auf der Maschine fliegen würden. Frei und Agullo sind selbst Flugkapitäne auf modernen Boeing und Airbus mit vielen tausend Flugstunden. Aber einen 61 Jahre alten Klassiker mit betagter Technik und anfälligen Triebwerken zu steuern ist eine andere Welt. Das fängt damit an, dass die Connie manuell ohne Autopilot geflogen wird. Auch die bei schlechtem Wetter normalerweise notwendige Enteisungsanlage für Propeller und Tragfläche ist außer Funktion. Ihr Flugbetrieb ist deshalb auf die warme Jahreszeit und Mitteleuropa beschränkt.

Ein großer Unterschied zum Linienflug ist auch die Flughöhe. Während Boeing und Co in Höhen von mehr als zehn Kilometern auf Anweisung von Lotsen in für sie reservierten Luftkorridoren unterwegs sind, fliegt die Connie meist keine 1000 Meter hoch. Am liebsten fliegt ihre Crew in 1000 Fuß über Grund, umgerechnet rund 300 Meter über dem Boden. Das ist die vorgeschriebene Mindestflughöhe. „Also fliegen wir auch nicht höher“, betont Frei schmunzelnd. Denn so können seine Passagiere gut beobachten, was am Boden vor sich geht und wie die Landschaft unter ihnen hinwegzieht.

Das bedeutet aber auch, dass hier das Prinzip für Fliegen nach Sicht gilt, also sehen und gesehen werden. In der geringen Höhe tummeln sich Paraglider, Drachenflieger, Segelflugzeuge, kleine Motormaschinen, Helikopter und Ultraleichte - alle sind hier legal unterwegs. Deshalb ist ständiges Aufpassen und Rausschauen für die Piloten Pflicht. Seit der Flugsaison 2015 ist deshalb auch ein moderner Kollisionswarner im ansonsten nahezu originalen Cockpit installiert. Dieses Gerät leistet gute Dienste, weil es andere Flugzeuge meldet, bevor die Connie-Crew diese sehen kann.

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