https://www.faz.net/-gy9-6zv5h

Leica : Der Fetisch Bildschärfe

  • -Aktualisiert am

Ich kann alles, nur nicht Farbe: Leica M Monochrom Bild: Hersteller

Leica präsentiert seine Neuheiten von der Kompaktklasse bis zum Mittelformat: Selten waren die Produkte so polarisierend. So erhält der Käufer für 6800 Euro das Gehäuse einer ausschließlich zu Schwarzweißbildern befähigten Digitalkamera.

          3 Min.

          Die Leica-Welt - eine fest um die teure Marke exzellenter Optiken gescharte Fan-Gemeinde und ihre immer zum Spott aufgelegten Zaungäste - bibberte dem 10. Mai entgegen. Denn „M“ wie Mai musste doch für das M-System, die eigentliche Leica, stehen. Und dass für einen Donnerstagabend in Berlin groß eingeladen wurde - konnte das etwas anderes bedeuten als dass am Abend eine Leica M10 debütieren sollte? Das Rumoren im Internet prognostizierte hingegen ganz anderes: Und so hielten sich am 10. Mai, als die Gala nach einer Rhapsodie retardierender Momente schließlich doch zur Sache oder viel mehr zu den Sachen kam, die Enttäuschung und die Befriedigung, es bereits gewusst zu haben, ziemlich die Waage. Leica hat in der Berliner Fotogalerie c/o nicht die M10, sondern rund ein Dutzend völlig verschiedener Produkte angekündigt.

          Um mit der technisch am wenigstens bemerkenswerten Novität zu beginnen: Von der Leica M9 wird es neue Hermès-Sets geben, wobei wie bei so vielen Leica-Sondermodellen vor allem die Belederung den Unterschied macht. Ferner wurden für das S-System, das heißt für das Mittelformat, fünf neue Objektive mit Zentralverschluss sowie ein Adapter für Objektive mit Hasselblad-H-Bajonett angekündigt. Eine V-LUX 40 als kompakte Reisekamera mit GPS ist nach bewährtem Muster das Derivat einer Lumix von Panasonic. An der stolz wie ihre Vorgängerin als „Made in Germany“ präsentierten X2 ist vor allem die auf sechzehn Megapixel erhöhte Sensorleistung bemerkenswert. Mit dem Apo-Summicron-M 1:2/50mm Asph. attestiert sich Leica selbst, einen „Meilenstein der Optik-Entwicklung“ erreicht zu haben. 6000 Euro soll das Objektiv kosten, dem eine bislang nicht erreichte Schärfe und eine Kontrastübertragung von über sechzig Prozent bis in die äußersten Ecken des Bildrandes nachgesagt wird. Zitat: „Zudem minimiert die apochromatische Korrektur des Objektivs Farbsäume an scharfen Kanten und sorgt so für eine natürliche Abbildung aller Details.“ Von diesem Vorzug des Super-Objektivs werden die Benutzer der neuesten M-Leica allerdings höchstens durch Kantenschärfe profitieren.

          Denn die Leica M Monochrom ist schlichtweg nicht in der Lage, in störenden Fehlfarben chromatische Aberrationen darzustellen. Für 6800 Euro erhält ihr Käufer das Gehäuse einer ausschließlich zu Schwarzweißbildern befähigten Digitalkamera. Der 18-Megapixel-Vollformatsensor der Leica Monochrom kann lediglich Hell und Dunkel unterscheiden. Das ist nun zwar bei den allermeisten Sensoren in Digitalkameras genauso, allerdings hat man bei dem Vollformat-Sensor der neuen Leica bewusst auf das verzichtet, was den Sensoren anderer Kameras das Farbensehen ermöglicht: ein Raster aus Farbfiltern. Auch dieser Verzicht geschah der Bildschärfe zuliebe: Was nicht gerastert werden muss, kann feiner gezeichnet sein. Abgesehen von dieser Besonderheit ist die M Monochrom weitestgehend eine M9.

          Die mit ihr gemachten, in Berlin und im Netz gezeigten Probeaufnahmen sind in der Tat sehr schöne Schwarzweißfotografie. Allerdings machten sie wenigstens zum Teil den Eindruck aufwendiger „post production“ am Computer. Dass die Leica M Monochrom auf Knopfdruck ihre Bilder etwa sepiafarben tönt, kann niemand vom Hocker reißen: So etwas macht auch eine Digitalknipse aus China, die einem für 30 Euro nachgeworfen wird. Auffälliger ist, dass Leica einerseits zwar von „echten“ Schwarzweißaufnahmen spricht, der Kamera in Gestalt von externer Software und Unterstützung beim Feindruck eben das mitgibt, was auch die Aufnahmen von Vollformatkameras mit herkömmlichem Sensor in hervorragende Monochrom-Abzüge verwandelt. Vom Reiz des vollkommen Exotischen einmal abgesehen, wird sich der theoretisch begreifbare Nutzen des Schwarzweißkonzepts erst noch in der Praxis bewähren müssen - und dies sicher nicht bei jedem Benutzer schaffen.

          Die neue Leica M Monochrom lässt sich angesichts ihres Preis-Funktions-Verhältnisses eigentlich nur auf einem Niveau diskutieren, und das ist leider das des Stammtischs. Dessen Tonlage wurde prompt schon wenige Minuten nach der offiziellen Vorstellung in den Kommentaren des Internets angeschlagen: Wer den Kopf schüttelt und bemerkt, dass man für den Preis der M Monochrom zwei oder drei japanische Vollformat-DSLRs namhafter Hersteller bekomme, der gehört eben nicht zu denen in der Leica-Welt, die beim bloßen Anblick solch ordinärer Kameras schon Ausschlag bekommen. Allein um ihretwillen gebietet die Nächstenliebe, dass es die Leica M Monochrom geben muss.

          Weitere Themen

          Blitzer erkennt Handys am Steuer Video-Seite öffnen

          Sydney : Blitzer erkennt Handys am Steuer

          Wer in Australien am Steuer telefoniert, wird seit Sonntag geblitzt, denn Kameras erkennen Handys beim Fahrer. Damit soll die Zahl der Verkehrstoten über zwei Jahre um ein Drittel gesenkt werden.

          Topmeldungen

          Nächtliche Pressekonferenz: Selenskyj, Merkel, Macron und Putin im Elysée-Palast

          Ukraine-Gipfel : Bewegung in einen versteinerten Prozess

          Der Stillstand sei überwunden, versichern Merkel und Macron nach neun Stunden Verhandlungen. Putin wittert Tauwetter. Doch Selenskyj ist skeptisch: „Mir ist das viel zu wenig.“

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.