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Leica : M wie Monochrom

  • -Aktualisiert am

6800 Euro soll die Leica M Monochrom kosten. Ohne Objektiv und ohne die Fähigkeit, mit ihrem 18-Megapixel-Vollformatsensor Farben aufnehmen zu können. Sie soll die „Zukunft der Schwarz-Weiß-Fotografie“ sein.

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          Wer bislang des Glaubens war, das Phänomen der sogenannten Fanboys beschränke sich auf die dem verewigten Steve Jobs nach wie vor huldigenden Chorknaben der iGeneration und die mit ihrer Xbox 360 oder Playstation 3 Festverdrahteten, der hat sich noch nicht bei L-Camera umgetan. L steht für Leica, was sich einst in Wetzlar zusammensetzte aus Leitz Camera. (Heute teilen sich den Markennamen Leica drei von einander unabhängige Unternehmen.) Den Produkten des Kameraherstellers näherzutreten, sei es real oder virtuell, das hat etwas vom Betreten eines sehr feinen Juweliergeschäfts, wo der Schritt in zentimeterhohem Teppichboden versinkt und jedes laute Wort sich von selbst verbietet. Genauso wie das geringste Hüsteln als Antwort auf den über den Tresen geflüsterten Preis.

          Fangen wir unerschrocken mit diesem an. 6800 Euro soll die von Ende Juli an zur Verteilung gelangende Leica M Monochrom kosten. Ohne Objektiv und ohne die Fähigkeit, mit ihrem 18-Megapixel-Vollformatsensor Farben aufnehmen zu können. „Das klingt erst mal wie eine verrückte Idee, bei näherem Hinsehen erschließt sich aber der Nutzen“, liest man bei Andreas Jürgensen, dem Blogger von L-Camera. Und etwas weiter unten in demselben Text heißt es dann: „Die Bilder der M Monochrom lassen sich per Knopfdruck mit den charakteristischen Tonungen analoger Schwarz-Weiß-Aufnahmen (Sepia, Kalt- oder Selenton) versehen. Dazu genügt es, das Bild im JPEG-Format abzuspeichern und die gewünschte Tonart zu wählen - einfach und komfortabel ohne Nachbearbeitung.“ Ei der Daus! Wofür braucht es denn dann noch die Lizenz zum Download der Schwarz-Weiß-Software Silver Efex Pro 2, die dem neuen Prachtstück mitgeliefert wird? Wegen „Dunkelkammer-inspirierten Werkzeugen“ und der Fähigkeit, über zwanzig Typen von Schwarz-Weiß-Film zu emulieren.

          Ziemlich in gleichem Atemzug spricht Leica von der „Zukunft der Schwarz-Weiß-Fotografie“ und davon, dass die M Monochrom „echte“ Schwarz-Weiß-Bilder „in bisher unerreichter Schärfe und Dynamik“ durch den Verzicht auf einen Farbfilter-Raster des Sensors ermögliche. Ein Witzbold im Forum konterte sogleich: Leica könne ja nun wieder Farbfilter für die Objektive anbieten wie in den guten alten Zeiten. Überhaupt hielt sich die Ergriffenheit im Netz ob der Neuerung in Grenzen, und es gab einige Lästereien zu lesen: „Hey Schultzie, let’s invent zom eggziting neue Leica schtuff und make a bundle of Euros.“ „OK Franzie, here’s von gut idea - vee take out za color und make za preize von souzand Euros more.“

          Begleitet wurde nicht nur diese Vorstellung vom Getwittere derer, die aus der Berliner Foto-Galerie c/o Weltbewegendes mitteilten: Wenn es etwas zu essen gab oder dass Leica-Aufsichtsrat Kaufmann als Zeugen Henri Cartier-Bresson aufrief: wahre Emotion könne es nur in Schwarz-Weiß geben. Zuvor hatte Kaufmann Barbara Klemm, von 1970 bis 2005 Redaktionsfotografin der F.A.Z., mit dem Leica Hall of Fame Award ausgezeichnet. Klemm hat ihre zu geschichtlichen Ikonen gewordenen Aufnahmen durchweg in Schwarz-Weiß fotografiert - allerdings analog. Was war aus Berlin noch zu melden? Eine neue Hermès-Edition der M9-P, fünf Zentralverschluss-Objektive zum S-System, eine Leica X2 aus Deutschland und eine V-Lux 40 aus japanischer Entwicklung sowie das Apo-Summicron-M 1:2/50mm Asph., das im Juli für 6000 Euro zu haben sein soll. Richtig aufregen konnte all das nicht einmal die Fanboys.

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